Tankstellenverband klagt an: Spritpreis-Explosion ist reine Abzocke der Konzerne
Tankstellenverband: Spritpreis-Explosion ist reine Abzocke

Tankstellenverband erhebt schwere Vorwürfe: Spritpreis-Explosion ist reine Abzocke

Die Spritpreise an deutschen Tankstellen schießen derzeit in schwindelerregende Höhen – und der Tankstellen-Interessenverband erhebt einen schweren Vorwurf gegen die Mineralölkonzerne. Aus Sicht des Verbandes handelt es sich bei den jüngsten Preissprüngen um nichts anderes als reine Abzocke, die durch keinerlei marktwirtschaftliche Notwendigkeit gerechtfertigt sei.

Diesel knackt Zwei-Euro-Marke

Während der Konflikt im Iran die internationalen Ölmärkte in Aufruhr versetzt, hat der Dieselpreis im bundesweiten Durchschnitt die psychologisch wichtige Zwei-Euro-Marke geknackt. Schon am Dienstag lag der Tagesdurchschnittspreis bei 1,917 Euro – ein Anstieg von 17,7 Cent gegenüber dem Vortag. Diese Entwicklung sorgt bei Autofahrern für erhebliche Verunsicherung und bei Experten für massive Kritik.

Herbert W. Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes e.V., stellt im Gespräch mit BILD klar: „Es gibt überhaupt keinen Grund momentan – gestern nicht, heute nicht – die Preise zu erhöhen. Es ist reine Abzocke.“ Seine Begründung: Der Sprit in den Lagertanks der Tankstellen sei noch zu alten Konditionen eingekauft worden. „Bis der teure Ölpreis bei uns in Deutschland ankommt, vergeht mindestens eine Woche“, erklärt Rabl die zeitliche Verzögerung zwischen Rohölpreisentwicklung und tatsächlichen Kosten.

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Angst der Autofahrer wird skrupellos ausgenutzt

Laut dem Verbandssprecher spielt aktuell auch Psychologie eine entscheidende Rolle an den Zapfsäulen. Die Deutschen seien eine „Sicherheitsnation“, die bei ersten Anzeichen von Preissteigerungen in Panik verfalle. Viele Autofahrer fürchteten, der Sprit werde in den kommenden Tagen noch teurer – und machten sich den Tank deshalb vorsorglich voll. Diese verständliche Angst würden die Mineralölkonzerne skrupellos ausnutzen, indem sie ihre Preise bereits jetzt in die Höhe trieben.

Die eigentlichen Tankstellenbetreiber, die Pächter, profitierten von dieser Preispolitik nicht, stellt Rabl gegenüber BILD klar: „Wir kriegen zwischen ein und zwei Cent Provision pro verkauftem Liter.“ Der Großteil der zusätzlichen Einnahmen lande direkt in den Konzernkassen der Mineralölunternehmen, während die Tankstellenpächter mit minimalen Margen auskommen müssten.

Konkrete Forderungen an Politik und Kartellamt

Der Tankstellenverband fordert nun entschlossenes Handeln von politischer Seite. Rabl verweist auf das österreichische Modell, wo Preiserhöhungen nur einmal täglich möglich seien und danach ausschließlich Preissenkungen erlaubt wären. „Einmal am Tag dürfen die Preise erhöht werden und danach geht es nur noch nach unten – wie das in Österreich seit Jahren funktioniert“, so der Verbandssprecher.

Zudem müsse das Bundeskartellamt „besser draufschauen, was die da eigentlich treiben“. Der Appell an die Bundesregierung fällt deutlich aus: „Es wäre schön, wenn sie gegenüber den großen Konzernen ein bisschen mehr Eier in der Hose hätte.“ Der Verband erwartet klare regulatorische Maßnahmen, um die aktuellen Preisexzesse zu stoppen und faire Wettbewerbsbedingungen an den Tankstellen wiederherzustellen.

Hintergrund: Straße von Hormus als Preistreiber

Eine Schlüsselrolle in der aktuellen Debatte spielt die strategisch wichtige Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte fließt. Seit dem vergangenen Wochenende blockiert das iranische Regime diese lebenswichtige Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Kein Tanker kommt derzeit mehr durch diese kritische Wasserstraße.

Trotz dieser dramatischen Entwicklung erwartet die Branche derzeit keinen akuten Versorgungsengpass. Die Reserven seien noch ausreichend, um den deutschen Markt zu versorgen. Diese Diskrepanz zwischen tatsächlicher Versorgungslage und exorbitanten Preiserhöhungen unterstreicht aus Sicht des Tankstellenverbandes die Berechtigung seiner Abzocke-Vorwürfe.

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