Schluss mit dem Gratis-Strom für Beamte in Bayern: Der Freistaat hat die Sonderregelung gestrichen, die es Beschäftigten im öffentlichen Dienst seit 2017 erlaubte, ihre privaten Elektroautos kostenlos an Dienststellen-Ladesäulen aufzuladen. Grund sind die explodierenden Kosten: Allein im Geschäftsbereich des Innenministeriums und seiner nachgeordneten Behörden, darunter die Polizei, entstanden 2025 Stromkosten von rund einer Million Euro, die der Steuerzahler trug.
Ausnahme vom Schenkungsverbot aufgehoben
Eigentlich verbietet das sogenannte Schenkungsverbot dem Staat, Beamten private Vorteile zu gewähren. Bayern hatte 2017 eigens eine Ausnahme geschaffen, um das kostenlose Laden zu ermöglichen. Mit dem neuen Haushaltsgesetz wurde diese Regelung nun gestrichen. Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte: „Die Ausnahme vom Schenkungsverbot ist aufgehoben. Privates Laden an Dienststellen ist künftig nicht mehr kostenlos möglich.“
Das Ende des Privilegs bringt jedoch ein praktisches Problem: Viele Ladesäulen verfügen über keine Bezahlfunktion. Beamte dürfen ihre privaten E-Autos dort vorerst überhaupt nicht mehr laden. Die Landesregierung plant, die Säulen nachzurüsten, sodass künftig eine Bezahlung möglich wird. Bis dahin bleibt das Laden untersagt.
Andere Bundesländer sind strenger
Im Vergleich zu anderen Ländern war Bayerns Regelung großzügig. In Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit den meisten Beamten, ist privates Laden an Behörden-Ladesäulen grundsätzlich verboten. Ein Sprecher der Landesregierung erklärte auf BILD-Anfrage: „Ladesäulen von Behörden oder anderen Dienststellen stehen ausdrücklich nur für den dienstlichen Gebrauch zur Verfügung.“
In Baden-Württemberg dürfen Beschäftigte ihre privaten E-Autos zwar laden, aber nur gegen Bezahlung. Die Abrechnung erfolgt über eine landeseigene Parkraumgesellschaft, das Ministerium ist daran nicht beteiligt, wie ein Sprecher mitteilte. Bayern war eines der wenigen Länder, das den Strom kostenlos zur Verfügung stellte – und damit hohe Kosten verursachte.
Kostenexplosion als Auslöser
Die Streichung der Regelung erfolgte aufgrund der stark gestiegenen Strompreise. Die eine Million Euro allein im Innenministerium machten deutlich, dass das Modell nicht mehr tragbar war. Kritiker hatten schon länger bemängelt, dass die Regelung eine ungerechtfertigte Bevorzugung von Beamten darstelle. Die neue Regelung soll nun für Gleichbehandlung sorgen: Beamte müssen künftig für den Strom zahlen, genau wie jeder andere Bürger auch.



