Ostdeutsche Traditionsmarke Zekiwa meldet Insolvenz an
Der bekannte Kinderwagen-Hersteller Zekiwa aus Kretzschau in Sachsen-Anhalt hat einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Das Unternehmen, das einst als mengenmäßig größter Kinderwagenproduzent Europas galt, schiebt die Pleite auch auf den anhaltenden Geburtenrückgang in Deutschland. Zu seinen besten Zeiten beschäftigte Zekiwa rund 2200 Mitarbeiter und produzierte jährlich etwa 450.000 Kinderwagen.
Historische Bedeutung und wirtschaftlicher Niedergang
Die Marke Zekiwa, die für Zeitzer Kinderwagenindustrie steht, war in der DDR bei allen Eltern bekannt. Vor 1990 belieferte das Unternehmen den osteuropäischen Raum sowie westdeutsche Firmen und galt als europäischer Marktführer. In den vergangenen Monaten geriet der Betrieb jedoch zunehmend ins Straucheln.
„Die wirtschaftliche Entwicklung war durch rückläufige Umsätze, steigende Kosten und eine anhaltende Ergebnisbelastung geprägt“, erklärt die Geschäftsführung laut „Mitteldeutscher Zeitung“. Besonders der Geburtenrückgang wirke sich spürbar auf die Nachfrage aus. Der Geschäftsbetrieb läuft derzeit zwar weiter, doch das Unternehmen hat bereits einen Sanierungsexperten mit der Suche nach Investoren beauftragt.
Dramatischer Geburtenrückgang in Deutschland
Die Geburtenrate in Deutschland befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2025 schätzungsweise nur noch 640.000 bis 660.000 Kinder geboren. Dies bedeutet einen Rückgang von mindestens 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Durchschnitt bekam eine Frau in Deutschland im Jahr 2024 etwa 1,35 Kinder. Für 2025 steht dieser Wert zwar noch nicht endgültig fest, doch die vorläufigen Zahlen zeigen eine deutliche Abwärtstendenz.
Die Entwicklung der letzten Jahre verdeutlicht den besorgniserregenden Trend:
- 2021: 795.492 Geburten (+2,9% zum Vorjahr)
- 2022: 738.819 Geburten (-7,1%)
- 2023: 692.989 Geburten (-6,2%)
- 2024: 677.117 Geburten (-2,3%)
- 2025: 640.000-660.000 Geburten (Schätzung, -2,5% bis -5,5%)
Auswirkungen auf die Region und die Kinderwagenindustrie
„Das ist der vorläufige Tiefpunkt für die Zeitzer Kinderwagenindustrie“, kommentiert Roland Rittig von der Gesellschaft zur Förderung des Schlosses Moritzburg Zeitz. „Dabei war hier doch der Ursprung aller Kinderwagen zu Beginn des 19. Jahrhunderts.“ Im Schloss Moritzburg befindet sich das Deutsche Kinderwagenmuseum, das die lange Tradition der Branche dokumentiert.
Allerdings gibt es in der Region längst keine eigenständige Produktion mehr. Am Firmensitz in Kretzschau arbeiten nach aktuellen Informationen nur noch sechs Mitarbeiter, die hauptsächlich mit der Endmontage zugelieferter Kinderwagen beschäftigt sind. Design und Vertrieb sind ebenfalls dort angesiedelt, während die eigentliche Herstellung der Kinderwagen vor allem in Polen stattfindet.
Zukunftsperspektiven ungewiss
Der Geschäftsführer und der Insolvenzverwalter waren bislang nicht für Stellungnahmen erreichbar. Die Suche nach Investoren läuft, doch die Aussichten für das traditionsreiche Unternehmen bleiben ungewiss. Die Insolvenz von Zekiwa markiert nicht nur das vorläufige Ende einer ostdeutschen Erfolgsgeschichte, sondern steht auch symbolisch für die wirtschaftlichen Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt.



