Insolvente Bäckerei-Kette HBK: Traditioneller Domstollen aus Halberstadt in Gefahr
Insolvente Bäckerei-Kette: Domstollen-Tradition in Gefahr

Insolvenz bedroht 200-jährige Backtradition in Halberstadt

Die Halberstädter Bäcker und Konditoren GmbH (HBK) hat Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet. Die Bäckerei-Kette mit 22 Filialen in Sachsen-Anhalt beschäftigt mehr als 120 Mitarbeiter und steht nun vor einer ungewissen Zukunft. Besonders betroffen ist jedoch eine kulinarische Spezialität, die nur bei HBK produziert wird: der berühmte Halberstädter Domstollen.

Eine historische Backware mit napoleonischen Wurzeln

Die Tradition des Domstollens reicht bis ins Jahr 1805 zurück, als napoleonische Truppen Halberstadt besetzten. Um ihre Vorräte vor den Soldaten zu schützen, lagerten die Halberstädter das spezielle Gebäck vier Wochen lang im Dunkeln unter dem Dom. Dieser Brauch wird bis heute von der HBK fortgeführt und macht den Stollen zu einer einzigartigen regionalen Spezialität.

Jährlich werden etwa 2500 Stück des Domstollens in reiner Handarbeit hergestellt und für 29,50 Euro pro Stück verkauft. Die Lagerung unter dem Dom verleiht dem Gebäck seinen charakteristischen Geschmack und ist ein wesentlicher Teil des Herstellungsprozesses.

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Gründe für die Insolvenz und Rettungsbemühungen

Laut Firmensprecherin sind explodierende Energiekosten, überbordende Bürokratie und stetig steigende Personalkosten die Hauptgründe für die Insolvenz. Das Unternehmen, das 1963 aus einer DDR-Produktionsgenossenschaft hervorging, war lange Zeit ein florierender Betrieb in der Region.

Inzwischen steht der HBK ein Restrukturierungsexperte der Beratungsfirma Innovatis zur Seite. Gemeinsam soll ein Sanierungsplan erarbeitet werden, um den Traditionsbetrieb zu retten. Die Geschäftsführung betont: „Unser Geschäftsbetrieb ist stabil, und wir sind regional gut etabliert. Die Eigenverwaltung gibt uns den notwendigen Handlungsspielraum, um das Unternehmen nachhaltig zu sanieren und langfristig zu sichern.“

Was bedeutet dies für Kunden und Mitarbeiter?

Für Kunden ändert sich zunächst nichts: Der Betrieb läuft wie gewohnt weiter, und die Filialen bleiben geöffnet. Die Löhne der mehr als 120 Mitarbeiter sind durch Insolvenzgeld für die kommenden Monate gesichert.

Langfristig plant die HBK jedoch eine Optimierung der Kostenstruktur und die strategische Weiterentwicklung des Filialnetzes. Neue Absatz- und Vertriebswege sollen erschlossen werden, um den Umsatz zu steigern. Ob dabei Filialen geschlossen werden müssen, ist noch unklar.

Die Zukunft des Halberstädter Domstollens

Die größte Sorge gilt der traditionellen Backware. Sollte die HBK nicht gerettet werden können, droht das Aus für den Domstollen, da keine andere Bäckerei diese spezielle Herstellungsmethode anwendet. Damit wäre nicht nur ein Unternehmen, sondern auch ein Stück regionaler Kulturgeschichte verloren.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Rettungsplan erfolgreich ist und ob die 200-jährige Tradition des Halberstädter Domstollens auch in Zukunft fortgeführt werden kann.

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