Hoeneß-Appell: Deutschland nicht kaputtreden!
Er gilt als einer der erfolgreichsten Sportmanager in der Geschichte der Bundesrepublik: Uli Hoeneß (74) hat in seiner Karriere alles gewonnen, tiefe Krisen durchlebt und beeindruckende Comebacks hingelegt. Mit diesem Erfahrungsschatz blickt der ehemalige Bayern-Boss nun auf die aktuelle wirtschaftliche Situation Deutschlands und fordert einen grundlegenden Mentalitätswandel.
Optimismus statt Schwarzmalerei
Im exklusiven Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung macht Hoeneß deutlich, dass er die deutsche Wirtschaft keineswegs abgeschrieben hat. „Ich bin sehr viel optimistischer für Deutschland als die meisten“, erklärt der 74-Jährige. Er glaube sogar, „wir stehen vor einem guten Jahr“ – allerdings nur unter einer entscheidenden Bedingung: Die Bundesregierung müsse „endlich mal vernünftig zusammenarbeiten“.
Seine Kritik richtet Hoeneß dabei besonders an die SPD. Die Parteilinken müssten „endlich begreifen: Wenn sie sich hier nicht einbringen in der demokratischen Mitte, die wir dringend brauchen in diesem Land, dann gehen sie genauso unter wie die FDP“.
Realitätscheck für die deutsche Industrie
Auch bei der angeschlagenen Industrie widerspricht Hoeneß der verbreiteten Krisenstimmung entschieden. In Deutschland werde „viel zu schlecht gesprochen“, kritisiert er und verweist auf seine eigenen Einblicke in große Konzerne. „BMW kenne ich sehr gut“, so Hoeneß, und betont, dass vielen Unternehmen entgegen der öffentlichen Wahrnehmung „gar nicht so schlecht“ gehe.
Selbst beim Volkswagen-Konzern, der aktuell einen Stellenabbau von 50.000 Arbeitsplätzen plant, bleibt Hoeneß gelassen: „Wenn ich höre, VW ist eine Katastrophe – ich habe die Aktie im Moment nicht, aber solange sie Milliarden verdienen, kann es so schlimm nicht sein“.
Appell für mehr Arbeitseinsatz
Statt permanenter Negativberichterstattung fordert Hoeneß eine grundlegend andere Haltung im Land: „Es muss diese Einstellung jetzt wieder kommen: Ärmel hochkrempeln und arbeiten“. Deutschland brauche „weniger Menschen, die eine Dreitagewoche wollen, sondern Leute, die mehr arbeiten“.
Einen konkreten Vorschlag an die Gewerkschaften hat der erfahrene Manager ebenfalls parat: „Das wäre mal ein Vorschlag für Verdi: Unsere Mitarbeiter arbeiten mal zwei Stunden pro Woche mehr – und das kostenlos“.
Erfahrung als Basis für Optimismus
Hoeneß kann auf eine bewegte Lebensgeschichte zurückblicken, die ihn für Krisen und deren Überwindung sensibilisiert hat. Vom erfolgreichen Fußballprofi über den genialen Manager bis zum juristischen Sturz und dem beeindruckenden Comeback – kaum jemand in Deutschland hat ähnliche Erfahrungen mit Höhen und Tiefen gesammelt. Diese Perspektive macht seine aktuelle Forderung nach mehr Optimismus und Zusammenarbeit besonders gewichtig.
Sein Appell richtet sich gleichermaßen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: Statt das Land kaputtzureden, sollten alle Beteiligten gemeinsam an Lösungen arbeiten und die vorhandenen Stärken Deutschlands besser nutzen.



