Baywa-Sanierung in der Krise: Ökostromtochter r.e. bringt weit weniger als erhofft
Baywa-Sanierung wackelt: Problemtochter r.e. enttäuscht

Baywa-Sanierung gerät ins Wanken: Ökostromtochter enttäuscht massiv

Der hochverschuldete Münchner Agrarhandels- und Mischkonzern Baywa sieht sich gezwungen, seinen ehrgeizigen Sanierungsfahrplan grundlegend zu überarbeiten. Auslöser ist die äußerst schwierige Lage der Ökostromtochter Baywa r.e., die in den kommenden Jahren bei weitem nicht die erwarteten finanziellen Ergebnisse erwirtschaften wird. Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf den geplanten Verkauf der Tochtergesellschaft, der nun deutlich weniger Erlös bringen wird als ursprünglich kalkuliert.

Verkaufserlös fällt weit unter Erwartungen

Eigentlich sollte der Verkauf der Baywa r.e. dem angeschlagenen Mutterkonzern satte 1,7 Milliarden Euro in die Kasse spülen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Schuldenreduzierung leisten. Diese Hoffnung erweist sich nun als überoptimistisch. Der Vorstand der Baywa AG geht mittlerweile davon aus, dass der Verkauf „signifikant“ weniger als diese Summe einbringen wird. „Dies erfordert eine Anpassung des Sanierungskonzepts der Baywa AG“, heißt es in einer verpflichtenden Ad-hoc-Mitteilung an die Börse.

Das Gemeinschaftsunternehmen mit einem Schweizer Investor, das Solar- und Windparks plant und entwickelt, hat seine Ergebnisziele drastisch nach unten korrigiert. Die eigene Sanierung der r.e. wird voraussichtlich zwei Jahre länger dauern als geplant, das neue Zieldatum ist nun das Jahr 2030. Unklar sind aktuell nicht nur der mögliche Verkaufspreis, sondern auch der angestrebte Zeitpunkt für den Verkauf.

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Ursachen der finanziellen Schieflage

Der größte deutsche Agrarhändler war bereits 2024 nach einer missglückten internationalen Expansion in ernste finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das Unternehmen konnte die Zinsen auf seine Milliardenschulden nicht mehr bedienen. Das ursprüngliche Gesundungskonzept sah vor, durch den Verkauf von in den 2010er Jahren auf Kredit erworbenen oder aufgebauten Tochtergesellschaften den Schuldenberg um insgesamt vier Milliarden Euro zu verringern. Eigentlich sollte der Konzern bis Ende 2028 wieder auf soliden finanziellen Füßen stehen.

Die Baywa ist insbesondere in Süd- und Ostdeutschland von großer Bedeutung für die Landwirtschaft. Der Konzern kauft einerseits Ernten an und beliefert die Bauern andererseits mit Landmaschinen, Saatgut und Düngemitteln.

Verhandlungen mit Großaktionären und Banken

In Reaktion auf die veränderte Situation führt die Baywa-Muttergesellschaft nun intensive Gespräche mit Großaktionären und kreditgebenden Banken. Ziel ist eine Änderung des Sanierungsplans. Kurzfristig strebt die Konzernspitze eine Stillhaltevereinbarung an, die dem Unternehmen eine Atempause bis Herbst 2026 verschaffen soll. Wie der überarbeitete Sanierungsplan im Detail aussehen könnte, bleibt in der Ad-hoc-Mitteilung offen.

„Der Vorstand geht davon aus, dass eine Einigung erreicht werden kann“, heißt es in der Mitteilung knapp. Allerdings könnte sich die Veröffentlichung des Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2025 möglicherweise bis ins vierte Quartal verzögern. Die Unsicherheit über die finanzielle Zukunft des traditionsreichen Unternehmens bleibt damit vorerst bestehen.

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