Continental mit Gewinnsprung trotz Umsatzminus – Rohstoffkosten bereiten Sorgen
Continental mit Gewinnsprung – Rohstoffkosten sorgen

Der Reifen- und Kunststofftechnikkonzern Continental hat im ersten Quartal bei geringerem Umsatz einen deutlichen Gewinnsprung erzielt. Gute Geschäfte mit großen Pkw-Reifen und sinkende Rohmaterialkosten bescherten dem Dax-Konzern einen überraschend starken Anstieg des bereinigten Gewinns vor Zinsen und Steuern um gut sechs Prozent auf 522 Millionen Euro, wie das Unternehmen in Hannover mitteilte. Unter dem Strich verdiente Conti 200 Millionen Euro – fast dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging dagegen von 4,9 auf 4,4 Milliarden Euro zurück, was vor allem auf den Verkauf von Unternehmensteilen zurückzuführen ist.

Operativ gut gestartet

„Operativ sind wir gut in das Jahr gestartet“, sagte Vorstandschef Christian Kötz laut Mitteilung. „Das verleiht uns Aufwind.“ Den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte er. Die bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern kletterte im Auftaktquartal auf 11,9 Prozent, nach 10,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Damit lag sie über den Erwartungen der Analysten.

Den Umsatzrückgang um rund zehn Prozent begründete Conti vor allem mit dem Verkauf des Geschäftsbereichs OESL im Februar, der nur noch anteilig in die Quartalserlöse einfloss. Organisch, also unter Herausrechnung des OESL-Verkaufs und von Wechselkurseffekten, schrumpfte der Umsatz um 0,9 Prozent.

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Ersatzreifengeschäft brummt

Im zentralen Reifen-Geschäft profitierte Conti von einem guten Ersatzgeschäft und dem Trend zu großen und teuren Pkw-Reifen. „Das Reifenersatzgeschäft entwickelt sich gut“, sagte Finanzvorstand Roland Welzbacher der Deutschen Presse-Agentur. Rückgänge bei der Erstausrüstung von Neuwagen habe man ausgleichen können. Angesichts rückläufiger Produktionszahlen bei den Autobauern würden dort weniger Reifen verbaut. „Das kompensieren wir über das Reifenersatzgeschäft.“

Zugleich profitierte Conti im ersten Quartal noch von geringeren Rohmaterialkosten als vor einem Jahr. „Da hatten wir noch relativ hohe Kosten, die sind dann im Verlauf des letzten Jahres stark zurückgekommen, und davon profitieren wir auch noch“, so Welzbacher. Das werde sich angesichts der Krise in Nahost aber ändern. Zwar gebe es noch keine Engpässe bei erdölbasierten Rohstoffen. „Aber auf der Preisseite macht sich das schon deutlich bemerkbar.“

Steigende Rohstoffkosten erwartet

Im Gesamtjahr sehe er einen niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag auf Conti zukommen. Erste Ausschläge erwarte er zum Ende des zweiten Quartals, voll durchschlagen dürften die höheren Kosten dann im zweiten Halbjahr. „Die jüngsten Veränderungen bei den Rohstoffen werden sich erst mit Verzögerung auf uns auswirken.“ Grund seien noch laufende Lieferverträge, von denen Conti profitiere.

Das gebe dem Unternehmen nun etwas Zeit, um Gegenmaßnahmen zu treffen. „Wir sind im Moment zuversichtlich, dass uns das gelingt.“ Konkret gehe es etwa um weitere Verbesserungen bei Effizienz und Kostendisziplin sowie „kommerzielle Maßnahmen“ im Markt. Und: „Wir werden uns auch ein paar zusätzliche Warenbestände für kritische Rohmaterialien anlegen, sollte es zu Engpässen kommen.“

Sorgen um US-Zölle

Sorgen bereiten dem Konzern auch die neuen Zolldrohungen aus den USA. Präsident Donald Trump hatte jüngst mit einer Anhebung der Zölle auf Autos aus der EU auf 25 Prozent gedroht. Zwar sei bisher noch völlig unklar, ob das auch für Reifen gelte, sagte Welzbacher. Doch wenn es so komme, rechne er mit einem mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag als zusätzlicher Belastung.

Conti hatte im vergangenen Jahr seine Autozuliefersparte abgespalten und als Aumovio an die Börse gebracht. In diesem Jahr will der Konzern sich auch von der Kunststofftechniksparte Contitech trennen. Das Unternehmen wird dann zum reinen Reifenhersteller.

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