Taucher Roger Mader: Scheibenputzen im Müritzeum wird zur Publikumsattraktion
Taucher putzt Aquariumsscheibe vor Publikum in Waren

Taucher Roger Mader: Scheibenputzen im Müritzeum wird zur Publikumsattraktion

Im Müritzeum in Waren an der Müritz verwandelt sich eine routinemäßige Reinigungsaktion regelmäßig in ein faszinierendes Schauspiel für die Besucher. Roger Mader, ein 58-jähriger Berufstaucher, steigt einmal im Monat in das Tiefenbecken des Naturerlebniszentrums, um die gewaltige Aquarienscheibe von Algen zu befreien und gegebenenfalls kranke Fische herauszufischen. Was für ihn zur spannenden Routine geworden ist, lockt regelmäßig Scharen von neugierigen Gästen an, die mit ihren Handykameras bereitstehen.

Die Herausforderung hinter dem Sicherheitsglas

Die Aufgabe klingt simpel, erfordert jedoch viel Geschick und Erfahrung. Die Scheibe misst stolze 6,30 mal 6,80 Meter und muss gründlich von Algenbewuchs gereinigt werden. Roger Mader erklärt die besondere Technik: „Man muss mit dem Putzlappen fest aufdrücken, darf sich aber nicht selbst von der Scheibe wegstoßen. Mit den Füßen erzeuge ich Gegendruck und bewege mich möglichst wenig, um die Maränen nicht zu berühren.“ Rund 45 Minuten verbringt der ehemalige Pioniertaucher der Bundeswehr dabei inmitten von hunderten der silbrigen Süßwasserfische, stets beobachtet von den Besuchern hinter der Glasscheibe.

Missgeschicke sind selten, höchstens passiert es mal, dass die Pressluftflasche vorzeitig leer geht. Der Taucher betont, dass er die Zuschauer klar sehen kann und bittet im Namen der Fische darum, auf Blitzlicht zu verzichten. „Es erschreckt die Maränen und erschwert mir die Arbeit, weil ich dann schlechter erkenne, wo ich schon geputzt habe.“ Auf Ablenkungen reagiert er meist gelassen, nur Kindern winkt er gelegentlich zurück.

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Moderation und natürlicher Kreislauf

Während Roger Mader im Becken arbeitet, wird der Einsatz von zwei Kollegen begleitet. Aquarien-Mitarbeiter Daniel Fälchle assistiert hinter den Kulissen an der Einstiegsleiter, während Aquarien-Leiter Marco Kastner das Geschehen für das Publikum moderiert und so den Putzvorgang zum Tageshighlight macht. Dabei erklärt der 59-Jährige auch unangenehme Wahrheiten: Kranke oder altersschwache Maränen, die der Taucher entnimmt, werden nicht gesund gepflegt, sondern verfüttert.

„Das ist sehr selten möglich“, so Kastner. Stattdessen landen die Fische bei den Welsen und Hechten im Aquarium. Diese Praxis stößt bei manchen Besuchern auf Unverständnis, doch das Müritzeum möchte den natürlichen Kreislauf des Lebens zeigen und keine Scheinwelt vortäuschen. „Auch Maränen leben nicht ewig, und in der Müritz werden sie ebenfalls gefressen.“ Daniel Fälchle bringt die ausrangierten Fische zügig zu den Raubfischen, wo sie schnell verschwinden.

Termine und Besucherzahlen

Wer dieses einzigartige Spektakel live erleben möchte, hat regelmäßig Gelegenheit dazu: Jeden dritten Dienstag im Monat findet der Tauchereinsatz statt, der nächste Termin ist am 17. März um 11 Uhr. Das Müritzeum, das im vergangenen Jahr etwa 135.000 Besucher verzeichnete, bietet damit nicht nur Einblicke in die heimische Unterwasserwelt, sondern auch in die ungewöhnliche Arbeit eines Berufstauchers, der zu einer der meistfotografierten Attraktionen Mecklenburg-Vorpommerns geworden ist.

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