Ex-Pfälzer pflegt historische Reben im Ueckermünder Tierpark-Weinberg
Ein Stück pfälzischer Weinkultur hat seinen Weg in den Nordosten Deutschlands gefunden. Dr. Stefan Stein, seit 2018 in Ueckermünde zu Hause, kümmert sich mit Leidenschaft und Fachwissen um den kleinen Weinberg im örtlichen Tierpark. Der 68-Jährige stammt aus einer traditionsreichen Weinbau-Familie in Landau in der Pfalz, wo sein Großvater und Vater neben ihren Hauptberufen als Fensterbauer beziehungsweise Lehrer einen Weinbaubetrieb im Nebenerwerb führten.
Von der Pfalz an die Ostsee
Stefan Stein betont zwar, dass er kein Winzer ist, doch seine ersten zwanzig Lebensjahre waren geprägt von der Arbeit in den Weinbergen. „Das gehörte einfach dazu – am Nachmittag oder am Wochenende die Reben zu pflegen und bei der Weinlese zu helfen“, erinnert sich der ehemalige Flottenarzt, der zuletzt im Auftrag der Bundeswehr beim Multinationalen Korps in Stettin tätig war. Seit seinem Umzug nach Ueckermünde mit seiner Frau Gabriele, wo beide als Stadtvertreter bekannt sind, hat er seine Weinbau-Kenntnisse wiederentdeckt.
Der nordöstlichste Weinberg Deutschlands
Der Weinberg im Ueckermünder Tierpark stellt eine besondere Rarität dar. Die Rebstöcke wurden im Jahr 2004 unterhalb der historischen Bockwindmühle gepflanzt und sind mittlerweile 22 Jahre alt. Es handelt sich dabei um die Rebsorten Regent (Rotwein) und Phönix (Weißwein), die speziell für ihre Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten gezüchtet wurden. Die Pflanzen stammen ursprünglich vom Weingut Rattey.
„Dies ist einer der nordöstlichsten Standorte in Deutschland, an dem Wein angebaut wird“, erklärt Stein. Vergleichbare Flächen existieren lediglich auf Usedom und der polnischen Insel Wollin. Allerdings darf sich der Ueckermünder Weinberg offiziell nicht als Weinanbaugebiet bezeichnen, da hierfür eine spezielle Zertifizierung erforderlich wäre.
Dringender Handlungsbedarf bei den Rebstöcken
Bei einer genauen Bestandsaufnahme musste Stefan Stein feststellen, dass von den ursprünglich 300 gepflanzten Reben etliche sehr schwach gewachsen sind und sogar 60 Pflanzen komplett fehlen. Der engagierte Pfleger hofft auf Sponsorengelder für eine dringend benötigte Nachpflanzung, um den Weinberg auch für die Tierparkbesucher wieder ansehnlich zu gestalten.
Fachgerechte Pflege nach pfälzischer Tradition
Nach einem vorsichtigen Rückschnitt im vergangenen Jahr hat Stefan Stein nun mit dem formgerechten Winterschnitt begonnen. Mit Gartenschere und Astsäge arbeitet er sich durch die Rebstöcke, schneidet sie radikal zurück und bereitet sie für die kommende Wachstumsperiode vor. „Sobald die Reben Saft treiben, erfolgt das Biegen und Binden der Triebe, die sogenannte Kammert“, erläutert der Experte.
Sein Pflegeplan sieht vor, dass er alle vier Wochen den Weinberg aufsuchen wird, um das Laub herauszuschneiden. Diese Maßnahme gewährleistet, dass Licht und Luft optimal an die Reben gelangen und keine feuchten Kammern mit Fäulnis entstehen können. Eine kontinuierliche Pflege, die Stefan Stein aus seiner pfälzischen Heimat bestens vertraut ist und die er nun dem Ueckermünder Tierpark-Weinberg widmet.



