Vollständige Lager, trotzdem steigende Benzinpreise: Experten kritisieren Preistreiberei
Vollständige Lager, steigende Benzinpreise: Experten kritisieren

Vollständige Lager, trotzdem steigende Benzinpreise: Experten kritisieren Preistreiberei

Die Frustration an deutschen Tankstellen wächst stetig, denn vielerorts wurde bereits die 2-Euro-Marke beim Spritpreis durchbrochen. Obwohl die Lager voll sind und Öl-Lieferprobleme aus dem Iran-Konflikt normalerweise Tage benötigen, um in Deutschland anzukommen, stiegen die Preise seit Beginn der Spannungen sprunghaft an. Experten kritisieren diese Entwicklung scharf und werfen den Mineralölkonzernen gezielte Preistreiberei vor.

Unbegründete Preissprünge trotz voller Lager

Herbert W. Rabl, Sprecher der Tankstellenpächter und Tankstelleneigentümer in Deutschland, erklärt gegenüber dem NDR: „Aus unserer Sicht ist es überhaupt nicht gerechtfertigt, dass die Preise so sprunghaft angestiegen sind.“ Die aktuell explodierenden Preise an den Tankstellen hätten mit dem Ölpreis, dem Iran-Konflikt und der Blockierung der Straße von Hormus noch gar nichts zu tun. „Ehe die Lieferkette hier bei uns ankommt, vergehen ein paar Tage, so schnell schlägt ein erhöheter Ölpreis nicht durch, die Lager sind ja voll“, betont Rabl.

Marketing-Ritt auf der Angstwelle

Aus seiner Sicht nutzen die Mineralölkonzerne die aktuelle Unsicherheit gezielt aus, um sich zu bereichern: „Was wir erleben, ist ein Marketing-Ritt auf der Angstwelle, die momentan aus dem Iran und aus dem Golf von Hormus zu uns schwappt“, sagt er. Die Konzerne rechneten damit, dass die Weltlage den Autofahrern Angst macht und sie bereit sind, hohe Spritpreise aus Furcht vor noch höheren Kosten zu zahlen.

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Wer den Frust über die hohen Tankstellenpreise dabei an den Betreibern auslasse, treffe die Falschen: „Die Pächter, die Mitglieder unseres Verbandes, haben nichts von der Preissteigerung und wir sind auch nicht dafür verantwortlich“, erklärt Rabl. „Wir werden an den Gewinnen, die gerade in die Taschen der großen Konzerne geschoben werden, nicht beteiligt. Wir finden auch, dass das gegenüber dem Verbraucher unangemessen ist.“

Teufelskreis treibt die Preise nach oben

Doch warum steigen die Preise denn so schnell und so stark, wo der Sprit doch längst verarbeitet und nach Deutschland transportiert ist und die Lager noch voll sind? Hier greifen die unerbittlichen Preismechanismen. Der Verkaufspricht sich nicht nach den vergangenen Beschaffungskosten, sondern den erwarteten zukünftigen Kosten aus. Zudem hat bereits ein gewisser Teufelskreis eingesetzt.

Christof Tietgen vom ADAC erläutert: „Wenn sich alle Leute den Tank noch mal voll machen, gibt es eine höhere Nachfrage und damit steigen die Preise weiter.“ Der Markt sei „hypernervös“, was sowohl für die Anbieter als auch für die Autofahrer gelte. Ein nervöser Markt sorge immer für höhere Preise, so Tietgen.

Hamsterkäufe verschärfen die Situation

Als anschauliches Beispiel für die verzwickte Lage, in der sich die Autofahrer gerade befinden, nennt Tietgen die eigene Spritspar-App des ADAC. Diese werde aktuell fünfmal mehr abgerufen als üblich. Es gebe sogar Autofahrer, die nun nicht nur ihren Tank vollmachen, sondern geradezu Hamsterkäufe tätigen und Kraftstoff in Benzinkanister bunkern.

Davon rate der ADAC dringend ab. Zum einen drehe man den Teufelskreis aus großer Nachfrage bei prognostiziert kleinerem Angebot damit noch etwas schneller an, zum anderen sei es „unheimlich gefährlich, zu Hause in der Garage hundert Liter Benzin oder Diesel zu lagern.“ Die Kombination aus Preistreiberei der Konzerne und panischen Reaktionen der Verbraucher schaffe einen perfekten Sturm für weiter steigende Preise.

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