Steuermillionen für Berliner Bordell: Artemis erhielt Corona-Hilfen
Steuermillionen für Berliner Bordell: Artemis erhielt Corona-Hilfen

Das Artemis in der Nähe der Berliner Messe ist das größte Bordell der Hauptstadt. Seit Jahren streiten sich Berliner Behörden mit den Betreibern des „Saunaclubs“. Es geht um Erweiterungspläne und eine Razzia 2016, für die sich das Land Berlin später entschuldigen musste. Jetzt kommt heraus: Das Land Berlin zahlte der umstrittenen Artemis GmbH während der Corona-Zeit eine Millionenhilfe. Das geht aus Zahlen einer Transparenzdatenbank hervor, die BILD ausgewertet hat.

Das Artemis erhielt während der Corona-Pandemie mindestens 1,75 Millionen Euro an staatlichen Zuschüssen. Die Arbeitnehmervereinigung der CDU kritisiert: „Während Millionenbeträge an Bordelle bezahlt wurden, gerieten Prostituierte in finanzielle Not.“

Die Zahlungen kamen aus verschiedenen Corona-Hilfsprogrammen des Bundes und wurden über die Investitionsbank Berlin (IBB) bewilligt. Laut dem Transparenzregister erhielt die Artemis GmbH:

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  • 124.877 Euro im August 2020
  • 187.522 Euro Fixkostenhilfe im Dezember 2020
  • 626.643 Euro im März 2021
  • 513.617 Euro im Juni 2021
  • 300.170 Euro im Juni 2022

Auf BILD-Anfrage erklärt Jens Holtkamp, Sprecher der Investitionsbank Berlin (IBB): „Gemäß den öffentlich einsehbaren Informationen der EU-Beihilfentransparenzdatenbank hat die IBB als Bewilligungsstelle des Landes Berlin diese Hilfen bewilligt und ausgezahlt.“

Die Beihilfen erfolgten nach Angaben der Investitionsbank im „Rahmen der bundesweiten Coronahilfen“. Unklar ist, ob die Bordellbetreiber die staatlichen Hilfen in voller Höhe behalten dürfen. Der IBB-Sprecher: „Wir bedauern, dass wir grundsätzlich keine Informationen zu einzelnen Antragstellenden und dem Stand der Bearbeitung mitteilen können.“

Chef des Saunaclubs schweigt

Auch die Bordellbetreiber wollen keine Angaben darüber machen, für welche Zwecke die staatlichen Zuschüsse benötigt wurden und ob sie von der Summe etwas zurückzahlen müssen. „Nach Rücksprache mit unserem Anwalt möchten wir hierzu keine Auskünfte erteilen“, erklärt Florian Gram, Geschäftsführer der Artemis GmbH, auf eine entsprechende BILD-Anfrage.

Die Prostituierten, die im Artemis arbeiten, erhielten von den 1,75 Millionen Euro wahrscheinlich nichts. Laut der Website des Artemis sind die dort arbeitenden Frauen „alle selbstständige Unternehmerinnen und bieten ihre Dienstleistungen auf eigene Rechnung an“.

Kritik von der CDA

Dagmar König (70), Mitglied im Bundesvorstand der CDA (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft), dem Sozialflügel der CDU: „Während Millionenbeträge an Bordelle bezahlt wurden, gerieten Prostituierte in finanzielle Not. Das betraf vor allem solche Frauen, die sich nicht offiziell als Gewerbetreibende angemeldet hatten.“ Die Berlinerin fordert: „Da die Coronahilfen an Bordelle aus Steuermitteln gezahlt werden, erwarte ich, dass hier sehr genau hingeschaut wird. Es muss sichergestellt sein, dass keine Zahlungen an Betriebe gehen, die in Zusammenhang mit Zwangsprostitution oder Menschenhandel stehen.“ Grundsätzlich seien Staatshilfen an Bordelle nach Einschätzung von Dagmar König allerdings rechtlich nicht zu beanstanden, wenn sich diese an alle Gesetze halten.

Existenzkrise für Sexarbeiterinnen

Für viele Prostituierte wurde der Corona-Lockdown zur Existenzkrise. Während Bordelle monatelang schließen mussten, brachen Tausenden von Frauen von einem Tag auf den anderen sämtliche Einnahmen weg. In einer Bundestagsdrucksache räumte die Bundesregierung 2021 ein, dass Sexarbeiterinnen von den Einschränkungen besonders hart getroffen wurden. Viele konnten staatliche Hilfen nicht oder nur schwer beantragen, da sie häufig über keinen Wohnsitz, kein Konto und keine Sozialversicherungsnummer verfügen.

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