Vom Militär zur Torten-Chefin: 43-Jährige übernimmt Traditionsbäckerei in Schwaan
Mut zur beruflichen Veränderung beweist Claudia Timm eindrucksvoll: Nach zwölf Jahren bei der Bundeswehr als Krankenschwester wagte sie einen kompletten Neuanfang und ließ sich zur Konditorin ausbilden. Seit 2017 bereits selbstständig mit ihrer Patisserie in Stäbelow, hat die 43-Jährige nun am 4. März 2026 die traditionsreiche Bäckerei und Konditorei Schröder mit Café am Markt in Schwaan übernommen. Damit führt sie ein Geschäft weiter, das zuvor 55 Jahre in familiärer Hand war.
Spontane Entscheidung mit glücklichem Ausgang
„Als ich im letzten Sommer davon erfahren habe, dass die Bäckerei Schröder aufhören möchte und sie jemanden suchen, bin ich spontan hierhergefahren“, erzählt die Rostockerin. „Wir haben uns sofort so gut verstanden und waren uns ziemlich schnell einig.“ Für die bisherigen Inhaber Ines und Thomas Schröder, die das Geschäft mehr als 20 Jahre lang führten, war die Kontinuität besonders wichtig: „Uns war es sehr wichtig, dass es in unserem Sinne weitergeführt wird“, betont Ines Schröder, die sogar am Tag der offiziellen Neueröffnung noch einmal tatkräftig mit anpackte.
Erleichterung bei der Stammkundschaft
Die Übernahme stellt für beide Seiten eine Win-win-Situation dar: Während die Schröders nun beruhigt in den Ruhestand gehen können, hat Claudia Timm mit der Patisserie/Konditorei Timm in Schwaan ein zweites Standbein gefunden, das bereits über eine solide Stammkundschaft verfügt. „Vor allem für die Älteren in Schwaan ist es ganz wichtig, dass es hier weitergeht. Die sind so gerne hier“, erklärt Stammkundin Grit Weyer. Auch Andrea Reimer bestätigt: „Wir treffen uns hier regelmäßig.“ Jürgen Höft ergänzt erleichtert: „Schön, dass sich ein Nachfolger gefunden hat.“
Bewährtes erhalten, mit frischen Akzenten
Das beliebte Sortiment der Bäckerei bleibt weitestgehend erhalten, und einige der bewährten Rezepte werden weitergeführt. „Hier ist alles breit gefächert. Frühstück, Mittags-Imbiss, Kaffee, Kuchen, Torten, Eis, Schokolade, Cocktails. Ich denke mal, dass für jeden etwas dabei ist“, beschreibt Claudia Timm das Angebot. Besonderen Wert legt die neue Inhaberin auf humane Preise: „Ich finde, jeder soll auch sagen können: Hier kann ich mir noch ein zweites Stück leisten. Das finde ich viel schöner, wenn die Kunden dadurch viel zufriedener sind.“
Familientradition könnte fortgesetzt werden
Die Mutter einer 24-jährigen Tochter, die ebenfalls Konditorin gelernt hat, denkt bereits an die Zukunft: „Vielleicht übernimmt sie das Geschäft später mal. Sie soll aber erst einmal ihr eigenes Ding machen“, so Timm. Für sie selbst ist der Name Programm: „Es heißt ja nicht umsonst selbst und ständig.“ Entsprechend arbeitet sie oft bis in die Nacht hinein und ist auch tagsüber regelmäßig in den Geschäften anzutreffen.
Team mit breitem Altersspektrum
Unterstützung erhält Claudia Timm von einer Mitarbeiterin in der Produktion sowie drei Verkäuferinnen in Schwaan. „Vom Altersdurchschnitt haben wir alles. Es geht von 18 bis 79 Jahre“, berichtet die Unternehmerin. Die Öffnungszeiten in Schwaan bleiben wie gewohnt erhalten: Mittwoch bis Sonntag ist die Patisserie von 6 bis 18 Uhr geöffnet. Optische Veränderungen beschränken sich auf einen neuen Farbanstrich und indirekte Beleuchtung. „Ansonsten habe ich mit Absicht das Altbewährte belassen, weil es mir auch gefällt“, erklärt Timm, die am Tag der Neueröffnung zahlreiche Hände schütteln und viele Kunden mit ihrem Angebot erfreuen durfte.



