Traditionsmarke Zekiwa pleite: Geburtenrückgang führt zu Insolvenz des Kinderwagen-Herstellers
Zekiwa pleite: Geburtenrückgang führt zu Insolvenz

Ostdeutsche Traditionsmarke Zekiwa meldet Insolvenz an

Der bekannte Kinderwagen-Hersteller Zekiwa aus Kretzschau in Sachsen-Anhalt hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen, das einst als größter Kinderwagen-Produzent Europas galt, führt den Niedergang maßgeblich auf den anhaltenden Geburtenrückgang in Deutschland zurück. Die Firma, deren Name für Zeitzer Kinderwagenindustrie steht, war insbesondere in der DDR-Zeit eine bekannte und geschätzte Marke bei Eltern.

Vom europäischen Marktführer zum Insolvenzfall

Zu seinen besten Zeiten beschäftigte Zekiwa rund 2200 Mitarbeiter und produzierte jährlich etwa 450.000 Kinderwagen. Das Unternehmen versorgte nicht nur den osteuropäischen Raum, sondern lieferte auch an westdeutsche Firmen. Nach der Wende konnte der Hersteller jedoch nicht an seine frühere Größe anknüpfen und geriet in den vergangenen Monaten zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Die Geschäftsführung erklärte gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung: „In den vergangenen Monaten war die wirtschaftliche Entwicklung durch rückläufige Umsätze, steigende Kosten und eine anhaltende Ergebnisbelastung geprägt.“ Besonders deutlich mache sich der Geburtenrückgang in der sinkenden Nachfrage nach Kinderwagen bemerkbar.

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Historischer Tiefstand bei Geburtenzahlen

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes untermauern die schwierige Marktsituation. Für das Jahr 2025 wird mit nur noch 640.000 bis 660.000 Geburten gerechnet – ein Rückgang von mindestens 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich ein besorgniserregender Trend fort:

  • 2024: 677.117 Geburten (-2,3%)
  • 2023: 692.989 Geburten (-6,2%)
  • 2022: 738.819 Geburten (-7,1%)
  • 2021: 795.492 Geburten (+2,9%)

Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau lag 2024 bei etwa 1,35. Für 2025 steht dieser Wert noch nicht endgültig fest, doch die vorläufigen Geburtenzahlen deuten auf eine weitere Verschlechterung hin.

Auswirkungen auf die Region und das Unternehmen

Roland Rittig von der Gesellschaft zur Förderung des Schlosses Moritzburg Zeitz kommentiert die Entwicklung gegenüber BILD: „Das ist der vorläufige Tiefpunkt für die Zeitzer Kinderwagenindustrie. Dabei war hier doch der Ursprung aller Kinderwagen zu Beginn des 19. Jahrhunderts.“ Im Schloss Moritzburg befindet sich das Deutsche Kinderwagenmuseum, das an die lange Tradition der Branche erinnert.

Von der einstigen Produktionsstärke ist heute kaum noch etwas übrig. Am Firmensitz in Kretzschau arbeiten nach BILD-Informationen nur noch sechs Mitarbeiter, die lediglich die Endmontage zugelieferter Teile übernehmen. Die eigentliche Produktion der Kinderwagen findet mittlerweile vor allem in Polen statt, während Design und Vertrieb weiterhin in Kretzschau angesiedelt sind.

Sanierungsbemühungen und Zukunftsperspektiven

Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter. Laut Mitteldeutscher Zeitung hat das Unternehmen einen Sanierungsexperten mit der Suche nach Investoren beauftragt. Sowohl der Geschäftsführer als auch der Insolvenzverwalter waren auf Anfrage von BILD bislang nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Die Insolvenz von Zekiwa markiert nicht nur das vorläufige Ende einer ostdeutschen Traditionsmarke, sondern steht auch symbolisch für die demografischen Herausforderungen, mit denen viele familienbezogene Industriezweige in Deutschland konfrontiert sind.

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