Tourismus an der Elbe: Zahlen ersetzen Gefühle und schaffen Klarheit
Während die Ostseeküste, Lüneburger Heide oder Müritz als touristische Hotspots gelten, stand der Tourismus an der Elbe zwischen Hamburg und Magdeburg bisher eher im Schatten. Oft war er mehr ein vager Begriff als etwas Greifbares oder Zählbares. Das soll sich nun grundlegend ändern. Mit dem ambitionierten Projekt „Tourismuskennziffern als Basis wirtschaftlicher Handlungsempfehlungen“ wird eine solide, langfristige Datenbasis für den Tourismus in der Flusslandschaft-Elbe-Region und der Urlaubsregion Wendland-Elbe geschaffen.
Von Gefühlen zu Fakten: Eine neue Ära für den Elbe-Tourismus
Ellen Kartenbeck, Chefin der Flusslandschaft Elbe GmbH und Haupttouristikerin für die Region zwischen Geesthacht, Lüneburg und Schnackenburg, betont die Bedeutung dieses Schrittes. „Tourismus ist ein sehr diverses Feld, da sind Zahlen lebenswichtig“, erklärt sie überzeugt. Das Projekt markiere eine klare Abkehr von subjektiven Gefühlen und Einschätzungen hin zu objektiven, messbaren Fakten. Ziel ist es, Touristenströme so zu lenken, dass sie selbst für die kleinsten Regionen entlang der Elbe eine spürbare Wertschöpfung generieren.
Als Diplom-Volkswirtin und Frau der Zahlen hat Ellen Kartenbeck bereits in ihrer bisherigen Tätigkeit andere Erhebungen zum Tourismus an der Elbe initiiert. Dabei konnte ein verbreitetes Gefühl widerlegt werden: „Die Leute kommen tatsächlich lieber zum Wandern“, stellt sie klar und korrigiert damit die Annahme, der Radtourismus sei die Nummer 1. Für rund 200.000 Euro sollen nun vor allem durch umfangreiche Befragungen weitere Erkenntnisse gewonnen und in verlässliche Zahlen gefasst werden.
Praktischer Nutzen für Gemeinden und Gastronomie
Andreas Gehrke, Bürgermeister der zu 100 Prozent als Biosphärenregion ausgewiesenen Gemeinde Amt Neuhaus, begrüßt das Projekt als große Chance. Bisher sei die Diskussion über Kosten und Nutzen des Tourismus in den Ausschüssen oft schwierig gewesen, da entscheidende Zahlen fehlten. „Diesen Mangel zu beheben, daran arbeitet die Gemeinde jetzt bereits selbst“, so Gehrke. Die neue Datenbasis wird dabei eine wertvolle Unterstützung bieten.
Die erhobenen Kennziffern sollen konkrete Handlungsempfehlungen ermöglichen:
- Touristische Nachsteuerung: Identifikation von Potenzialen und Schwachstellen in der Region.
- Gastronomische Perspektiven: Entwicklung von Öffnungszeiten für Cafés und Kneipen, die sich an der tatsächlichen Anwesenheit von Urlaubern orientieren.
- Langfristige Planung: Das Projekt wird als erster Impuls gesehen, der in den kommenden Jahren weiter verstetigt und ausgebaut werden soll.
Damit wird der Tourismus an der Elbe endlich aus dem Schatten der großen Hotspots treten und als berechenbarer Wirtschaftsfaktor etabliert, von dem alle Beteiligten profitieren können.



