Traumjob trotz Knochenarbeit: Fischer Uwe Siekierkowski liebt seine Freiheit auf dem Wasser
Fischer Uwe Siekierkowski: Traumjob trotz Knochenarbeit

Traumjob trotz Knochenarbeit: Fischer Uwe Siekierkowski liebt seine Freiheit auf dem Wasser

Harte körperliche Arbeit, eisiges Wasser und ein bescheidenes Einkommen – dennoch ist Uwe Siekierkowski mit Leidenschaft als selbstständiger Fischer tätig. Seit 1990 arbeitet der gebürtige Güstrower in diesem traditionellen Beruf und schätzt dabei besonders die Einsamkeit und das Freiheitsgefühl in der Natur. Als Alleinkämpfer bewirtschaftet er neun Seen in der Region rund um Güstrow, Krakow und Teterow.

Vorbereitungen für die Osterfänge

In diesen Wochen bereitet der Fischer aus Raden intensiv die Osterfänge vor. Fisch ist zu Ostern aus Tradition besonders beliebt in der Region. An kühlen Feiertagen werde vor allem Karpfen nachgefragt, ansonsten seien Forelle, Aal und Zander die Favoriten der Kunden. Die Arbeit ist dabei alles andere als leicht: Im Akkord müssen bis zu 40 Kilogramm Fisch ins Boot gehievt werden, und das kalte Wasser härtet zusätzlich ab.

„Die Arbeit auf dem See wird schnell unterschätzt“, weiß Uwe Siekierkowski aus Erfahrung. „Gestandene Jungs vom Dorf, die das mal ausprobiert haben, meinten: Wir hätten nicht gedacht, dass das so schwer ist!“ Es gebe tatsächlich immer noch Menschen, die glauben, Fischer gingen nur angeln – eine Einstellung, die den erfahrenen Berufsfischer ärgert.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Herausforderungen für die traditionelle Fischerei

Aufgrund der Härte des Jobs und der schwindenden Kaufkraft der Kunden würden es mit der Zeit deutlich weniger Kollegen in der Branche geben, berichtet Uwe Siekierkowski. „Es ist zu merken: Früher haben die Leute auch hier im ländlichen Raum deutlich mehr Fisch gekauft. Heute haben sie sehr viel weniger Reserven“, erinnert er sich an die Wochenmärkte in Teterow kurz nach der Wende. Damals gab es noch keine Supermärkte, und die Straßen waren voll mit Menschen und Ständen.

Für den Individualurlaub sei die Region Mecklenburger Schweiz und Güstrow zwar hervorragend geeignet, aber für den Fischverkauf stelle sie nicht den optimalen Standort dar – im Gegensatz zu Orten wie Waren. „Ich hätte das all die Jahre so nicht geschafft ohne die Unterstützung meiner Familie und meiner treuen Kunden“, betont der Fischer dankbar.

Verkauf ab Hof und veränderte Nachfrage

Heute verkauft Uwe Siekierkowski ausschließlich ab Hof. Auf Märkte zu fahren ist für einen Ein-Mann-Betrieb mittlerweile zu aufwendig, da neben dem Fischen auch das Verarbeiten – Schlachten, Putzen, Räuchern – viel Zeit in Anspruch nimmt. Zudem würde ein Verkaufswagen immerhin 70.000 Euro kosten.

Interessanterweise steigt bei jüngeren Menschen die Nachfrage nach regionalem Fisch wieder, und dafür geben sie gern auch etwas mehr Geld aus. Besonders gefragt sind Edelfische aus Wildgewässern. In Süddeutschland müssten Kunden deutlich mehr für solchen Fisch bezahlen, und zu Urlaubszeiten kaufen sie in der Mecklenburger Schweiz entsprechend gut ein.

Allerdings müssen manche dieser Kunden erst einmal verdauen, dass die Fische für ein Filet auch getötet werden müssen. „Wenn man aber von und mit der Natur lebt, muss man den dazugehörigen Tod auch akzeptieren“, denkt Uwe Siekierkowski pragmatisch.

Licht- und Schattenseiten des Fischerlebens

Für den Fischer hat alles seine Vor- und Nachteile: Harte Arbeit steht dem Freiheitsgefühl gegenüber, wenig Geld wird durch viel Natur kompensiert. „Das Verdienen ist für mich zweitrangig. Dafür darf ich draußen in der Natur und allein sein. Die Kehrseite wiederum sind minus 20 Grad im Winter und 35 Grad im Sommer“, beschreibt er die Extreme seines Berufs.

Vor allem bei Hitze müsse der Fischer mehrfach täglich rausfahren zum Abfischen, damit die Tiere nicht durch Faulwasser absterben. Je kälter es ist, desto ruhiger sei der Fisch – dann ist Zeit für Netzarbeiten. Schon als Kind in Tolzin habe er gern geangelt und sei viel am Wasser gewesen, erzählt Uwe Siekierkowski. Eigentlich wollte er Tierarzt, dann Förster und später Vollmatrose werden. „Beim Praktikum bei einem Fischer aber wusste ich: Das ist es!“ Erst später erfuhr er, dass schon sein Urgroßvater Fischer war – das Fischen lag ihm wohl im Blut.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Osterangebot und Kontaktmöglichkeiten

Zu Ostern bietet Uwe Siekierkowski frisch geräucherten und in Lake gesalzenen Fisch unten am See in Raden an. Über die Feiertage ist das Geschäft durchgängig geöffnet. Bei Bedarf können Interessierte einfach durchklingeln unter der Telefonnummer 0174 3053686.

Der Wechsel der Jahreszeiten am Radener See begleitet den Fischer durch sein Arbeitsjahr und prägt den Rhythmus seines traditionellen Handwerks, das trotz aller Herausforderungen seine Passion bleibt.