Nestlé schrumpft nach Gewinneinbruch: Fokus auf vier Kernbereiche und Stellenabbau
Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé befindet sich in einer tiefgreifenden Umstrukturierungsphase. Nach einem deutlichen Gewinnrückgang im vergangenen Jahr kündigte das Unternehmen am Donnerstag in Vevey eine strategische Neuausrichtung an. Künftig will sich der Konzern auf lediglich vier Kernbereiche konzentrieren: Kaffee, Tierfutter, Ernährung und Gesundheit sowie Lebensmittel und Snacks. Die bisher separat geführten Bereiche Ernährung und Gesundheit werden dabei zu einer einzigen Einheit zusammengefasst.
Gewinn schrumpft um 17 Prozent
Die Hintergründe für diesen radikalen Schritt sind eindeutig: Nestlé steht nach schwachen Geschäften unter erheblichem Druck. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Gewinn um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf gut neun Milliarden Franken, was etwa 9,88 Milliarden Euro entspricht. Parallel dazu ging der Umsatz um zwei Prozent auf rund 89,5 Milliarden Franken zurück, obwohl das Unternehmen aus eigener Kraft leichte Zuwächse verzeichnen konnte.
Dem Konzern mit bekannten Marken wie Kitkat, Maggi und Nespresso macht vor allem die anhaltende Inflation zu schaffen. Wie viele andere Konsumgüterhersteller hat Nestlé in den vergangenen Jahren die Preise erhöht, um gestiegene Rohstoffkosten an die Kunden weiterzugeben. Doch diese Strategie stößt an Grenzen: Wegen der hohen Lebensmittelpreise setzen Verbraucher vermehrt auf günstige Eigenmarken oder kaufen verstärkt bei Discountern ein. Ein zusätzlicher Rückschlag war ein kostspieliger Rückruf verunreinigter Babynahrung im Jahr 2025, der Nestlé rund 185 Millionen Franken kostete.
16.000 Stellen sollen weltweit wegfallen
Der neue Nestlé-Chef Philipp Navratil, der im Oktober sein Amt antrat, treibt die Umstrukturierung energisch voran. Sein erklärtes Ziel ist es, das Geschäft zu vereinfachen und signifikante Einsparungen zu erzielen. Ein zentraler Bestandteil dieses Sparprogramms ist der Abbau von weltweit rund 16.000 Stellen innerhalb der nächsten zwei Jahre. Dies entspricht fast sechs Prozent der insgesamt knapp 280.000 Arbeitsplätze weltweit.
Wie viele dieser Stellen in Deutschland entfallen werden, wo der Umsatz im Jahr 2025 stagnierte und Nestlé derzeit etwa 6.500 Menschen beschäftigt, steht noch nicht fest. Mit dem umfangreichen Stellenabbau sollen bis Ende 2027 jährliche Einsparungen in Höhe von rund einer Milliarde Franken realisiert werden. Navratil gab bekannt, dass bereits 20 Prozent dieser Einsparungsziele erreicht seien.
Vereinfachung der Unternehmensstruktur
Bisher war Nestlé primär nach Regionen organisiert und gliederte sich zusätzlich in sechs strategische Geschäftseinheiten. Daneben bestanden drei global geführte Sparten, darunter Nespresso, Health Science und das zum Verkauf stehende Wassergeschäft. Die neue Fokussierung auf nur vier Kernbereiche markiert eine deutliche Abkehr von dieser komplexen Struktur.
Navratil plant, die durch das Sparprogramm freigesetzten Mittel verstärkt in Marketing und Innovationen zu investieren. Der Manager hatte diese Strategie bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Oktober angekündigt und betont, dass nur so die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns gesichert werden könne.
Turbulente Zeiten für den Konzern
Nestlé hat in jüngster Vergangenheit turbulente Zeiten durchlebt. Erst im September des vergangenen Jahres entließ der Konzern den damaligen Vorstandschef Laurent Freixe, der eine Liebesbeziehung zu einer ihm unterstellten Managerin unterhalten hatte. Es handelte sich bereits um den zweiten Chefwechsel innerhalb eines Jahres, was die internen Unruhen und den Handlungsdruck verdeutlicht.
Die nun eingeleiteten Maßnahmen zeigen, dass Navratil entschlossen ist, den Konzern auf einen schlankeren und profitableren Kurs zu bringen. Ob die Fokussierung auf vier Kernbereiche und der massive Stellenabbau die gewünschte Trendwende einleiten können, wird die Entwicklung der kommenden Quartale zeigen müssen. Für Mitarbeiter und Kunden bedeutet die Umstrukturierung jedoch unmittelbare Veränderungen und Unsicherheiten.



