Boris Palmer wird Berater für Bürokratieabbau in Baden-Württemberg
Boris Palmer wird Berater für Bürokratieabbau

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer wird die grün-schwarze Landesregierung von Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) künftig als unabhängiger Berater für Bürokratieabbau unterstützen. Der parteilose Politiker soll die Funktion eines Rats für Staatsmodernisierung übernehmen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Regierungskreisen erfuhr. Zuvor hatte der SWR über die Personalie berichtet.

Palmer bleibt Oberbürgermeister – Beratertätigkeit kommt hinzu

Anders als ein Ministeramt, das Palmer nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg im Frühjahr 2026 abgelehnt hatte, wird er die Beratertätigkeit parallel zu seiner Arbeit als Rathauschef von Tübingen ausüben. „Ich möchte Oberbürgermeister bleiben“, hatte Palmer damals betont und damit Spekulationen über einen Wechsel nach Stuttgart eine Absage erteilt. Nun kommt die zusätzliche Aufgabe hinzu, die laut SWR ohne hauptamtliche Verpflichtung auskommen soll.

Özdemir hatte im Wahlkampf wiederholt die Nähe zu Palmer gesucht. Bei gemeinsamen Auftritten lobte der Ministerpräsident den Kommunalpolitiker als einen der „erfolgreichsten Oberbürgermeister in ganz Deutschland“. Palmer sei durchsetzungsstark und führe sein Rathaus „hocheffektiv und unbürokratisch“. Für Özdemir ist Palmer ein „sehr, sehr wichtiger Ratgeber“. Die persönliche Verbindung der beiden reicht weit zurück: Özdemir bezeichnete Palmer jüngst anlässlich seiner Hochzeit als Freund der Familie. Palmer, der als Standesbeamter tätig ist, führte wenige Wochen vor der Landtagswahl die Trauung von Özdemir und dessen Ehefrau, der Juristin Flavia Zaka, durch.

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Kritik an Palmers Berufung – Grüne Jugend äußert Bedenken

Die Ankündigung stößt nicht überall auf Zustimmung. Bereits kurz nach Özdemirs Wahlsieg hatte die Grüne Jugend gefordert, Palmer dürfe keine Funktion in einer neuen Landesregierung erhalten. Palmers Haltungen seien mit den „Grundwerten unserer Partei unvereinbar“, hieß es aus der Nachwuchsorganisation. Palmer war im Jahr 2023 nach wiederholten rassistischen Entgleisungen und zahlreichen Vorwürfen aus der Grünen Partei ausgetreten. Zuvor war er zeitweise als möglicher Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gehandelt worden.

Palmer selbst begann seine politische Karriere als Landtagsabgeordneter und ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen. In seiner neuen Rolle als Berater für Bürokratieabbau soll er nun Impulse für eine schlankere Verwaltung und schnellere Verfahren geben – ein Thema, das in der grün-schwarzen Koalition hohe Priorität genießt.

Zusätzliche Aufgaben für Palmer – Auswirkungen auf Kommunalpolitik

Die Beratertätigkeit wird voraussichtlich keine vollen Arbeitszeitkapazitäten binden, sondern projektbezogen erfolgen. Palmer selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den konkreten Inhalten seiner neuen Aufgabe. In Tübingen ist er für seine pragmatische und oft unkonventionelle Verwaltungsführung bekannt, die ihm über die Stadtgrenzen hinaus Anerkennung einbrachte. Ob die Doppelbelastung Auswirkungen auf seine Arbeit als Oberbürgermeister haben wird, bleibt abzuwarten.

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