Stefan Evers: Berlins neuer CDU-Spitzenkandidat und Wegner-Nachfolger
Stefan Evers: Berlins neuer CDU-Spitzenkandidat

Stefan Evers, Berlins Finanz- und Kultursenator, soll die Berliner CDU als Spitzenkandidat in die entscheidende Phase des Wahlkampfs führen. Das haben die Kreischefs der Partei am Freitagnachmittag vor einer Sitzung der CDU-Politiker beschlossen. Der 46-Jährige gilt als enger Vertrauter des zurückgetretenen Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner.

Wer ist Stefan Evers?

Evers ist in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen und studierte Rechtswissenschaften. Nach Berlin kam er Ende der 1990er-Jahre. 2011 wurde er erstmals ins Abgeordnetenhaus gewählt, von 2018 bis 2023 war er parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, von Dezember 2016 bis Herbst 2023 Generalsekretär der Landespartei. Seit 2023 ist er Finanzsenator und seit wenigen Monaten auch Kultursenator.

Vorteile von Evers als Spitzenkandidat

Evers benötigt keine Einarbeitungszeit. Als Finanzsenator arbeitet er in einem Querschnitts-Ressort, stellt den Landeshaushalt auf, überwacht die Finanzen und ist bei wichtigen Investitionen und Vertragsverhandlungen dabei. Beobachter sprechen davon, er verhalte sich schon jetzt mehr wie ein Regierungschef als wie ein Fachsenator. Erst in dieser Woche hat Evers zusammen mit dem Chef der Investitionsbank Berlin die Machbarkeitsstudie zum Tempelhofer Feld präzisiert. Demnach wird der Bau von 21.400 Wohnungen als finanziell möglich eingeschätzt.

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In seiner Rolle als Kultursenator hat sich Evers zuletzt davon überzeugen lassen, dass der Umzug einer Zentral- und Landesbibliothek an den Alexanderplatz eine große Chance für das Land sein könnte. Das Vorhaben will er nun mit einer Absichtserklärung verfestigen.

Wahlkampferfahrung und politische Kompatibilität

Evers kann Wahlkampf. Als Generalsekretär organisierte und plante er die Strategie der CDU vor der Wiederholungswahl im Februar 2023. Insbesondere stellte er die Silvesterkrawalle immer wieder in den Vordergrund. Auf der Plattform X äußerte er sich scharf: „Senat feuern. Feuerwehr feiern.“ Als kurz nach Silvester eine Aktuelle Stunde zum Thema verhindert wurde, sprach Evers von „Realitätsverweigerung“.

Nach der Wiederholungswahl war er an den Verhandlungen um einen neuen Senat beteiligt, die CDU stand mit SPD und Grünen als potenziellen Koalitionspartnern da. Evers gilt als liberal, ist offen schwul und wird als kompatibel mit Grünen und SPD angesehen. In den vergangenen Jahren wurde er von der SPD-Fraktion bei Klausuren eingeladen, um Vorträge zum Haushalt zu halten. Auch innerhalb der Partei schätzt man den Umgang mit Evers. Während Wegner mit seinem Handeln am ersten Tag des Stromausfalls zu kämpfen hatte, gilt Evers als integer und unbescholten.

Nachteile und Herausforderungen

Allerdings gilt Evers als enger Vertrauter von Kai Wegner. In dieser Position hielt er bis zuletzt zum Regierenden Bürgermeister. Als die Debatte um den Stromausfall aufkam, verteidigte Evers Wegner mehr, als dass er nach Konsequenzen rief. In den vergangenen Tagen spielte er sich nicht als Nachfolger auf, sondern wurde mehr dazu gedrängt, einzuspringen – in Verantwortung für die Partei.

Die Frage bleibt: Kann Evers die verbliebenen elf Wochen nutzen, um die Debatte über Wegner zu beenden und Themen in den Vordergrund zu stellen? Er geht nicht mit dem Amtsbonus eines Regierenden Bürgermeisters in den Wahlkampf gegen die politischen Konkurrenten.

Reaktion auf Wegners Rückzug

Nach dem Rückzug von Kai Wegner äußerte sich Evers via X: „Verantwortung für Berlin. Darum geht es in den Ämtern, in die wir gewählt sind.“ Wegner habe Verantwortung übernommen und eine „schwere persönliche Entscheidung“ getroffen, das verdiene Respekt. Evers schrieb aber auch, dass man nun wieder darüber sprechen könne, worum es „wirklich“ am 20. September gehe: „Diese Stadt steht am Wendepunkt. Die Wahl im September wird eine Schicksalswahl.“

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