Südtiroler Gemeinden im Kampf gegen Wildcamper: Müll und sanitäre Probleme als Hauptgründe
Die idyllischen Urlaubsregionen Südtirols stehen vor einer wachsenden Herausforderung: Wildcamper, die mit ihren Fahrzeugen öffentliche Parkplätze besetzen und dabei oft erhebliche Verschmutzungen hinterlassen. Mehrere Gemeinden haben nun Gegenmaßnahmen ergriffen und wollen das nächtliche Übernachten in Fahrzeugen unterbinden.
Wolkenstein setzt auf gerichtliche Durchsetzung des Übernachtungsverbots
In Wolkenstein im Grödnertal hat die Gemeinde vor einem halben Jahr ein Übernachtungsverbot in Fahrzeugen erlassen, das nun mit allen verfügbaren Mitteln – einschließlich gerichtlicher Schritte – durchgesetzt werden soll. Das Verbot betrifft Camper, Wohnmobile und andere Fahrzeuge, die zur Übernachtung genutzt werden. Gemeindereferent Ernest Cuccarollo erklärt die Beweggründe: „Wenn jemand sein Fahrzeug am Straßenrand parkt, um darin zu übernachten, muss er sich abends und morgens waschen und auf die Toilette gehen. Die deutlichen Spuren all dieser verständlichen menschlichen Aktivitäten finden sich dann am Wegesrand und das kann und darf es nicht sein.“
Die italienische Camper-Vereinigung hat jedoch Beschwerde gegen die Verordnung eingelegt und hält diese für diskriminierend. Nach ihrer Ansicht verletzt das Verbot das Gleichheitsprinzip der Straßenverkehrsordnung, da es sich ausschließlich gegen Wohnmobile und Camper richtet. Bürgermeister Tobias Nocker verweist darauf, dass seit Inkrafttreten des Verbots weniger Camper nach Wolkenstein gekommen seien.
Kastelruth und Kalterer See mit ähnlichen Problemen
Die Problematik beschränkt sich nicht auf Wolkenstein. Auch in Kastelruth sieht sich die Gemeinde mit Wildcampern konfrontiert. Bürgermeisterin Cristina Pallanch schildert die Situation: „Grundsätzlich sind die Wildcamper ein Problem, weil sie die öffentlichen Parkplätze blockieren. Dann hinterlassen sie vielfach Müll. Und wenn sie zum Beispiel in die angrenzenden Wälder gehen und dort ihre Notdurft verrichten, ist das sanitär ein Problem.“
Am Kalterer See plant die Gemeinde ebenfalls ein nächtliches Parkverbot mit Abschleppung, insbesondere entlang des Seerundwanderweges. Ziel ist es, Umweltverschmutzung und unerlaubtes Campieren einzudämmen. Eine Camperin aus Bayern äußert Verständnis für die Lage, verweist aber auf die hohen Kosten alternativer Übernachtungsmöglichkeiten: „Man ist ja quasi schon drauf angewiesen, dass man wo stehen kann, oder man muss halt den einzigen Campingplatz nehmen, der 58 Euro nur für den Stellplatz kostet.“
Rechtliche Auseinandersetzungen und politische Unterstützung
Die rechtlichen Aussichten für die Gemeinden sind ungewiss. Der Anwalt der Gemeinde Wolkenstein, Christoph Perathoner, weist darauf hin, dass die nationale Campervereinigung in der Vergangenheit bereits erfolgreich gegen ähnliche Verbote in ganz Italien vorgegangen ist. „Es gibt haufenweise Urteile, in denen sich die nationale Campervereinigung gegen Gemeinden in ganz Italien durchgesetzt hat“, so Perathoner.
Auf politischer Ebene erhalten die betroffenen Gemeinden jedoch Rückendeckung. Landesrat Luis Walcher (SVP), zuständig für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus, hat die Gemeinden ermuntert, mit Verordnungen gegen das Wildcampen vorzugehen. Er bezeichnet das Phänomen als „überhandgenommen“. Im Jahr 2024 verzeichneten Camping- und Stellplätze in Südtirol insgesamt rund zwei Millionen Übernachtungen, was die Bedeutung einer geordneten touristischen Infrastruktur unterstreicht.
Die Gemeinden stehen somit vor der schwierigen Aufgabe, ein Gleichgewicht zwischen Tourismusförderung und Umweltschutz zu finden, während sie gleichzeitig rechtliche Hürden überwinden müssen.



