Touristinformation Lychen: Vertragsverlängerung oder Neuausschreibung? Stadt debattiert Zukunft
Seit dem Jahr 2019 betreibt die Tourismus Marketing Templin GmbH (TMT) im Auftrag der Stadt Lychen die örtliche Touristinformation. Nun steht eine wegweisende Entscheidung an, denn der Kooperationsvertrag zwischen der Stadt und der TMT läuft am 31. März 2027 aus. Bürgermeisterin Karola Gundlach (parteilos) hat deshalb in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses die Diskussion über die Zukunft des Betriebs angestoßen.
Zwei Optionen für die Zukunft
Die Verwaltung möchte rechtzeitig vor Vertragsende die Meinung der Stadtverordneten einholen, welche der beiden grundsätzlichen Optionen sie favorisieren. Die erste Möglichkeit wäre eine unkomplizierte Verlängerung des bestehenden Vertrags, der eine entsprechende Option vorsieht. Die zweite Option wäre eine Neuausschreibung des Betriebs der Touristinformation. „In der Vergangenheit habe es bereits Stimmen gegeben, die auf eine Neuausschreibung hinauslaufen“, erinnerte Bürgermeisterin Karola Gundlach.
Forderungen nach Modernisierung und Neuausrichtung
Die Mitglieder der Regionalgruppe Lychen im Tourismus Verein Templin vertreten unter anderem die Ansicht, dass eine Neuausschreibung Klarheit über neue Aufgaben und Zuständigkeiten schaffen könnte. Dr. Karin Köcher, die im Namen der Gruppe ein Schreiben an die Bürgermeisterin richtete, betonte, dass das Leistungsverzeichnis angepasst werden müsse, um die Attraktivität des touristischen Standortes zu erhöhen und dessen Zukunftsfähigkeit zu sichern. Die Regionalgruppe, in der touristische Leistungsträger der Stadt aktiv sind, würde einen solchen Weg unterstützen.
Karin Köcher informierte zudem, dass die Gruppe selbst nicht plant, sich an einer möglichen Ausschreibung zu beteiligen. Es sei jedoch an der Zeit, die Aufgaben, die 2019 definiert wurden, auf den Prüfstand zu stellen. Nach sieben Jahren müsse neu erörtert werden, in welche Richtung sich Lychen entwickeln will und welche Aufgaben daraus resultieren. Während 2019 die gemeinsame Vermarktung der touristischen Regionen Templin und Lychen im Fokus stand, sollte die Flößerstadt künftig ihre Außenwirkung in Richtung Mecklenburgische Seenplatte nach Fürstenberg, Neustrelitz oder Feldberg verstärken.
Technische und digitale Defizite
Sebastian Schley, in der Stadtverwaltung unter anderem für Tourismus zuständig, wies darauf hin, dass die technische Ausstattung der Touristinformation ebenfalls auf dem Stand von 2019 ist. Inzwischen seien die Anforderungen gestiegen, insbesondere im Bereich der Digitalisierung. Er hatte sich die Internetseite der TI angeschaut und dort nur 28 Bewertungen aus den vergangenen acht Jahren gefunden – eine Zahl, die er als deutlich zu gering einschätzt.
Finanzielle Überlegungen und politische Positionen
Jan Genschow (LTG) erinnerte daran, dass TMT-Geschäftsführer Markus Nengel bereits bestätigt habe, dass eine Überarbeitung des Vertrages notwendig sei. „Wir müssen uns bewusst sein: Die TMT macht das, wofür wir sie bezahlen. Wenn wir mehr wollen, müssen wir sehen: Wie weit wollen wir gehen? Was können wir uns leisten?“, sagte er.
Im Stadtentwicklungsausschuss sprachen sich mehrere Mitglieder klar für eine Ausschreibung aus. Achim Rensch (Wir für Lychen) argumentierte, dass Bewerber dann ihren Fokus auf das Potenzial der Stadt Lychen lenken könnten. Selbst wenn sich die TMT wieder bewirbt, werde deren Sicht auf die Stadt eine andere sein. Reinhard Tänzer, sachkundiger Einwohner, merkte an, dass gute Angebote eine gute Ausschreibung erfordern würden. Klaus Schache, ebenfalls sachkundiger Einwohner, betonte, dass bei der Ausschreibung auch die Frage der finanziellen Tragbarkeit eine Rolle spiele. Alexander Köppen (SPD) sprach sich ebenfalls für eine Ausschreibung aus, schon allein deshalb, weil die Aufgaben dann auf den Prüfstand gestellt werden würden.
TMT signalisiert Beteiligungsbereitschaft
Markus Nengel, Geschäftsführer der TMT, begrüßte die von der Bürgermeisterin angestoßene Diskussion. „Ich habe eine Ausschreibung sogar empfohlen“, sagte er. Ohnehin sei die finanzielle Ausstattung der Stadt nicht mehr ausreichend. Deshalb sei es wichtig, dass die Stadt Leistungen definiert. Dementsprechend könne die TMT ein Angebot unterbreiten. „Die TMT wird sich an der Ausschreibung beteiligen“, so der Geschäftsführer.
Bürgermeisterin Karola Gundlach nahm aus dem Stadtentwicklungsausschuss mit, dass der Tenor in Richtung Ausschreibung geht. Die Verwaltung werde dazu die nächsten Schritte einleiten, um die Zukunft der Touristinformation Lychen zu sichern und den touristischen Standort für die kommenden Jahre fit zu machen.



