Münchner Influencer Viet Shao: Vom Versicherungskaufmann zum Social-Media-Star
Er begeistert täglich über eine Million Menschen mit seinen kurzen Koch- und Reisevideos auf TikTok, Instagram und YouTube. Viet Shao, mit bürgerlichem Namen ein Sohn vietnamesischer Einwanderer, der in der Nähe von Augsburg geboren wurde, hat seine Leidenschaft für Essen zum Beruf gemacht. Der 35-Jährige, der sich selbst als eingefleischten Münchner bezeichnet, verbindet in seiner kulinarischen Welt bayerische Traditionen mit asiatischen Aromen.
Kulinarische Brücke zwischen Bayern und Vietnam
„Ich bin immer für ein Weißwurstfrühstück zu haben und liebe Haxe“, erklärt Viet Shao im Gespräch. „Ich esse auch gerne Presssack, Gelbwurst und schmiere einen Zentimeter Leberwurst auf mein Brot!“ Diese Begeisterung für bayerische Spezialitäten entwickelte der Influencer erst nach seinem Umzug nach München. Dennoch blieb die vietnamesische Küche, insbesondere das Nationalgericht Pho, stets ein fester Bestandteil seiner Identität.
Die Parallelen zwischen bayerischer und vietnamesischer Küche sieht Viet Shao in der starken Verankerung zwischen regionaler Identität und Essen. „Eine Haxe und ein Wurstsalat gehören für mich genauso zur bayerischen Kultur wie eine Pho zur vietnamesischen“, betont er. Diese kulinarische Doppelidentität prägt auch seinen Social-Media-Content und sein neu erschienenes Kochbuch „Taste of Asia“.
Geheimtipps für Münchens asiatische Gastronomie
Für das Interview wählte Viet Shao bewusst das vietnamesische Restaurant „Frau Vo“ in der Maistraße aus. „Hier merkst du sofort, das ist ein Familienbetrieb“, schwärmt er. „Auf den ersten Blick sieht es vielleicht nicht so einladend aus. Aber man merkt schnell, das hat Seele.“
Der Influencer verrät weitere kulinarische Geheimadressen in München:
- Dong Que in Giesing: Tolle Suppen und authentische vietnamesische Gerichte
- Krua Thai am Hauptbahnhof: Wirkt unscheinbar, aber die thailändischen Gerichte sind „der Wahnsinn“
- Banh Mi Minh in der Theresienstraße: Die besten Banh mi in München
- Djangos in Giesing: Den besten Döner der Stadt
Vom Versicherungskaufmann zum Kochbuchautor
Viet Shaos Weg zum erfolgreichen Influencer war keineswegs vorgezeichnet. Nach dem Abitur suchte er bei Google nach der „Ausbildung mit dem höchsten Gehalt“ und wurde Versicherungskaufmann. „Erst später, als ich mit meinem Azubi-Gehalt gezwungen war, zu kochen, habe ich damit angefangen“, erinnert er sich.
Seine Social-Media-Karriere begann während der Lockdown-Phase mit Kochvideos auf Instagram, die zunächst nicht erfolgreich waren. Erst nach einer Phase mit Comedy-Inhalten und einer Rückkehr zu seinen kulinarischen Wurzeln explodierten seine Follower-Zahlen. Heute finanziert er seine ausgedehnten Reisen durch 50 Länder mit seinem Social-Media-Content.
Rezepte sammeln durch Beharrlichkeit
Für sein Kochbuch „Taste of Asia“ sammelte Viet Shao Rezepte aus acht asiatischen Ländern. „Ich habe jedes Gericht im Land wirklich probiert“, erklärt er seinen Forschungsansatz. „Teilweise habe ich die Köche nach den Rezepten gefragt. Die Hälfte hat sie mir gegeben, die andere nicht.“
Die fehlenden Rezepte entwickelte er durch intensives Ausprobieren weiter. „Inzwischen kann ich analysieren, was in einer Speise drin ist“, sagt der Autodidakt stolz. Besonders am Herzen liegt ihm das vietnamesische Gericht Cha cá La Vong – gebratener Kurkuma-Fisch mit Lauch und Dill – das in Deutschland selten zu finden ist.
Münchens kulinarische Entwicklung
Viet Shao beobachtet positive Veränderungen in Münchens Gastronomieszene. „Zumindest bei der vietnamesischen Küche merke ich, wie die Restaurants immer authentischer werden“, stellt er fest. Gleichzeitig lobt er die Offenheit der Münchner für neue Geschmäcker.
„München tut gerade sehr viel dafür, seinen Ruf als spießiges, reiches Volk abzulegen“, meint der Influencer. „Die Stadt wird immer lebendiger, die Leute gehen raus auf die Straße, leben bewusster. Und ich bin froh, ein Teil davon zu sein.“
Trotz seiner Erfolge als Influencer und Kochbuchautor träumt Viet Shao weiter von einem eigenen Restaurant. Allerdings sieht er die Herausforderungen in der Gastronomie realistisch: steigende Lebensmittelpreise, veränderte Gästeverhalten und Personalmangel. Doch seine Liebe zur Gastronomie bleibt ungebrochen – genau wie seine Verbundenheit mit München, das er als „die schönste Stadt der Welt“ bezeichnet.



