Allianz Trade warnt: Über 200.000 Arbeitsplätze durch Insolvenzen gefährdet
Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet in diesem Jahr mit einem deutlichen Anstieg von Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Nach aktuellen Hochrechnungen des Unternehmens sind mehr als 200.000 Arbeitsplätze durch die drohenden Insolvenzen gefährdet. Diese alarmierenden Zahlen basieren auf einer Datenanalyse des Versicherers, der regelmäßig internationale Insolvenzentwicklungen beobachtet und prognostiziert.
Höchste Insolvenzzahl seit 14 Jahren erwartet
Für das laufende Jahr prognostiziert Allianz Trade einen Anstieg der Insolvenzen um 2,4 Prozent auf insgesamt 24.650 Fälle. „Das wäre der höchste Stand seit 14 Jahren“, betonte Milo Bogaerts, der Deutschland-Chef von Allianz Trade. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem die deutschen Amtsgerichte bereits 24.064 Insolvenzfälle registrierten – was einem deutlichen Plus von 10,3 Prozent entsprach – setzt sich der besorgniserregende Trend fort.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. „Schon jetzt hat der Nahost-Konflikt auf Deutschland deutliche Auswirkungen, und auch der US-Handelskrieg ist längst nicht vorbei“, erklärte Bogaerts. Diese geopolitischen Spannungen belasten insbesondere exportorientierte Unternehmen und verschärfen die wirtschaftliche Unsicherheit.
Internationale Entwicklung noch dramatischer
Während die Situation in Deutschland bereits alarmierend ist, fällt die Prognose für die internationale Entwicklung noch düsterer aus. Allianz Trade erwartet weltweit einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um sechs Prozent. Diese Prognose wurde aufgrund des Iran-Kriegs nach oben korrigiert, der zusätzlichen Druck auf energieintensive Branchen ausübt.
Der Konflikt verschärfe den Druck auf energieintensive Sektoren wie Transport, Chemie und Metall, betonte Firmenchefin Aylin Somersan Coqui. Diese Branchen sind besonders anfällig für steigende Energiepreise und Lieferkettenunterbrechungen, die durch internationale Konflikte verursacht werden.
Lichtblick für das kommende Jahr
Trotz der aktuell düsteren Prognose sieht Allianz Trade für das nächste Jahr eine mögliche Trendwende. Die Experten erwarten für 2027 einen Rückgang der Insolvenzen um zwei Prozent auf etwa 24.150 Fälle in Deutschland. Diese positive Entwicklung begründen sie mit zwei Hauptfaktoren:
- Die kriegsbedingten Belastungen werden voraussichtlich abnehmen
- Geplante Konjunkturmaßnahmen sollen die Wirtschaft ankurbeln
Diese Kombination aus nachlassendem externem Druck und gezielten wirtschaftspolitischen Interventionen könnte dazu beitragen, die Insolvenzwelle einzudämmen und die Arbeitsplatzsituation zu stabilisieren.
Die aktuelle Prognose von Allianz Trade unterstreicht die Fragilität der wirtschaftlichen Erholung und die anhaltende Verwundbarkeit vieler Unternehmen gegenüber externen Schocks. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die erwartete Trendumkehr im nächsten Jahr tatsächlich eintritt oder ob weitere unvorhergesehene Entwicklungen die wirtschaftliche Lage zusätzlich belasten.



