Trauriges Ende einer 160-jährigen Tradition: Holzbau-Spezialist Mocopinus schließt alle Standorte
Ein bedeutendes Kapitel der deutschen Holzbauindustrie geht zu Ende. Die Mocopinus GmbH & Co. KG, ein traditionsreiches Unternehmen mit 160-jähriger Geschichte, stellt nach gescheiterter Rettung den Betrieb vollständig ein. Rund 270 Mitarbeiter verlieren in den kommenden Wochen ihre Arbeitsplätze, nachdem alle Bemühungen um einen Investor gescheitert sind.
Insolvenzverfahren mündet in endgültige Schließung
Bereits im Dezember 2025 hatte das Unternehmen mit Hauptsitz in Ulm Insolvenz angemeldet und ein umfangreiches Sanierungsprogramm in Eigenverwaltung gestartet. Das Amtsgericht Ulm eröffnete zum 1. Februar 2026 das Insolvenzverfahren und bestellte Georg Jakob Stemshorn von der Kanzlei Pluta als Sachverwalter. Trotz intensiver Verhandlungen mit zahlreichen Interessenten konnte kein tragfähiges Angebot für die Übernahme des operativen Geschäftsbetriebs gefunden werden.
In einer offiziellen Pressemitteilung erklärte das Unternehmen aus Baden-Württemberg: „Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung mündet in die geordnete Ausproduktion und anschließende Stilllegung der Standorte Ulm, Karlsruhe und Ammelshain.“ Kundenaufträge sollen noch abgearbeitet und ausgeliefert werden, bevor die Produktion endgültig eingestellt wird.
Herausfordernde Marktbedingungen verhindern Rettung
Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn verdeutlichte die schwierige Situation: „Die aktuellen Marktbedingungen sind herausfordernd, und ohne einen Investor für das gesamte Unternehmen ist eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung nicht darstellbar. Leider sind die meistbietenden Investoren nur bereit, die Immobilien zu übernehmen.“
Die Geschäftsführung, Sanierungsexperten und M&A-Berater hatten bis zuletzt mit zahlreichen Interessenten verhandelt. Das Ergebnis spiegelt die schwierige Lage der Bau- und Holzbranche wider. Es lagen zwar Angebote für die Vermögenswerte vor – insbesondere für die Immobilien –, jedoch kein tragfähiges Angebot für die Übernahme des operativen Geschäftsbetriebs.
Sozialverträglicher Personalabbau geplant
Mit der Stilllegung des Geschäftsbetriebs verlieren rund 270 Mitarbeiter in den kommenden Wochen ihren Arbeitsplatz. Die Belegschaft wurde bereits in einer Mitarbeiterversammlung über die aktuelle Situation informiert. Der Personalabbau infolge der Insolvenz soll in Abstimmung mit den Betriebsräten sozialverträglich erfolgen.
CEO Ulrich Braig äußerte sich betroffen: „Das ist ein extrem bitterer Tag für Mocopinus und unsere Mitarbeitenden. Wir haben bis zur letzten Minute gekämpft, um das Unternehmen zu retten. Dass uns dies trotz der operativen Stabilisierung in den letzten Wochen nicht gelungen ist, schmerzt uns sehr.“
Unternehmensprofil und Ausblick
Mocopinus zählte zu den führenden Industriehobelwerken Europas und spezialisierte sich auf veredelte Holzprodukte für Fassaden, Terrassen und Innenausbau. Bekannte Projekte wie die eindrucksvolle Holzfassade des Hotels Bretterbude in Heiligenhafen an der Ostsee stammen von dem Unternehmen.
Die Tochtergesellschaft Lignum-Finish GmbH in Aitrach ist nicht von der Schließung betroffen. Für sie dauern die Verhandlungen noch an. Das Werk der Mocopinus GmbH & Co. KG im Karlsruher Rheinhafen schließt ebenso wie die anderen Standorte.
Die Schließung markiert das Ende einer langen Tradition in der deutschen Holzbauindustrie und verdeutlicht die aktuellen Herausforderungen in der Branche.



