Anklams Unternehmenslandschaft schrumpft: Gewerbesteuer sinkt, Nachfolgeprobleme nehmen zu
Anklam: Unternehmen schrumpfen, Nachfolgeprobleme wachsen

Unternehmensrückgang in Anklam: Gewerbesteuereinnahmen sinken spürbar

Die deutsche Wirtschaft wird derzeit von Begriffen wie Gründungsflaute, Pleitewelle und Unternehmensschließungen geprägt. Die Hansestadt Anklam bildet dabei keine Ausnahme. Aktuelle Zahlen aus der jüngsten Stadtvertretersitzung zeigen deutlich: Die Anzahl der Unternehmen in Anklam ist rückläufig, und parallel dazu sinken die Einnahmen aus der Gewerbesteuer kontinuierlich.

Statistiken offenbaren besorgniserregende Entwicklung

Während im Jahr 2022 noch 640 und 2023 sogar 649 Unternehmen in Anklam aktiv waren, ging die Zahl bis Ende 2024 auf nur noch 590 zurück. Von diesen zahlten 337 Betriebe aufgrund zu geringer Gewinne gar keine Gewerbesteuer, da sie unter dem jährlichen Freibetrag lagen. Weitere 37 Firmen mussten bis zu 1.000 Euro abführen, während 133 Unternehmer Steuern zwischen 1.000 und 10.000 Euro entrichteten. Lediglich 76 Gewerbetreibende zahlten bis zu 100.000 Euro, und nur sieben Anklamer Unternehmen lagen mit ihren Zahlungen darüber hinaus.

Betrachtet man die vergangenen 18 Jahre, zeigen sich deutliche Schwankungen ohne einen kontinuierlichen Abwärtstrend. So wurden in den Jahren 2008 und 2010 Höchststände mit über 750 Unternehmen verzeichnet, während 2017 ein Tiefpunkt mit nur 539 angemeldeten Firmen erreicht wurde – ein Wert, der sogar unter der aktuellen Zahl von 2024 liegt.

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Bürgermeister sieht langfristig stabile Entwicklung

Anklams Bürgermeister Michael Galander von der Initiative für Anklam interpretiert die Gewerbeanmeldungen auf lange Sicht als nahezu konstant und ausgewogen. „Jedes Jahr geben leider mehrere Kleinst- und Kleinunternehmer wieder auf, es kommen aber auch durchaus wieder neue hinzu“, erklärt er die aktuelle Situation. Größere Unternehmensinsolvenzen bei produzierenden Betrieben habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben, auch wenn einige Unternehmen aufgrund der weltweiten und nationalen wirtschaftlichen Lage mit Problemen zu kämpfen hätten.

Fokus auf Einzelhandel und Gastronomie

Das Stadtoberhaupt legt einen besonderen Fokus auf die innerstädtische Entwicklung von Einzelhandel und Gastronomie, die aktuell eine große Herausforderung darstellt. „Daher werden wir 2026 noch weitere Aktivitäten zur möglichen Ansiedlung von kleineren Geschäften und Gastronomie unternehmen“, kündigt Galander an. Geplant sind Werbekostenzuschüsse sowie ein zeitlich begrenzter Mietnachlass zum Unternehmensstart oder zur Neueröffnung, sofern es sich um Immobilien im Besitz der städtischen Gesellschaft GWA handelt. Dabei setzt er auch auf den Einsatz des städtischen Citymanagers, einer Stelle im Anklamer Rathaus, die derzeit neu besetzt wird.

Allerdings gibt Galander zu bedenken, dass die staatlichen und behördlichen Rahmenbedingungen für Selbstständige im Handel oder der Gastronomie derzeit suboptimal seien. „Daher versuchen viele den Sprung in die Selbstständigkeit nicht mehr so häufig, das Risiko, es nicht zu schaffen, ist vielen einfach zu groß“, so der Bürgermeister.

Unternehmer kritisieren mangelnde Unterstützung

Diese Einschätzung teilt der Anklamer Hotelier Erik Gühlke, der im Oktober 2025 als „Unternehmer des Jahres“ ausgezeichnet wurde und dem Anklamer Ring für Handwerk und Gewerbe vorsteht. Aus seiner Sicht müsse vorrangig die Bundespolitik die Voraussetzungen für mittelständische Unternehmen verbessern. Insbesondere kleine Betriebe und Firmen, die auf Angestellte angewiesen sind, hätten derzeit schlechte Karten.

Die Stadt könne dabei nur wenig bewirken, betont Gühlke, der ebenfalls für die Initiative für Anklam in der Stadtvertretung sitzt. In der Arbeit der stadteigenen Wirtschaftsförderung wünscht er sich mehr Transparenz. Kritisch sieht er außerdem das Wirken des Citymanagements. Seiner Meinung nach müsse die Initiative aus der Unternehmerschaft selbst kommen. „Die Stadt kann das unterstützen, muss die Firmeninhaber aber nicht an die Hand nehmen. Wenn ich meinen Laden voranbringen will, muss ich dafür auch etwas tun“, unterstreicht Gühlke und merkt an, dass hier Geld eingespart werden könnte.

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Nachfolgeprobleme als Hauptursache

Insgesamt führt Gühlke die Rückgänge der Unternehmenszahlen vor Ort hauptsächlich auf den Mangel an Nachfolgern zurück. Viele Unternehmer, die sich beispielsweise in den 1990er-Jahren selbstständig gemacht hätten, stünden nun vor dem Ruhestand und fänden keine geeigneten Nachfolger. Die allgemeine wirtschaftliche Lage und der anhaltende Mangel an Arbeitskräften seien weitere wichtige Faktoren, die die Situation verschärfen.

Die Hansestadt Anklam steht somit vor der Herausforderung, ihre Wirtschaftskraft zu erhalten und neue Impulse für Handel, Gastronomie und Gewerbe zu setzen. Während die Stadtverwaltung auf Förderprogramme und Unterstützungsmaßnahmen setzt, fordern lokale Unternehmer mehr Eigeninitiative und bessere Rahmenbedingungen von der Bundespolitik. Die Suche nach Nachfolgern für etablierte Betriebe bleibt dabei eine der drängendsten Aufgaben für die Zukunft der Region.