Spargel-Debatte am Tegernsee: Wirt verteidigt griechischen Vorsaison-Spargel
Spargel-Debatte am Tegernsee: Wirt verteidigt Import (12.03.2026)

Spargel-Debatte am Tegernsee: Wirt verteidigt griechischen Vorsaison-Spargel

Im sonnigen Biergarten des Tegernseer Bräustüberls genießen zahlreiche Gäste ihr Essen. Doch eine scheinbar harmlose Ankündigung auf Facebook hat für erheblichen Gesprächsstoff gesorgt. Das Kult-Wirtshaus kündigte für das Wochenende den ersten frischen Spargel der Saison an – allerdings nicht aus der Region, sondern direkt aus Griechenland. Diese Entscheidung hat eine lebhafte Debatte über regionale Saisonküche und kulinarische Vorlieben entfacht.

Die Kontroverse um den frühen Spargel

Die Reaktionen auf den Facebook-Beitrag fielen gemischt aus. Viele Nutzer äußerten Unverständnis für die Entscheidung, Spargel bereits Anfang März anzubieten, noch dazu aus Griechenland. "Spargel aus der Region, das wäre richtig. Dann muss man halt noch was warten", kommentierte ein Nutzer. Ein anderer fragte sarkastisch: "Gibt es auch Bier aus Griechenland?" und regte stattdessen Spargel aus Schrobenhausen oder Abensberg an.

Besonders kritisch zeigten sich jene, die das Bräustüberl traditionell mit regionaler Saisonküche verbinden. "Ich dachte immer, das Bräustüberl steht für regionale Saisonküche, Spargel aus Griechenland?? Traurig, traurig", lautete ein Kommentar. Einige verwiesen sogar auf den traditionellen deutschen Spargelstart am 10. April.

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Unterstützung für den Wirt

Auf der anderen Seite erhielt langjähriger Wirt Peter Hubert viel Zuspruch. "Also wie man sich nur über sowas aufregen kann. Leben und leben lassen", verteidigte ein Kommentator die Entscheidung. Ein anderer Nutzer wies auf die Inkonsequenz vieler Kritiker hin: "Hoffe, jeder der hier so negativ kommentiert, konsumiert nie Bananen, Avocados, Orangen, Datteln, Kokosnuss usw. Die sind nämlich auch nicht regional. Was ein Blödsinn immer."

Fakten zur Spargelsaison

Laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft wird der größte Teil des deutschen Spargels traditionell zwischen Ende April und dem 24. Juni (Johanni) geerntet. Allerdings gibt das aktuelle Frühlingswetter Grund zur Hoffnung für frühere Ernten. Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer in Bruchsal teilte mit, dass die ersten heimischen Stangen in diesem Jahr schon Mitte März im Südwesten Deutschlands geerntet werden könnten.

Nennenswerte Erntemengen werden ab dem 20. März erwartet. "Mit dem gefühlten Sprung vom Winter in den Sommer treiben die Spargelstangen nun üppig aus", erklärte Anbauberater Ludger Aldenhoff. "Wenn es mit der Ernte losgeht, dann wird es richtig losgehen. Zu Ostern erwarten wir ausreichend Spargel für alle."

Die Reaktion des Bräustüberls

Das Bräustüberl reagierte am Donnerstag mit einem eigenen Beitrag auf die entstandene Diskussion. Mit einem Foto von Wirt Peter Hubert, der genüsslich Spargel isst, schrieb das Gasthaus: "Gestern haben wir gelernt: Spargel im März kann offenbar für Gesprächsstoff sorgen. Ja, er kommt aktuell noch aus Griechenland. Und ja, auf den deutschen Spargel freue ich mich genauso wie viele von euch."

Weiter heißt es in dem Beitrag: "Bis dahin halten wir es bei uns im Bräustüberl aber ganz einfach: leben und leben lassen. Wer warten möchte, wartet. Wer Lust auf den ersten Spargel hat, darf ihn gern genießen."

Wirt Peter Huberts Standpunkt

Gastronom Peter Hubert ließ wissen: "Ich habe mir heute jedenfalls schon einmal einen Teller gegönnt mit Schinken dazu, so wie er gehört. Und was soll ich sagen: Sauguad war er." Auf dem begleitenden Foto strahlt der Wirt zufrieden.

Hubert betonte die grundsätzliche Philosophie seines Wirtshauses: "Am Ende sei ein Wirtshaus doch genau dafür da: Dass jeder das bestellt, worauf er gerade Lust hat." Diese Tradition wolle er auch weiterhin pflegen. Für 23,50 Euro bietet das Bräustüberl am Wochenende frischen Spargel mit kleinem Schweineschnitzel, Petersilienkartoffeln und Sauce Hollandaise an – für all jene Gäste, die nicht bis zur heimischen Spargelsaison warten möchten.

Die Diskussion zeigt, wie emotional das Thema regionale Lebensmittel in der Gastronomie besetzt ist. Während einige Gäste strikt auf saisonale und lokale Produkte Wert legen, bevorzugen andere die frühe Verfügbarkeit bestimmter Speisen – unabhängig von ihrer Herkunft.

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