IW-Studie: Jedes zehnte Unternehmen bietet Mitarbeiterwohnungen an
IW-Studie: Jedes zehnte Unternehmen bietet Wohnraum

IW-Studie: Jedes zehnte Unternehmen bietet Mitarbeiterwohnungen an

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel und angesichts angespannter Mietmärkte setzen immer mehr deutsche Unternehmen auf ein bewährtes Instrument: Sie bieten ihren Beschäftigten Wohnraum an. Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die auf Befragungen von 826 Unternehmen aller Branchen basiert.

Wohnraum als strategisches Personalinstrument

Die Studie zeigt deutlich, dass fast jedes zehnte Unternehmen (9 Prozent) seinen Mitarbeitern direkt oder über Tochtergesellschaften Wohnungen zur Verfügung stellt. Noch weiter verbreitet ist die Unterstützung bei der Wohnungssuche: Gut ein Fünftel (21 Prozent) der befragten Betriebe hilft organisatorisch oder finanziell bei der Suche nach geeignetem Wohnraum.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen berichtet von positiven Effekten dieser Maßnahmen auf das Gewinnen und Binden von Fachkräften. Besonders in Ballungsgebieten und Großstädten, wo bezahlbarer Wohnraum knapp ist, werden Mitarbeiterwohnungen zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Auch für Auszubildende und dual Studierende zeigen sich Vorteile, wenn auch in geringerem Ausmaß.

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Hürden und Herausforderungen

Trotz der positiven Erfahrungen bleibt die flächendeckende Verbreitung von Werkswohnungen die Ausnahme. Nur wenige Unternehmen planen laut Studie, in den kommenden fünf Jahren neue Angebote einzuführen. Als wesentliche Hürden nennen die Firmen:

  • Ungünstige Rahmenbedingungen auf dem Wohnungsmarkt
  • Fehlende Kooperationspartner
  • Rechtliche und steuerliche Unsicherheiten
  • Hohen Verwaltungsaufwand

Historische Tradition mit moderner Relevanz

Mitarbeiterwohnungen haben in Deutschland eine lange Geschichte. Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert errichteten Industriekonzerne wie Siemens oder BASF ganze Werkssiedlungen für ihre Beschäftigten. In Berlin entstand die berühmte Siemensstadt, in Ludwigshafen baute BASF die Hohenzollern-Höfe und die Hemshof-Siedlung.

Diese Tradition setzt sich bis heute fort, wenn auch mit neuen Herausforderungen. Zuletzt sorgte BASF für Aufsehen mit der Entscheidung, rund 4.400 Wohnungen zu verkaufen, um sich stärker auf das Kerngeschäft zu konzentrieren – ein Schritt, der bei Gewerkschaften und Landespolitik auf Kritik stieß.

Potenzial für den Wohnungsmarkt

Laut IW-Studie können Mitarbeiterwohnungen punktuell zur Entlastung angespannter Wohnungsmärkte beitragen. Während die Nutzung bestehender Wohnungen Verdrängungseffekte haben kann, bietet insbesondere der Neubau auf Firmengeländen Potenzial für zusätzlichen Wohnraum. Entscheidend für den Erfolg sind klare Regeln, schnellere Genehmigungsverfahren und eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Wohnungswirtschaft.

Die Studie macht deutlich: In Zeiten von Fachkräftemangel und Wohnungsknappheit werden Mitarbeiterwohnungen wieder zu einem wichtigen strategischen Instrument für Unternehmen. Sie helfen nicht nur bei der Personalgewinnung, sondern können auch einen Beitrag zur Lösung von Wohnungsmarktproblemen leisten – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen.

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