Naher Osten-Konflikt belastet Tourismus – Deutsche Urlauber zeigen sich dennoch resilient
Naher Osten-Konflikt belastet Tourismus – Deutsche resilient

Naher Osten-Konflikt belastet Tourismusbranche – Deutsche Urlauber zeigen sich resilient

Der eskalierende Krieg im Nahen Osten sorgt für erhebliche Verunsicherung bei Reisenden weltweit. Trotz Reisewarnungen, gesperrter Lufträume und direkter Angriffe auf touristische Infrastruktur zeigt sich jedoch eine bemerkenswerte Resilienz bei deutschen Urlaubern. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur offenbart, dass internationale Krisen für die Mehrheit der Bundesbürger keinen Einfluss auf ihre Urlaubsplanung haben.

Umfrageergebnisse zeigen gemischtes Bild

Die repräsentative Befragung von rund 1.750 Erwachsenen im März ergab, dass 54 Prozent der Deutschen ihre Reisepläne trotz der geopolitischen Spannungen unverändert lassen. Dennoch bleiben die Konflikte nicht ohne Folgen: Zehn Prozent der Befragten wollen ihre Urlaubsplanung aufgrund internationaler Krisen anpassen, bei sieben Prozent ist eine bereits gebuchte Reise unsicher geworden, und vier Prozent haben ihre Reise bereits abgesagt oder verschoben.

Politische Stabilität als entscheidender Reisefaktor spielt für die Mehrheit der Urlauber eine zentrale Rolle. 58 Prozent berücksichtigen die politische Stabilität eines Landes stark bei ihrer Reisezielwahl, weitere 27 Prozent zumindest teilweise. Nur jeder Zehnte gibt an, dass dieser Aspekt für ihn keine Bedeutung hat.

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Wirtschaftliche Auswirkungen auf Tourismusregionen

Die Beratungsfirma Oxford Economics prognostiziert drastische Rückgänge bei den Besucherzahlen im Nahen Osten. Sollte der Konflikt noch etwa zwei Wochen andauern, könnten die Touristenzahlen um rund elf Prozent sinken. Bei einer Dauer von ein bis zwei Monaten wäre sogar ein Rückgang um 27 Prozent möglich – verbunden mit wirtschaftlichen Einbußen von etwa 56 Milliarden US-Dollar.

Besonders die Golfstaaten, die sich jahrelang als sichere Reiseziele positioniert hatten, fürchten um ihr Image. „Das Siegel ist gebrochen“, kommentierte der katarische Analyst Ahmed Hilal gegenüber Al Jazeera. Metropolen wie Dubai, Abu Dhabi und Doha, die lange als sichere Inseln galten, könnten nach Angriffen auf Flughäfen, Hotels und dicht bewohnte Gebiete Jahre benötigen, um ihren Status als vertrauenswürdige Destinationen zurückzugewinnen.

Israel und Ägypten besonders betroffen

In Israel und den Palästinensergebieten leidet der Tourismus bereits seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg unter schweren Einbußen. Der neue Konflikt mit dem Iran versetzt der Branche nun einen weiteren Schlag. Nach Angaben des israelischen Tourismusministeriums haben Tausende Touristen das Land seit Kriegsbeginn verlassen – teilweise über Landgrenzen nach Jordanien oder Ägypten.

Auch Ägypten, eines der beliebtesten Reiseziele deutscher Urlauber, bangt um seine Gäste. Das Land ist stark auf Tourismuseinnahmen angewiesen und hatte sich nach politischen Unruhen, Terroranschlägen und der Corona-Pandemie gerade erholt. Die offizielle Eröffnung des Grand Egyptian Museum an den Pyramiden sorgte für zusätzlichen Rückenwind: Im vergangenen Jahr kamen rund 19 Millionen Besucher nach Ägypten – ein Wachstum von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Branchenreaktionen und Experteneinschätzungen

Tourismusforscher betonen, dass solche Schwankungen im Reisegeschäft nichts Ungewöhnliches seien. „Grundsätzlich haben Touristen ein kurzes Gedächtnis“, erklärte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft, Jürgen Schmude. „In der Regel sehen wir solche Nachfragewellen zwei bis drei Jahre lang. Danach normalisiert sich das häufig wieder.“

Ob ein Konflikt dem Image einer Destination langfristig schade, hänge vor allem von seiner Dauer ab. „Je länger er anhält, desto größer sind die Folgen“, so Schmude. Ägypten etwa habe in der Vergangenheit mehrere Anschläge erlebt und sei dennoch immer wieder als Reiseziel zurückgekommen. Wenn der Konflikt im Nahen Osten schnell ende, könnten die Auswirkungen auf den Tourismus schon nach einem halben Jahr weitgehend vergessen sein.

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Reiseveranstalter beobachten differenziertes Bild

Bei Reisen in Länder der Golfregion und bei Umsteigeverbindungen über Drehkreuze wie Dubai oder Doha beobachtet der Reisekonzern Tui eine deutliche Zurückhaltung bei Buchungen. Für die Region rechne man zunächst mit einer Phase der Erholung. „Erfahrungsgemäß setzen die betroffenen Reiseziele alles daran, den Tourismus schnell wieder anzukurbeln und das Vertrauen der Reisenden zurückzugewinnen“, teilte das Unternehmen mit.

Stabil bleibe dagegen die Nachfrage nach Ägypten. In den vergangenen Wochen seien bereits zahlreiche Buchungen eingegangen. Das Land habe sich zudem zunehmend als feste Größe im Sommerurlaub etabliert. Vom Branchenzweiten Dertour heißt es, Ägypten bleibe weiterhin gefragt, derzeit gebe es jedoch eine gewisse Zurückhaltung sowie vereinzelt Stornierungsanfragen. Die klassischen Baderegionen seien vom Iran-Krieg nicht beeinträchtigt, auch der ägyptische Luftraum sei offen.

Tourismus als krisenfeste Branche

„Tourismus ist eine sehr resiliente Branche – sobald Stabilität zurückkehrt, kehrt auch die Reiselust der Menschen zurück“, betonte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Albin Loidl. Viele Urlauber wichen in solchen Situationen eher auf andere Ziele aus, statt ganz auf eine Reise zu verzichten. Nach Krisen finde die Branche meist schnell wieder in die Spur.

Der Tourismuskoordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), wies darauf hin, dass die Tourismusbranche von Reiseabsagen stark betroffen sei. „Die Situation in der Golfregion hat auch Auswirkungen auf andere Urlaubsregionen, etwa in Asien und Afrika, weil viele Verbindungen über die Drehkreuze in der Golfregion führen.“ Erfahrungen aus früheren Krisen zeigten jedoch, dass Reisende häufig zurückkehrten, sobald ein Reiseziel wieder als sicher wahrgenommen werde.

Gleichzeitig steige die Nachfrage nach klassischen Urlaubszielen im westlichen Mittelmeer, etwa Spanien, was die Anpassungsfähigkeit der Branche und der Reisenden unterstreicht. Die Tourismuswirtschaft zeigt sich damit trotz der aktuellen Herausforderungen als erstaunlich krisenfest, während die langfristigen Auswirkungen des Naher Osten-Konflikts auf die globale Reisebranche noch nicht absehbar sind.