Iran-Krieg überschattet ITB Berlin: Tourismusbranche in großer Unsicherheit
Iran-Krieg überschattet ITB: Tourismus in Unsicherheit

Iran-Krieg überschattet Tourismusmesse ITB in Berlin

Die weltweite Leitmesse der Tourismusbranche, die ITB in Berlin, steht in diesem Jahr vollständig im Schatten des Krieges im Iran und dessen Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten. Statt über neue Reisetrends und innovative Angebote zu sprechen, dominieren bei den Tausenden versammelten Touristikexperten die Sorgen um Sicherheit, gestrandete Reisende und die wirtschaftlichen Folgen der Eskalation.

Große Unsicherheit bremst die Branche

„Es herrscht eine große Unsicherheit“, fasst Anke Budde, Präsidentin der Allianz Selbstständiger Reiseunternehmen, die Stimmung zusammen. Der Krieg im Iran beinhalte alles, was die Tourismuswirtschaft bremse: Gefahren für Leib und Leben, erhebliche Unsicherheiten bei An- und Abreise sowie absehbare steigende Kosten, beispielsweise durch einen möglichen Anstieg des Ölpreises. Die Region sei nicht nur ein bedeutendes Reiseziel für viele Menschen, sondern auch ein zentrales Drehkreuz für Verbindungen von Europa nach Südostasien.

„Sicherlich wird uns das wirtschaftlich, finanziell treffen, weil jetzt auf absehbare Zeit ein wichtiges Drehkreuz möglicherweise wegfallen wird“, sagte Budde mit Blick auf die großen Flughäfen in Dubai und Doha. Diese Aussage spiegelt die tiefe Besorgnis wider, die auf der Messe allgegenwärtig ist.

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Verwaiste Messestände und ausgefallene Teilnahmen

Die Auswirkungen des Konflikts sind auf dem Messegelände direkt sichtbar. Der große Stand Israels in Halle 21 steht komplett verwaist da. Das Land hat seine Teilnahme an der ITB aufgrund der aktuellen Lage in Nahost abgesagt. Laut der Messe Berlin konnten keine israelischen Vertreter anreisen. Der Tourismus ist für Israel ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.

Ähnlich sieht es einige Hallen weiter bei der Repräsentanz der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus. Zwar ist der Stand geöffnet, aber er ist kaum mit Personal besetzt. Eine Mitarbeiterin berichtet, sie gehöre zu den wenigen Glücklichen, die bereits am 26. Februar nach Berlin gereist seien. Sie geht nicht davon aus, dass noch viele weitere Kollegen aus den Emiraten nach Deutschland zur ITB gelangen werden.

Unterschiedliche Perspektiven auf die Krise

Die Vertreterin der VAE zeigt sich bezüglich der Auswirkungen auf den Tourismus in ihrem Land überraschend optimistisch. „Es war schon immer so: Wenn es irgendwo auf der Welt eine Krise gab, ging es im Tourismus der Vereinigten Arabischen Emirate steil nach oben“, sagt sie und verweist auf die Finanzkrise 2008. Sie betont, der aktuelle Krieg betreffe den Iran, die USA und Israel, die VAE aber nicht direkt. Ihre Regierung wisse, wie man das Spiel spiele, und werde einen Weg finden, Touristen anzulocken.

Auf die Frage nach den Sicherheitsbedenken potenzieller Gäste antwortet sie: „Die Deutschen machen sich viele Sorgen über die Sicherheit – die Menschen aus anderen Ländern nicht so sehr.“ Für ihre eigene Rückreise macht sie sich wenig Sorgen: „Es wird sich ein Weg finden, nach Hause zu kommen.“

Folgen für den deutschen Tourismusmarkt

Die Touristiker in Deutschland müssen sich hingegen darauf einstellen, dass je nach Dauer und weiterem Ausmaß des Kriegs deutlich weniger Menschen als bisher aus Israel und den arabischen Golfstaaten in die Bundesrepublik kommen werden. Zuletzt sorgten Gäste aus Israel pro Jahr für rund 615.000 Übernachtungen, Besucher aus den Golfstaaten sogar für etwa 1,2 Millionen Übernachtungen. Dieser wichtige Markt könnte also stark schrumpfen.

Die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten betreffen den Tourismus aber auch auf einer globaleren Ebene. Fluglinien wie Emirates, Qatar Airways und Etihad nutzen Flughäfen in der Region als zentrale Umstiegsorte (Hubs) für Verbindungen von Europa nach Südostasien, die typischerweise über Abu Dhabi, Dubai oder Doha führen. Europäische Airlines sind zwar weniger betroffen, da sie ihre Hubs meist in Europa haben, müssen aber Umwege fliegen, wenn durch Kriege bestimmte Lufträume gesperrt werden.

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Branche in abwartender Position

Insgesamt ist es nach Ansicht des Deutschen Reiseverbands (DRV) noch zu früh, um eine verlässliche Vorhersage für die Tourismusbranche in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten aufzustellen. Höchste Priorität habe derzeit, mit Reiseveranstaltern vor Ort im Kontakt zu bleiben und Informationen auszutauschen, sagte Verbandspräsident Albin Loidl bereits zu Messebeginn. „Wir beobachten die Situation vor Ort sehr genau.“ Er hoffe auf Deeskalation und eine diplomatische Lösung des Konflikts. „Für unsere Industrie hat die Sicherheit der Reisenden und der Partner vor Ort immer die höchste Priorität.“

Die ITB Berlin, die eigentlich als Schaufenster für die Zukunft des Reisens gedacht ist, wird in diesem Jahr zu einem Ort der Besorgnis und des Krisenmanagements. Die große Frage, ob 2026 noch ein erfolgreiches Jahr für die Tourismuswirtschaft werden kann, bleibt vorerst unbeantwortet und hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung im Iran und der gesamten Region ab.