Vietnamesisches Streetfood in Schwerin: Die Kunst handgemachter Nudeln und Dumplings
Über der Tür in der Mecklenburgstraße 32 in Schwerin prangt der Name Bao Minh – und dieser Name ist Programm. „Bao bedeutet Schatz, Minh steht für einen klugen Jungen“, erklärt Ngân Dao, die gemeinsam mit ihrem Mann Cuong Nguyen das Restaurant führt. Was hier entsteht, ist nicht nur kulinarische Handwerkskunst, sondern echte Familiensache.
Der frühe Beginn eines handwerklichen Tages
Noch bevor die ersten Gäste das Lokal betreten, beginnt in der kleinen Küche bereits der Arbeitstag. Füllungen werden sorgfältig vorbereitet, verschiedene Mehlsorten abgewogen und Teige angesetzt. Diese Grundlagen bilden die Basis für alles, was später auf den Tellern der Gäste landen wird. „Das muss man fühlen“, betont Ngân Dao, während sie einen frischen Nudelstrang durch ihre Hände zieht. „Die Nudeln müssen weich sein und eine glatte Textur haben. Das ist das eigentliche Geheimnis perfekter Nudeln.“
Traditionelles Handwerk mit asiatischen Wurzeln
Die Nudeln entstehen aus einer speziellen Mischung verschiedener Mehlsorten – Weizen, Reis und Klebreismehl werden mit Wasser, Salz und Öl kombiniert. Entscheidend ist dabei nicht nur das Rezept, sondern vor allem das Gespür der Köchin. „Das Wasser darf nicht zu heiß sein, aber auch nicht zu kalt. Ich arbeite hier komplett nach Gefühl“, erklärt Ngân Dao. Täglich verarbeitet sie mehrere Kilogramm Teig, der per Hand geformt und immer wieder durch die Nudelmaschine gelassen wird, bis die gewünschte Struktur erreicht ist. Erst dann erfolgt der Schnitt.
Dieses traditionelle Handwerk hat seine tiefen Wurzeln in der vietnamesischen Küche, wird im Bao Minh jedoch durch Einflüsse aus ganz Asien ergänzt. Die fertigen Nudeln werden blanchiert und je nach Gericht weiterverarbeitet – entweder gebraten mit Knoblauch, Chili und hauseigener Sojasauce oder serviert mit geschmortem Fleisch, Ente oder Tofu.
Dumplings zwischen Tradition und kulinarischer Vielfalt
Auch die beliebten Dumplings entstehen vollständig in eigener Herstellung. Der Teig wird sorgfältig ausgerollt, ausgestochen und gestapelt, bevor die Füllung – bestehend aus Fleisch, Gemüse oder Tofu – hinzugefügt wird. Pro Ansatz entstehen bis zu 250 dieser kleinen Köstlichkeiten. Besonders gefragt ist die grüne Variante mit Tofu. „Man soll beim Reinbeißen sofort schmecken, was drin ist“, betont Ngân Dao. „Nicht nur Teig, sondern echten Geschmack.“
Damit die Füllung perfekt gelingt, wird sie vorbereitet, gepresst und genau abgestimmt. Zu viel Feuchtigkeit würde den Teig aufweichen – zu wenig Geschmack kommt jedoch nicht in Frage. Jedes Dumpling wird mit größter Sorgfalt gefertigt.
Perfektes Zusammenspiel in der Küche
Während Ngân Dao sich um Nudeln und Dumplings kümmert, steht ihr Mann Cuong Nguyen am Herd. Er ist verantwortlich für die aufwendigen Brühen, die teilweise über 72 Stunden aus Knochenmark gekocht werden – eine klassische Grundlage der vietnamesischen Küche. Die Rollen sind klar verteilt, doch alles greift perfekt ineinander. Jeder Handgriff baut auf dem anderen auf.
Die Existenz des Restaurants war vor allem sein Wunsch. „Er liebt die Küche über alles“, sagt Ngân Dao. „Ich unterstütze ihn dabei, wo ich kann.“ Vorgekocht wird im Bao Minh grundsätzlich nichts. Die Nudeln bleiben roh, bis sie bestellt werden, und werden erst dann blanchiert und angerichtet. Was produziert wird, kommt noch am selben Tag zum Einsatz.
Authentisches Streetfood mit persönlicher Note
Das Ergebnis sind Gerichte, die sich am authentischen vietnamesischen Streetfood orientieren, aber auch Einflüsse aus anderen asiatischen Küchen aufnehmen. Während draußen der Alltag vorbeizieht, beginnt drinnen jeden Tag aufs Neue der Kreislauf aus Teig, Nudeln und Dumplings – alles handgemacht, mit Leidenschaft und jahrelanger Erfahrung.



