Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat im Juni 2026 den Leitzins unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh verkündete seinen ersten Zinsentscheid. Die aktuellen Prognosen des Dot Plot deuten jedoch darauf hin, dass eine Zinssenkung im Jahr 2026 unwahrscheinlich ist. Neun der 18 Ausschussmitglieder gehen von mindestens einer Zinserhöhung aus, acht erwarten unveränderte Zinsen, und nur eines plädiert für eine Senkung.
Dot Plot zeigt Zinserwartungen: Mehrheit erwartet höhere Zinsen
Der Dot Plot, in dem die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses ihre individuellen Zinserwartungen veröffentlichen, zeigt einen deutlichen Anstieg des Medians für Ende 2026 von 3,4 auf 3,8 Prozent. Dies signalisiert, dass weitere Zinssenkungen derzeit weniger wahrscheinlich sind. „Die individuellen Prognosen der Ratsmitglieder im Dot Plot verschoben sich deutlich“, ordnet Tiffany Wilding vom Vermögensverwalter Pimco ein.
Goldman Sachs: Keine Zinssenkung 2026 erwartet
Auch Goldman Sachs Research rechnet nicht mehr mit einer Zinssenkung im Jahr 2026. Die Ökonomen begründen dies mit robusten Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten sowie einer Inflation, die voraussichtlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed bleibt. Sie erwarten die nächsten Zinsschritte nach unten erst im Juni und Dezember 2027, sodass der Leitzins dann bei 3,00 bis 3,25 Prozent liegen wird.
Fed in der Zwickmühle: Inflation vs. Konjunktur
Die Fed befindet sich in einem Zielkonflikt: Sie will die Konjunktur nicht unnötig bremsen, darf aber den Kampf gegen die Inflation nicht vorzeitig aufgeben. Die neuen Projektionen zeigen, dass die Fed ihre Inflationsprognosen anhob und die Wachstumserwartungen leicht zurücknahm. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz, sieht die US-Wirtschaft in einer Phase „inflationären Wachstums“. Die Konjunktur bleibe robust, der Arbeitsmarkt stabil, aber die Inflation liege weiter über dem Zielwert.
Neuer Führungsstil unter Kevin Warsh: Weniger Forward Guidance
Fed-Chef Kevin Warsh verfolgt einen neuen Kommunikationsstil. Die Fed will künftige Zinsschritte weniger stark vorab kommunizieren. Die „Forward Guidance“ verliere an Gewicht, stattdessen rücken aktuelle Daten stärker in den Mittelpunkt. Tiffany Wilding erwartet daher „weniger verlässliche Orientierung mit einer höheren Volatilität am kurzen Ende der Zinskurve“. Auch Chefökonom Michael Heise von HQ Trust rechnet mit Folgen für die Kapitalmarktanalyse: „Die Meinungen über die Richtung der Geldpolitik werden weiter auseinandergehen.“ Er sieht darin aber auch eine größere Flexibilität.
Auswirkungen auf Aktien und Dollar bei Zinssenkungen
Zinssenkungen können Aktien grundsätzlich stützen, da sie Finanzierungskosten senken und Anleihen weniger attraktiv machen. Besonders Wachstums- und Technologiewerte reagieren sensibel. Entscheidend ist jedoch der Grund für die Zinssenkung: Bei kontrollierter Inflation und stabiler Wirtschaft ist dies positiv, bei drohender Rezession können Aktien trotzdem unter Druck geraten. Kapitalmarktstratege Pascal Kielkopf von HQ Trust vermutet kurzfristig mehr Schwankungen, da die Fed weniger kommuniziere. Beim Dollar gilt: Niedrigere Zinsen können den Dollar schwächen, aber in Krisenzeiten kann er trotzdem stabil bleiben.
Nächster Zinsentscheid am 29. Juli 2026
Der nächste Fed-Zinsentscheid steht am 29. Juli 2026 an. Dann entscheidet das Federal Open Market Committee (FOMC) erneut über den Zielkorridor. Allerdings wird bei dieser Sitzung kein neuer Dot Plot veröffentlicht; die nächsten Projektionen folgen erst im September.
Hinweis: Aktien, Immobilien und andere Investments sind mit Risiken verbunden, ein Totalverlust ist möglich. Dieser Artikel stellt keine Kauf- oder Verkaufsaufforderung dar und ersetzt keine fachliche Beratung.



