Spektakel am Zuckerhut: Karnevalsumzüge im Sambodrom begeistern Rio de Janeiro
Von funkelnden Kostümen bis zu mitreißenden Trommelschlägen: Die zwölf Top-Sambaschulen haben zum Abschluss der weltberühmten Umzüge im Sambodrom die Zuschauer begeistert. Bis in die frühen Morgenstunden am Mittwoch, Ortszeit, traten die letzten Gruppen durch das Samba-Stadion mit Platz für mehr als 70.000 Zuschauer auf. Zu den Höhepunkten gehörten Handlungen, die an brasilianische Persönlichkeiten, kulturelle Traditionen und Geschichten der afrobrasilianischen Bevölkerung erinnerten. Einige Schulen zeigten Elemente aus Religionen afrikanischen Ursprungs.
Hommagen an brasilianische Ikonen
So wurden unter anderem die verstorbene Sängerin Rita Lee, die erfolgreichste Karnevalsdesignerin in Rio de Janeiro, Rosa Magalhães, oder auch Präsident Luiz Inácio Lula da Silva geehrt. Unter dem Titel „Vom Gipfel des Mulungu entspringt die Hoffnung: Lula, der Arbeiter Brasiliens“ zeichnete die Schule „Acadêmicos de Niterói“ den Weg des Linkspolitikers vom Metallarbeiter zum Staatschef nach. Diese Darstellung war besonders aufwendig gestaltet und zog die Aufmerksamkeit vieler Besucher auf sich.
Politische Debatte um Lula-Hommage
Da Lula bei der Präsidentenwahl im Oktober für eine vierte Amtszeit kandidieren will, hatte die Hommage bereits vor der Parade eine öffentliche Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Aktion ausgelöst. Oppositionsparteien versuchten, den Umzug wegen des Vorwurfs vorgezogener Wahlwerbung mit juristischen Mitteln zu stoppen, scheiterten jedoch vor dem Obersten Wahlgericht. Dieses warnte aber zugleich, der Karneval dürfe kein Raum für unzulässige Wahlpropaganda sein. Die Debatte spiegelte die politischen Spannungen in Brasilien wider und zeigte, wie der Karneval auch als Plattform für gesellschaftliche Auseinandersetzungen genutzt wird.
Ablauf der Karnevalsveranstaltungen
Die Top-Schulen traten – wie erstmals im vergangenen Jahr – an drei Tagen auf: am Sonntag, Montag und Dienstag. Am Freitag und Samstag traten in zwei Gruppen die Schulen auf, die sich um den Aufstieg in die Eliteklasse bewerben. Am Mittwoch kürt eine Jury, die wie beim Eiskunstlauf Noten vergibt, die Siegerin. Die Bewertungskriterien umfassen:
- Kostümdesign und Choreografie
- Musikalische Darbietung und Rhythmus
- Thematische Kohärenz und kulturelle Tiefe
- Gesamteindruck und Publikumsreaktion
Fortsetzung der Feierlichkeiten
Aber die größte Party der Welt ist damit nicht beendet: Am Samstag ziehen die sechs bestplatzierten Sambaschulen bei der „Parade der Champions“ ein letztes Mal durch das Sambodrom. Und auch beim Straßenkarneval sind in vielen Stadtvierteln immer noch Karnevalsgruppen – die sogenannten Blocos – unterwegs. Bereits in den vergangenen Tagen sorgten Hunderte dieser Gruppen für Stimmung auf den Straßen – und das bei Temperaturen von über 30 Grad, denn auf der Südhalbkugel ist derzeit Hochsommer. Die lebhafte Atmosphäre erstreckt sich über die gesamte Stadt und lockt Touristen aus aller Welt an.
Die Top-Schulen begeisterten die Zuschauer mit funkelnden Kostümen und mitreißenden Trommelschlägen, während die politischen Untertöne der Lula-Hommage für zusätzliche Spannung sorgten. Dieses Jahr zeigte sich einmal mehr, dass der Karneval in Rio nicht nur ein Fest der Freude, sondern auch ein Spiegel der brasilianischen Gesellschaft ist.



