Bayer verzeichnet 3,6 Milliarden Euro Verlust durch Glyphosat-Klagen in den USA
Bayer: 3,6 Mrd. Euro Verlust durch Glyphosat-Klagen

Bayer: Glyphosat-Klagen ziehen Konzern in tiefe Verlustzone

Der Agrar- und Pharmakonzern Bayer aus Leverkusen hat für das Geschäftsjahr 2025 einen erheblichen Verlust von 3,62 Milliarden Euro verzeichnet. Dieser markante Rückgang im Vergleich zum Vorjahresminus von 2,55 Milliarden Euro ist hauptsächlich auf die anhaltenden Rechtsstreitigkeiten um das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in den Vereinigten Staaten zurückzuführen. Die Sonderaufwendungen für diese juristischen Auseinandersetzungen beliefen sich auf mehr als sechs Milliarden Euro und belasten die Bilanz des DAX-Konzerns massiv.

Operatives Ergebnis und Umsatzentwicklung unter Druck

Das um Sondereinflüsse bereinigte operative Ergebnis, das sogenannte Ebitda, sank im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent auf 9,67 Milliarden Euro. Damit lag Bayer knapp über den Erwartungen von Analysten, die durchschnittlich 9,61 Milliarden Euro prognostiziert hatten. Der Konzernumsatz fiel nominal um gut zwei Prozent auf 45,58 Milliarden Euro. Währungsbereinigt ergibt sich jedoch ein leichtes Plus von 1,1 Prozent, was die grundlegende Geschäftsstärke trotz der juristischen Belastungen unterstreicht.

Neuer Glyphosat-Vergleich und organisatorischer Umbau

Vorstandschef Bill Anderson betonte: "Es gibt starke Anzeichen für Fortschritt, wir arbeiten aber noch an unserem umfassenden Turnaround." Kürzlich kündigte der Konzern einen neuen Vergleich im Glyphosat-Streit an, der bis zu 7,25 Milliarden Dollar umfassen soll. Dieser Schritt zielt darauf ab, die erheblichen Rechtsrisiken deutlich zu reduzieren und langfristige Planungssicherheit zu schaffen. Parallel treibt Bayer einen tiefgreifenden organisatorischen Umbau voran. Das neue Modell soll Hierarchien abbauen und bis zu zwei Milliarden Euro an Ergebnisbeiträgen generieren. Die Zahl der Beschäftigten sank im vergangenen Jahr um knapp 5.000 auf gut 88.000 Mitarbeiter.

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Finanzielle Auswirkungen und Dividendenpolitik

Der Barmittelzufluss, der Free Cash Flow, wird für das laufende Jahr 2026 voraussichtlich stark belastet sein. Aufgrund von Auszahlungen für die Rechtsstreitigkeiten wird mit einem negativen Wert zwischen minus 1,5 und minus 2,5 Milliarden Euro gerechnet. Für die Aktionäre bedeutet dies erneut eine enttäuschende Dividendenpolitik: Sie erhalten für das Geschäftsjahr 2025 nur die gesetzlich vorgeschriebene Mindestdividende von elf Cent je Aktie. Für das laufende Jahr rechnet Bayer währungsbereinigt mit einem Umsatz zwischen 45 und 47 Milliarden Euro sowie einem operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen von 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro.

Historische Hintergründe und aktuelle Rechtslage

Die Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters hatte sich Bayer durch die milliardenschwere Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto im Jahr 2018 ins Haus geholt. Aufgrund des neuen Vergleichs und weiterer anhängiger Rechtsstreitigkeiten erhöhte der Konzern seine Rückstellungen auf insgesamt 11,8 Milliarden Euro. Eine endgültige Klärung erhofft sich Bayer jedoch erst von einer noch ausstehenden Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA. Dort soll geklärt werden, ob Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise nach dem Recht einzelner Bundesstaaten zulässig sind, obwohl die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend einstuft und entsprechende Warnhinweise auf Produktlabels nicht erlaubt.

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