Schwarzwald-Dörfer als Hotels: Tourismuskonzept soll ganze Orte verwandeln
Schwarzwald-Dörfer als Hotels: Neues Tourismuskonzept

Schwarzwald-Dörfer als Hotels: Tourismuskonzept soll ganze Orte verwandeln

Der Schwarzwald steht vor einer touristischen Revolution, die weit über traditionelle Hotelkonzepte hinausgeht. Statt neuer Hotelbauten setzen Experten auf eine innovative Idee: Ganze Dörfer sollen zu Hotels werden, wobei sich Zimmer und Ferienwohnungen über den gesamten Ort verteilen.

Italienisches Modell für den Schwarzwald

Hinter diesem ambitionierten Vorhaben stehen die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) und die Beratungsgesellschaft Compass Tourismus Partner eG (co:compass). Sie planen, das aus Italien bekannte Konzept des "Albergo Diffuso" – übersetzt "verstreutes Hotel" – im Schwarzwald weiterzuentwickeln und anzuwenden.

Bei diesem Modell gibt es kein zentrales Hotelgebäude mehr. Stattdessen wird das gesamte Dorf zur Hotelanlage. Die Rezeption befindet sich mitten im Ort, das Frühstück wird beim örtlichen Bäcker serviert, das Abendessen im Gasthaus eingenommen – und der Dorfplatz fungiert als gemeinsame Lobby. Sogar die Einheimischen werden Teil des touristischen Erlebnisses und tragen zu den Urlaubserinnerungen der Gäste bei.

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Neue Perspektiven für gefährdete Dörfer

Projektleiterin Heide Glasstetter betont den ganzheitlichen Ansatz: "Wir sprechen hier nicht nur über Tourismus, sondern über Dorfentwicklung. Geht die Rechnung auf, bleiben Bäckereien und Gaststätten erhalten, die sonst schließen würden."

Die Suche nach geeigneten Standorten läuft noch bis zum 30. März. Glasstetter erklärt: "Uns liegen bisher drei Bewerbungen vor. Fünf weitere Orte haben großes Interesse. Die Orte werden wir erst nach einem Auswahlprozess bekanntgeben."

Die Auswahlkriterien sind klar definiert: "Es muss ein Ensemble von Gebäuden sein, die nicht mehr als 400 Meter auseinanderliegen, damit das Konzept noch aufgeht." Genau hier liegt jedoch die größte Herausforderung. Das Modell kann nur erfolgreich sein, wenn das gesamte Dorf hinter der Idee steht.

Einbindung der Bewohner als Schlüsselfaktor

Die Zustimmung der Dorfbewohner ist entscheidend für den Erfolg des Projekts. Glasstetter unterstreicht: "Deshalb müssen uns die Bewerber glaubhaft zeigen, wie sie die Bewohner mitnehmen wollen. Das ist eine Bedingung." Erfahrungen aus Italien zeigen, dass Projekte oft am mangelnden Rückhalt in der Dorfgemeinschaft scheiterten.

Unterstützt wird das Vorhaben vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg. Spätestens Ende April sollen fünf geeignete Orte für die Umsetzung des Konzepts bekannt gegeben werden. Diese innovative Herangehensweise könnte nicht nur den Tourismus im Schwarzwald neu definieren, sondern auch gefährdeten Dörfern eine wirtschaftliche Perspektive bieten.

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