Berliner „Bäckerhaus“ erwacht aus Dornröschenschlaf: Sanierung läuft
Berliner Bäckerhaus erwacht aus Dornröschenschlaf

Ein Jahrhundert Geschichte, zehn Jahre Leerstand

In Berlin-Friedrichsfelde an der Alfred-Kowalke-Straße 42 steht ein Gebäude, das Generationen von Berlinern geprägt hat: das sogenannte „Bäckerhaus“. Über ein Jahrhundert lang war der Gründerzeitbau ein Zuhause für viele Familien und beherbergte eine traditionsreiche Bäckerei. Doch dann stand das denkmalgeschützte Eckhaus plötzlich leer – ein Jahrzehnt lang. Inmitten der angespannten Wohnungssituation in Berlin verfiel das stolze Stadthaus zu einer verwahrlosten Ruine. Doch nun gibt es Hoffnung: Die Wohnungsbaugenossenschaft Vorwärts eG hat das Gebäude gekauft und will es behutsam sanieren. Ab dem zweiten Halbjahr 2026 sollen wieder Mieter einziehen können.

Die Geschichte des Bäckerhauses

Das viergeschossige Wohnhaus wurde in den 1890er-Jahren für den Friedrichsfelder Bauerngutsbesitzer Carl Sange errichtet. Es liegt an der Ecke Alfred-Kowalke-Straße (damals Wilhelmstraße) und Einbecker Straße (damals Prinzenstraße). Von Anfang an befand sich im Erdgeschoss eine Bäckerei, die dem Haus seinen Spitznamen gab. Die Fassade im wilhelminischen Historismus ist reich verziert: Mit bossiertem Mauerwerk, korinthischen Halbsäulen, schmiedeeisernen Balkonen und floralen Friesen. Im Inneren erwarteten die Mieter hohe Räume mit Parkett- und Dielenböden. Das Haus überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt und blieb bis in die 2010er-Jahre durchgehend bewohnt und gewerblich genutzt.

Der Niedergang zum Lost Place

Ab 2015 begann der Niedergang: Immer mehr Wohnungen standen leer, die Bausubstanz verschlechterte sich. Graffiti zierten das Sockelgeschoss, die Holzfenster morsch, die Balkonbalustraden rosteten. Der Eigentümer, ein über 80-jähriger Mann, konnte die Sanierung nicht stemmen. Er war oft krank und fand während der Pandemie kaum Handwerker. Die letzte verbliebene Bäckerei schloss zu Pfingsten 2023. Der Bezirk Lichtenberg setzte Zwangsgelder fest und prüfte die Einsetzung eines Treuhänders. 2023 kam Bewegung: Ein Verwalter wurde eingesetzt, das Haus zum Verkauf angeboten. Ein Brand im selben Jahr verzögerte die Pläne, doch nach Klärung mit der Versicherung ging es weiter.

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Neue Perspektive: Sanierung und Wiederbelebung

Mitte 2024 erwarb die Wohnungsbaugenossenschaft Vorwärts eG das Gebäude. Vorstand Tom Wünsche erklärte: „Wir haben das Gebäude gründlich begutachtet, die Planungen mit Denkmalpflege und Bauaufsicht angestoßen und erste Sicherungsmaßnahmen umgesetzt.“ Der Zustand sei technisch schlecht, aber das mache die Aufgabe spannend. Im Juli 2025 wurde ein Bauantrag gestellt, der eine Nutzungsänderung des Sockelgeschosses zu Wohnzwecken, einen Dachgeschossausbau, Balkonanbauten und eine Komplettsanierung vorsieht. Die Genossenschaft rechnet damit, dass ihre Mitglieder ab dem zweiten Halbjahr 2026 einziehen können. Damit erwacht das Bäckerhaus aus seinem Dornröschenschlaf und wird wieder zu einem lebendigen Teil der Berliner Stadtgeschichte.

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