Fifa-Präsident Gianni Infantino hat für Mittwoch überraschend hochrangige Mitarbeiter zu Krisengesprächen nach Rabat, Marokko, einberufen. Wie Sky News und The Times übereinstimmend berichten, sollen die Führungskräfte des Weltverbands auf Anordnung des 56-Jährigen in der marokkanischen Hauptstadt zusammenkommen. Die genaue Tagesordnung des Treffens ist laut Sky unklar, doch The Times zitiert Quellen, wonach Infantino seine Mitarbeiter einbestellt habe, „um verzweifelt an der Macht zu bleiben“.
Hintergrund: Der gescheiterte Investorendeal
Der Schritt kommt nur wenige Tage, nachdem Infantino unter massivem Druck einen umstrittenen Plan zurückgezogen hatte. Dieser sah vor, einen Teil der kommerziellen Rechte der Fifa, unter anderem an der Weltmeisterschaft, an Investoren zu verkaufen und damit eine Milliardensumme einzunehmen. Weltweit sorgte der Vorhaben für Entsetzen; insbesondere die Europäische Fußball-Union (Uefa) übte scharfe Kritik an dem Schweizer. Infantino gab schließlich nach und ließ die Pläne fallen.
Nun wird hinter den Kulissen über die Zukunft Infantinos diskutiert, der seit 2016 an der Spitze des Weltverbands steht. Der Druck auf ihn wächst von Tag zu Tag, und die Kritiker werden lauter.
Wahlen im März 2027: Infantinos letzte Chance?
Im kommenden Jahr stehen turnusgemäß Wahlen an. Am 18. März 2027 möchte sich Infantino, wenn alles geordnet zugeht, auf dem 77. Fifa-Kongress in Rabat den Statuten zufolge ein letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen lassen. Doch der Widerstand formiert sich. Zwar erhält er weiterhin Rückhalt von einigen Verbänden, doch eine Revolte ist im Gange.
Die Uefa droht im Zusammenhang mit dem gescheiterten Investorendeal mit rechtlichen Schritten. Zudem haben bereits mehrere nationale Verbände angekündigt, Infantino bei der Wahl im kommenden Jahr ihre Unterstützung zu entziehen. Darunter sind Wales, England, Serbien und Schweden.
Wenger geht auf Distanz
Zuletzt hatte auch der frühere Top-Trainer und heutige Fifa-Funktionär Arsène Wenger auf Distanz zu Infantino gegangen. Den hochumstrittenen Investorendeal fallen zu lassen, sei „absolut notwendig“ gewesen, sagte der Franzose. Wenger betonte, er sei an den Plänen nicht beteiligt gewesen und habe erst durch Medienberichte von dem Projekt erfahren: „Ich war an diesem strategischen Plan nicht beteiligt und habe erst durch Medienberichte von dem Projekt erfahren.“
Wenger ist bei der Fifa als Direktor für die globale Fußball-Entwicklung tätig. Seine Stellungnahme erfolgte, nachdem sein Name in einem Schreiben der Anwälte der Uefa an Infantino aufgetaucht war. In dem Schreiben hatte die Uefa die Fifa aufgefordert, die Daten und die Kommunikation von 18 Führungskräften als potenzielle Beweismittel zu sichern.
Ausblick: Was kommt auf die Fifa zu?
Die Krisensitzung in Rabat dürfte richtungsweisend sein. Beobachter rechnen damit, dass Infantino versuchen wird, die Reihen zu schließen und seine Position für die anstehende Wahl zu festigen. Ob ihm das gelingt, ist jedoch fraglich. Der Widerstand aus Europa ist stark, und die rechtlichen Drohungen der Uefa könnten die Lage weiter verschärfen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Infantino seine Präsidentschaft bis 2027 retten kann oder ob der Druck letztlich zu groß wird. Fest steht: Der Weltfußball steht vor einer ungewissen Zukunft, und die Entscheidungen der nächsten Wochen könnten weitreichende Folgen haben.



