Lufthansa-Streiks eskalieren: Zwei weitere Tage Arbeitsniederlegungen bei Kabinenpersonal
Der Tarifkonflikt bei der Lufthansa spitzt sich weiter zu. Während der Pilotenstreik der Vereinigung Cockpit (VC) noch bis Dienstag andauert, hat die Kabinengewerkschaft Ufo nun das Kabinenpersonal zu zwei zusätzlichen vollen Streiktagen bei Lufthansa und Lufthansa Cityline aufgerufen. Diese fünfte Streikwelle des fliegenden Personals überschattet den geplanten Festakt zum 100. Jahrestag der Lufthansa-Gründung an diesem Mittwoch nachhaltig.
Hunderte Flugausfälle und verhärtete Fronten
Bereits am Montag sorgte der erneute Pilotenstreik für hunderte Flugausfälle und verhärtete die Fronten zwischen den Verhandlungspartnern erheblich. Das Unternehmen bezeichnete die Forderungen der Piloten als „absurd und unerfüllbar“. Tausende Passagiere mussten ihre Reisepläne kurzfristig ändern, während an den Flughäfen viele Maschinen stillstanden.
Allein am Frankfurter Flughafen wurden für Montag und Dienstag zusammen mehr als 1.100 Starts und Landungen abgesagt. In München fielen 710 Flugbewegungen aus. Die Lufthansa versuchte, etwa die Hälfte der Langstreckenflüge aufrechtzuerhalten, während auf der Nah- und Mittelstrecke nur jeder dritte Flug stattfinden sollte.
Gewerkschaften planen Kundgebung vor Unternehmenszentrale
Die Gewerkschaften planen eine Kundgebung vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen genau zum Zeitpunkt des Festakts mit Bundeskanzler Merz. „Es gibt keinen besseren Ort des Protestes“, erklärt Ufo-Vorsitzender Joachim Vázquez Bürger. „Wenn sich das Management gemeinsam mit der Bundespolitik für 100 Jahre Lufthansa feiert, dann werden wir genau dort sichtbar machen, unter welchen Bedingungen die Arbeitgeberseite funktioniert.“
Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger betont: „Die hohe Beteiligung zeigt überdeutlich, dass sich die Kabine nicht für dumm verkaufen lässt. Wir haben es hier mit einer Arbeitgeberseite zu tun, die sich in einer Hardliner-Position eingerichtet hat.“
Management zeigt harte Kante
Personalvorstand Michael Niggemann warnte die Spartengewerkschaften VC und Ufo davor, ihren Konfrontationskurs fortzusetzen. „Jeder Streik verkleinert die betroffene Fluggesellschaft“, betonte er mit Blick auf die entstehenden Kosten. Zu Ufos erneutem Streikaufruf sagte er: „Dies zeigt auf bedrückende Weise, dass ihr das Schicksal unserer Fluggäste und die Zukunft der Lufthansa völlig gleichgültig sind.“
Vorstandschef Carsten Spohr stellte im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ klar, dass der Konzern nicht einknicken werde. „Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke“, so Spohr. Er hielt den Gewerkschaften vor, dass keine der von ihnen tarifierten Airlines am Wachstum der Lufthansa Group mit ihren 14 Airlines teilnehme.
Erster Streik bei Eurowings und strategische Ausrichtung
Erstmals wurde am Montag auch der Ferienflieger Eurowings für einen Tag bestreikt. Bei Eurowings konnten etwa 60 Prozent des ursprünglichen Plans geflogen werden, da die in Malta registrierte Eurowings Europe nicht unter deutsches Tarifrecht fällt und Partner-Airlines unterstützen.
Niggemann begründete den harten Kurs des Managements mit der Wettbewerbsfähigkeit der Kerngesellschaft „Lufthansa Classic“. Diese sei auf vielen Strecken bereits heute nicht mehr wettbewerbsfähig, so dass man die Kosten nicht weiter erhöhen könne. „Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Classic“, betonte er. Neue Flugbetriebe wie Discover und City Airlines, die kostengünstiger unterwegs sein sollen, würden auf Kosten der Kerngesellschaft wachsen. „Diese Streiks werden unsere Strategie nicht beeinflussen“, so Niggemann.
Ausnahmen und Passagierinformationen
Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation im Nahen Osten sind Flüge von Lufthansa und Lufthansa Cityline zu Destinationen in Aserbaidschan, Ägypten, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten vom Streik ausgenommen.
Passagiere werden gebeten, den Status ihres Fluges rechtzeitig online zu prüfen und gegebenenfalls ihre Airline oder den Reiseveranstalter zu kontaktieren. Die Internetseiten sowohl der Lufthansa als auch der Flughäfen bieten entsprechende Informationen an.



