Weltgästeführertag in Schwerin: Historische Straßenbahn-Tour trotz Regens ein voller Erfolg
Trotz anhaltenden Regens zog der Weltgästeführertag am vergangenen Wochenende zahlreiche Besucher durch die Straßen der Landeshauptstadt Schwerin. Insgesamt 25 verschiedene Führungen führten zu verborgenen Orten, historischen Details und persönlichen Erinnerungen – darunter eine besonders emotionale Tour entlang der alten Straßenbahnlinie, die tiefe Einblicke in die DDR-Vergangenheit bot.
Eine Zeitreise entlang historischer Schienen
Als sich am Sonntagmittag sieben interessierte Teilnehmer vor den Güstrower Torhäusern in der Schweriner Werdervorstadt versammelten, spannte sich Schirm um Schirm gegen den anhaltenden Niederschlag auf. Gästeführer Norbert Riebe kündigte eine etwa zweistündige Reise durch mehrere Epochen der Stadtgeschichte an. Die Tour „Entlang der alten Straßenbahnlinie – Werderkaserne bis Mecklenburgstraße“ gehört nicht zum regulären Stadtprogramm, sondern wurde speziell für den Weltgästeführertag konzipiert.
Zwischen historischen Altbaufassaden und unscheinbaren architektonischen Details erzählte Riebe von einer Stadt, in der Straßenbahnen durch enge Gassen rumpelten, Schaffner Fahrkarten kontrollierten und der Alltag der Deutschen Demokratischen Republik das Stadtbild nachhaltig prägte. Die Teilnehmer erfuhren von verschwundenen Bäckereien, veränderten Linienführungen und dem täglichen Leben entlang der einstigen Strecke.
Persönliche Erinnerungen verleihen der Tour besondere Tiefe
Die Führung ist eng mit der persönlichen Geschichte ihres Leiters verbunden. „Ich habe die ersten 20 Jahre meines Lebens hier verbracht“, erzählte der 65-jährige Norbert Riebe, der das Viertel wie kaum ein anderer kennt. Für ihn ist die Route weit mehr als ein historischer Rundgang – sie ist lebendige Erinnerung an seine eigene Vergangenheit.
Mit historischen Fotografien in der Hand berichtete Riebe von der Pferdebahn ab 1882, vom Beginn der elektrischen Straßenbahn im Jahr 1908 und von der endgültigen Einstellung der Linie im Herbst 1969. Immer wieder blieb die Gruppe stehen, um unscheinbare Details zu betrachten:
- Alte Straßenbahnhalterungen, die sich bis heute an Hausfassaden entlangziehen
- Vergessene architektonische Elemente, die an die einstige Strecke erinnern
- Veränderungen im Stadtbild, die im Alltag leicht übersehen werden
„Als Kind kam ich nicht an die Halteschlaufen ran, und als ich groß genug war, war die Straßenbahn bereits verschwunden“, so Riebe mit einem Lächeln. Der frühere Feuerwehrmann engagiert sich seit fast 25 Jahren als Gästeführer und nutzt seine umfassenden Ortskenntnisse, um auch weniger bekannte Ecken der Stadt sichtbar zu machen.
Schlossführungen und Nachtwächter-Touren als Publikumsmagneten
Neben dieser speziellen Straßenbahn-Tour erwiesen sich auch bewährte Formate als äußerst gefragt. Die Führung durch nicht öffentliche Bereiche des Schweriner Schlosses zog zahlreiche Besucher an. Teresa Beck-Babajanyan, Vorsitzende des Vereins Schweriner Gästeführer und Organisatorin des Aktionstages, führte gemeinsam mit Norbert Riebe durch Räume, die normalerweise für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben.
Die Schlossführungen entwickelten sich mit insgesamt 140 Gästen in sieben Gruppen zum absoluten Publikumsmagneten. Auch das Staatliche Museum verzeichnete reges Interesse:
- Insgesamt 228 Besucher nahmen an vier verschiedenen Führungen teil
- Die Rundgänge „Barlach und der Expressionismus“ lockten 90 Gäste an
- „Rembrandt und das goldene Zeitalter“ verzeichnete 75 Teilnehmer
- Zwei weitere Museumstouren erreichten 33 beziehungsweise 30 Besucher
Unter den klassischen Stadtführungen war die Tour „Venedig des Nordens“ um 13 Uhr besonders beliebt – 37 Gäste schlossen sich diesem Rundgang an. Den stimmungsvollen Abschluss des Tages bildete um 19 Uhr die Nachtwächter-Tour mit Michael Kratt durch die dunklen Gassen der Schweriner Altstadt.
Positive Bilanz trotz widriger Wetterbedingungen
Insgesamt nahmen 609 Besucher an den 25 verschiedenen Führungen des Weltgästeführertages teil. Organisatorin Teresa Beck-Babajanyan zeigte sich am Ende des Tages trotz der suboptimalen Wetterlage äußerst zufrieden: „Der Weltgästeführertag war ein voller Erfolg. Das Interesse an unserer Stadtgeschichte ist ungebrochen, und selbst der anhaltende Regen konnte die Besucher nicht davon abhalten, sich auf diese besonderen Entdeckungsreisen zu begeben.“
Die besondere Straßenbahn-Tour entlang der historischen Linie demonstrierte eindrucksvoll, wie persönliche Erinnerungen und historische Fakten zu einem einzigartigen Erlebnis verschmelzen können. Die Teilnehmer verglichen historische Bilder mit den heutigen Fassaden, erkannten vertraute Orte wieder oder staunten über Veränderungen, die ihnen zuvor nie aufgefallen waren. Persönliche Anekdoten mischten sich dabei mit fundierten historischen Informationen, was die Führung zu einem besonders authentischen Erlebnis werden ließ.



