Nach über 80 Jahren: Traditionsunternehmen Glas-Zentrum Wismar meldet Insolvenz an
Glas-Zentrum Wismar nach 80 Jahren insolvent

Nach mehr als acht Jahrzehnten: Traditionsreiches Glasunternehmen in Wismar stellt Insolvenzantrag

Ein bedeutendes Kapitel der norddeutschen Wirtschaftsgeschichte steht vor einer entscheidenden Weichenstellung: Die Glas-Zentrum Wismar GmbH, ein seit Generationen geführtes Familienunternehmen, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Trotz dieser schwerwiegenden Entwicklung wird der Geschäftsbetrieb vorerst uneingeschränkt fortgesetzt, während parallel intensiv nach einer dauerhaften Lösung gesucht wird.

Eine Unternehmensgeschichte mit tiefen Wurzeln in Wismar

Die Geschichte des Unternehmens reicht bis in das Jahr 1946 zurück, als Wilhelm Steinhagen seine Werkstätten für Glasbearbeitung auf dem Wismarer Haffeld eröffnete. Nach der Verstaatlichung 1972 als Volkseigener Betrieb erfolgte 1980 der Umzug in die Poeler Straße, wo das Unternehmen bis heute seinen Sitz hat. Mit der Rückübertragung nach der Wende wurde 1990 die Glas-Zentrum Wismar GmbH gegründet, die mittlerweile in dritter Generation geführt wird.

Das Unternehmen hat sich auf die Veredelung, Verarbeitung und den Vertrieb von Glas spezialisiert, fertigt Sonderanfertigungen an und übernimmt Montagearbeiten für sowohl private als auch gewerbliche Kunden.

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Insolvenzverfahren mit klarem Ziel: Zukunftssicherung

Am 2. Februar 2026 stellte die Firma den Insolvenzantrag, woraufhin das Amtsgericht einen Tag später die vorläufige Insolvenzverwaltung anordnete. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dr. Mathias Gellert, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, bestellt.

„Unser erklärtes Ziel ist die Entwicklung tragfähiger Perspektiven für die Zukunft des Unternehmens und die Schaffung einer Grundlage für nachhaltige wirtschaftliche Stabilität“, erklärt Gellert auf Nachfrage. Die genauen Gründe für die wirtschaftliche Schieflage werden derzeit noch geprüft, doch der Insolvenzverwalter gibt bereits einen Hinweis: „Fest steht im Moment nur, dass die saisonbedingt schwachen Wintermonate die Liquidität stark belastet haben.“

Voller Betrieb und intensive Investorensuche

Trotz des Insolvenzverfahrens wird der Geschäftsbetrieb in vollem Umfang aufrechterhalten. Kunden und Geschäftspartner können sich auf eine zuverlässige Fortsetzung der Zusammenarbeit verlassen. Parallel dazu wurde bereits ein strukturierter Investorenprozess gestartet.

„Das Interesse aus dem Markt ist erfreulich hoch – es liegen bereits zahlreiche Interessensbekundungen vor“, berichtet Gellert. „Unser ambitioniertes Ziel ist es, bereits bis zum 1. April 2026 eine tragfähige Investorenlösung zu realisieren und damit die Zukunft des Unternehmens dauerhaft zu sichern.“

31 Mitarbeiter stehen geschlossen hinter ihrem Unternehmen

Derzeit beschäftigt die Glas-Zentrum Wismar GmbH 31 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende. Die gesamte Belegschaft steht laut Insolvenzverwalter geschlossen hinter dem Unternehmen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hoch motiviert und leisten täglich wertvolle Arbeit, um die Glas-Zentrum Wismar GmbH durch diese Phase zu begleiten“, betont Gellert.

Zur Absicherung der Beschäftigten wurde die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes der Bundesagentur für Arbeit für die Monate Januar, Februar und März 2026 eingeleitet, um Löhne und Gehälter zu sichern.

Insolvenzquote in Mecklenburg-Vorpommern im Aufwärtstrend

Die Entwicklung in Wismar spiegelt einen bundesweiten Trend wider. Nach einer im Dezember veröffentlichten Prognose ist die Zahl der Firmenpleiten in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2025 im Vorjahresvergleich gestiegen. Mit 61 Insolvenzfällen je 10.000 Unternehmen liegt die Quote zwar über dem Vorjahreswert von 53, bleibt jedoch unter dem aktuellen Bundesschnitt von 76.

Laut Hochrechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform steigt die Insolvenzquote in allen 16 Bundesländern. Die Spannweite reicht dabei von 130 Fällen je 10.000 Bestandsunternehmen in Berlin bis zu lediglich 48 in Thüringen.

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