Spargel-Debatte am Tegernsee: Wirt verteidigt griechischen Vorsaison-Spargel
Spargel-Debatte am Tegernsee: Wirt verteidigt Import (10.03.2026)

Spargel-Debatte am Tegernsee: Wirt verteidigt griechischen Vorsaison-Spargel

Im sonnigen Biergarten des Tegernseer Bräustüberls genießen zahlreiche Gäste ihr Essen. Doch eine scheinbar harmlose Ankündigung hat für hitzige Diskussionen gesorgt. Das Kult-Wirtshaus kündigte auf Facebook an: "Der erste Spargel der Saison ist da. Am Wochenende gibt es bei uns den ersten frischen Spargel – direkt aus Griechenland." Ein schöner Vorgeschmack auf den Frühling, so das Lokal, und der Auftakt der Spargelzeit.

Kritik an nicht-regionalem Spargel

Die Reaktionen fielen gemischt aus. Viele Nutzer äußerten Unverständnis über den Import-Spargel im März. "Spargel aus der Region, das wäre richtig. Dann muss man halt noch was warten", kommentierte ein Nutzer. Ein anderer fragte sarkastisch: "Gibt es auch Bier aus Griechenland?" und regte an, stattdessen Spargel aus bayerischen Anbaugebieten wie Schrobenhausen oder Abensberg zu verwenden.

Besonders kritisch zeigten sich Gäste, die das Bräustüberl als Vertreter regionaler Saisonküche kennen: "Ich dachte immer, das Bräustüberl steht für regionale Saisonküche, Spargel aus Griechenland?? Traurig, traurig. Den ersten Spargel aus Deutschland sollte man am 10. April verkaufen."

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Wirt Peter Hubert reagiert gelassen

Langjähriger Wirt Peter Hubert zeigt sich unbeeindruckt von der Kritik. Auf die Diskussion antwortete das Gasthaus mit einem Foto von Hubert, der genüsslich Spargel isst. Dazu schrieb das Bräustüberl: "Gestern haben wir gelernt: Spargel im März kann offenbar für Gesprächsstoff sorgen. Ja, er kommt aktuell noch aus Griechenland. Und ja, auf den deutschen Spargel freue ich mich genauso wie viele von euch."

Hubert selbst ließ wissen: "Ich habe mir heute jedenfalls schon einmal einen Teller gegönnt mit Schinken dazu, so wie er gehört. Und was soll ich sagen: Sauguad war er." Er strahlt auf dem Foto und betont die Philosophie seines Hauses: "Am Ende sei ein Wirtshaus doch genau dafür da: Dass jeder das bestellt, worauf er gerade Lust hat."

Wann kommt deutscher Spargel?

Laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft wird der größte Teil des deutschen Spargels erst zwischen Ende April und dem 24. Juni (Johanni) geerntet. Allerdings gibt das aktuelle Frühlingswetter Grund zur Vorfreude: Die ersten heimischen Stangen könnten in diesem Jahr schon Mitte März im Südwesten Deutschlands geerntet werden.

Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer in Bruchsal teilte mit, dass nennenswerte Erntemengen ab dem 20. März zu erwarten sind. Anbauberater Ludger Aldenhoff erklärte: "Mit dem gefühlten Sprung vom Winter in den Sommer treiben die Spargelstangen nun üppig aus. Wenn es mit der Ernte losgeht, dann wird es richtig losgehen. Zu Ostern erwarten wir ausreichend Spargel für alle."

Unterstützung für den Wirt

Nicht alle Gäste kritisieren die Entscheidung. Viele springen Hubert zur Seite: "Also wie man sich nur über sowas aufregen kann. Leben und leben lassen. Wer JETZT keinen Spargel essen will, der soll an Schweinshaxen essen. Ganz einfach. Manche Leute haben zu viel Zeit", heißt es in einem Kommentar.

Ein anderer Schreiber argumentiert: "Hoffe, jeder der hier so negativ kommentiert, konsumiert nie Bananen, Avocados, Orangen, Datteln, Kokosnuss usw. Die sind nämlich auch nicht regional. Was ein Blödsinn immer."

Fakten zur deutschen Spargelproduktion

Laut dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer gibt es in Deutschland rund 1300 Spargelbetriebe. In Bayern wurden 2024 der Statistik zufolge 19.406 Tonnen Spargel angebaut. Das Bräustüberl bietet den griechischen Spargel am Wochenende für 23,50 Euro mit kleinem Schweineschnitzel, Petersilienkartoffeln und Sauce Hollandaise an.

Die Diskussion zeigt, wie emotional das Thema Regionalität in der Gastronomie besetzt ist. Während einige Gäste strikt auf lokale Produkte bestehen, bevorzugen andere die frühe Verfügbarkeit. Das Bräustüberl Tegernsee bleibt bei seiner Linie: "Bis dahin halten wir es bei uns im Bräustüberl aber ganz einfach: leben und leben lassen. Wer warten möchte, wartet. Wer Lust auf den ersten Spargel hat, darf ihn gern genießen."

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