Sabine Achour, Bildungsexpertin und Professorin an der Freien Universität Berlin, hat sich in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel deutlich gegen die Forderung des SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach ausgesprochen, die Lehramtsausbildung in Berlin von den Universitäten zu lösen und in einer zentralen Pädagogischen Hochschule (PH) zu bündeln. Ihrer Ansicht nach handelt es sich dabei um reine Symbolpolitik, die die tatsächlichen Probleme im Bildungssystem nicht lösen, sondern lediglich neue Schwierigkeiten schaffen würde.
Krachs Vorschlag im Wahlkampf
Steffen Krach, der für die SPD bei der kommenden Abgeordnetenhauswahl antritt, hatte vorgeschlagen, die Lehrerausbildung künftig nicht mehr an den Universitäten, sondern an einer eigenständigen Pädagogischen Hochschule durchzuführen. Dies solle die Qualität der Ausbildung verbessern und den Lehrermangel bekämpfen. Die Idee stieß jedoch auf breite Kritik aus Wissenschaft und Bildungspraxis.
Achours Kritik: Rückschritt statt Fortschritt
Sabine Achour argumentiert, dass eine solche Zentralisierung einen großen Rückschritt bedeuten würde. „Die Lehrerbildung ist heute fest in den Universitäten verankert und profitiert von der engen Verzahnung mit den Fachwissenschaften und der Forschung“, schreibt sie. Eine Herauslösung würde diese Synergien zerstören und die Ausbildung von Lehrkräften isolieren. Zudem sei die PH-Idee nicht neu: In den 1980er-Jahren wurden die Pädagogischen Hochschulen in Westdeutschland gerade deshalb in die Universitäten integriert, um die wissenschaftliche Fundierung der Lehrerbildung zu stärken.
Echte Probleme bleiben ungelöst
Statt über Strukturreformen zu diskutieren, müsse man sich den akuten Herausforderungen widmen: dem Lehrermangel, der Überlastung der Lehrkräfte und der unzureichenden Ausstattung der Schulen. „Die Einrichtung einer PH würde Jahre dauern und keine einzige zusätzliche Lehrkraft hervorbringen“, so Achour. Sie fordert stattdessen mehr Investitionen in die bestehenden Strukturen, eine bessere Bezahlung von Lehrkräften und eine Entlastung des Schulalltags.
Fazit: Symbolpolitik mit Nebenwirkungen
Für Achour ist Krachs Vorschlag ein Wahlkampfmanöver, das von den eigentlichen Problemen ablenkt. „Berlin braucht keine neue Hochschule, sondern eine konsequente Bildungspolitik, die die Lehrerbildung stärkt und die Arbeitsbedingungen verbessert“, schlussfolgert sie. Die Debatte um die PH sei daher eher ein Rückschritt als ein zukunftsweisender Schritt.



