Deutsche Brauereien entdecken Cola-Mix-Getränke als neues Geschäftsfeld und fordern damit den Getränkeriesen Coca-Cola heraus. Während der Bierkonsum in Deutschland seit Jahren rückläufig ist, erleben Mischgetränke wie „Spezi“ von Paulaner einen regelrechten Boom. Immer mehr Brauereien steigen in dieses Segment ein, um ihre Abfüllanlagen besser auszulasten und neue Kundengruppen zu erschließen.
Der Aufstieg der Cola-Mix-Getränke
Cola-Mix-Getränke, also eine Mischung aus Cola und Orangenlimonade, sind derzeit der Renner in der Braubranche. Laut Marktforschern übertreffen sie im Lebensmittelhandel und in Getränkemärkten sogar die alkoholfreien Biere. Zu den Brauereien, die auf diesen Zug aufgesprungen sind, gehören unter anderem Gold Ochsen aus Ulm, die Darmstädter Privatbrauerei, Stauder aus Essen, Veltins aus dem Sauerland und die Flensburger Brauerei. Mit Aktionsangeboten versuchen sie, Verbraucher von ihren Produkten zu überzeugen.
Warum der Hype um Cola-Mix?
Der Erfolg liegt nicht nur im Geschmack, sondern auch im Design. Paulaner setzt auf ein auffälliges Retro-Etikett mit einer Farbenwelle, das bereits zweimal vor Gericht verteidigt wurde. Veltins wiederum greift mit einem Schallplatten-Design auf den Dosen den Nostalgie-Trend auf. Zielgruppe sind vor allem junge Leute, die weniger Alkohol trinken als frühere Generationen. Cola-Mix-Getränke bieten eine alkoholfreie Alternative mit Erfrischungscharakter.
Historische Parallelen
Der Einstieg der Brauereien in den Cola-Mix-Markt ist nicht neu. Bereits in den Nachkriegsjahrzehnten füllten deutsche Brauereien für Coca-Cola und Pepsi Getränke ab, wie Niklas Other, Herausgeber des Branchenmagazins „Inside“, erklärt. Damals waren sie „Ausbauhelfer“ für die US-Konzerne. Später zogen die großen Getränkehersteller die Abfüllung an sich. „Damit war das weg vom Biergeschäft, und jetzt kommen die Brauereien wieder zurück“, so Other.
Die Rolle von Paulaner Spezi
Paulaner hat in den letzten Jahren entscheidend dazu beigetragen, den Markt für Cola-Mix-Getränke zu beleben. „Der große Spezi-Erfolg geht allein auf Paulaner zurück“, sagt Other. Paulaner Spezi ist mittlerweile an Schwip Schwap von Pepsi und Mezzo Mix von Coca-Cola vorbeigezogen und zum Marktführer in diesem Segment aufgestiegen. Wenn weitere Brauereien nachziehen, könnte das dem Getränkeriesen schaden: „Viele Bienen stechen“, so Other.
Herausforderungen für die Braubranche
Der Hintergrund für den Trend ist der anhaltende Rückgang des Bierkonsums in Deutschland. Nach einem historischen Minus von 5,8 Prozent im Jahr 2025 setzt sich die Talfahrt 2026 fort. „2026 wird für uns ein sehr hartes Jahr werden, eine Entspannung ist nicht in Sicht“, sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. Die schwache Konsumstimmung belastet Handel, Gastronomie und Brauereien gleichermaßen.
Alkoholfreies Bier als Lichtblick
Ein positives Signal kommt von alkoholfreiem Bier. Der Absatz stieg 2025 um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Alkoholfreie Biere und Biermischgetränke erreichten inzwischen einen Anteil von rund 11 Prozent am gesamten Bierkonsum. Allerdings konnte das Wachstum bei alkoholfreien Bieren nur etwa ein Drittel des Verlustes bei alkoholhaltigen Bieren ausgleichen, wie eine Marktanalyse von Veltins ergab.
Brauerei-Sterben und Investitionen
Die Zahl der Brauereien in Deutschland ist rückläufig. Nach einem Höchststand von 1.552 Betrieben im Jahr 2019 haben laut Brauer-Bund 137 Brauereien aufgegeben, darunter viele traditionsreiche Häuser. Die Beschäftigtenzahl blieb mit 27.400 jedoch nahezu konstant. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, startet die Brauwirtschaft eine bundesweite Ausbildungskampagne, um junge Menschen für Berufe in Brauereien und Mälzereien zu begeistern.
Investitionen in Energie und alkoholfreie Getränke
Laut einer Umfrage des Verbandes Private Brauereien wollen 80 Prozent der Betriebe 2026 investieren, vor allem in den Energiebereich. „Zum anderen beschäftigen sich mittlerweile auch kleine Brauereien mit der nötigen Anlagentechnik zur Herstellung von alkoholfreien Bieren“, sagt Präsident Georg Rittmayer. Das Sortiment werde immer vielfältiger: Alkoholfreie Getränke wie Limonaden gehören für viele Brauereien seit Jahren fest zum Angebot. Paulaner wagt sogar den Vorstoß in das angestammte Terrain von Coca-Cola mit einer eigenen Cola. „Da ist der Ausgang offen, ob das gelingt“, meint Other. Der Start im März sei nach Angaben eines Brauerei-Sprechers jedoch sehr gut verlaufen.
Reaktion von Coca-Cola
Coca-Cola Deutschland-Chef John Galvin zeigte sich in der „Lebensmittel Zeitung“ gelassen: „Diese neuen Anbieter bringen Wachstum für die Kategorie durch neue Konsumenten. Das ist an sich keine schlechte Sache.“ Er sieht die Konkurrenz offenbar nicht als Bedrohung, sondern als Chance für die gesamte Getränkekategorie.
Auswirkungen für Verbraucher
Für Verbraucher bedeutet der Trend eine größere Auswahl. Laut Marktforschern von NIQ kommen viele neue Cola-Mix-Produkte auf den Markt. Der Absatz dieser Getränke stieg durch Aktionsangebote um mehr als 3 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten. Der Durchschnittspreis lag mit 1,16 Euro pro Liter um 5,6 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Auch Bier ist teurer geworden: Der durchschnittliche Literpreis stieg im ersten Quartal 2026 auf 1,62 Euro nach 1,57 Euro im Vorjahreszeitraum. Aktionen mit rund 10 Euro pro Kasten für nationale Pilsmarken sind kaum noch zu finden. Alkoholfreies Pils wurde ebenfalls teurer.



