Ukrainische Drohnen haben am Montag die größte Ölraffinerie Russlands im sibirischen Omsk getroffen – mehr als 2500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Die Anlage verarbeitet jährlich rund 22 Millionen Tonnen Öl, was etwa 440.000 Barrel pro Tag entspricht. Der ukrainische Generalstab bestätigte Teilschäden; Augenzeugenvideos zeigen Feuer in der Anlage.
Drohnen durchbrechen russische Luftverteidigung
Der Angriff zeigt, dass ukrainische Drohnen inzwischen selbst entlegene Regionen Russlands erreichen können. Gleichzeitig entlarvt er die lückenhafte Luftverteidigung: Die Raffinerie in Omsk war lediglich teilweise durch Drohnennetze geschützt. Auf Videos ist zu sehen, wie Verteidiger erst im letzten Moment versuchen, die Drohnen mit Handfeuerwaffen abzuschießen.
In der einflussreichen russischen Kriegsblogger-Szene sorgt der Vorfall für massive Kritik. Der Vorwurf lautet, die Militärführung habe es versäumt, die Anlage angemessen zu schützen – obwohl die Ukraine zuvor bereits Öldepots und Raffinerien in Moskau, Sankt Petersburg und auf der Krim angegriffen hatte.
Treibstoffknappheit und Schlägereien an Tankstellen
Die Folgen der Angriffe sind im ganzen Land spürbar: Treibstoff wird knapp. Mancherorts stehen Russen tagelang Schlange für Benzin. In sozialen Medien kursieren Videos von Schlägereien vor Tankstellen. Ein Video vom 29. Juni 2026 zeigt, wie sich Russen um Benzin prügeln.
Der Z-Blogger „Älter als Edda“ (491.000 Follower auf Telegram) schrieb, es sei den „Scheißdrohnen“ wieder gelungen, „stundenlang quer durchs ganze Land zu fliegen und am Ende irgendwo einzuschlagen“. Publizist Sergej Koljasnikow (447.000 Follower) kritisierte, dass noch keine Köpfe gerollt seien: „In der Sowjetunion hätte eine derartige Flugroute das Geräusch von zu Boden fallenden vergoldeten Schulterklappen und den Verlust hoher Dienstposten nach sich gezogen.“
Putin verliert Unterstützung unter Kriegsbloggern
Der Blogger und Nationalist Jegor Kolmogorow (51) schrieb auf Telegram, Russland führe Krieg gegen die eigene Inkompetenz: „Das ist ein furchtbarer Gegner – und er ist uns derzeit deutlich überlegen.“ Selbst Kremlchef Wladimir Putin wird ungewöhnlich scharf kritisiert. Der Z-Blogger „KZP“ schrieb, „dank des ,raffinierten Plans‘ und der Genialität von W.W.P. leben wir nun in einer Realität, in der auch Sibirien mit Drohnen bombardiert wird“. Ironisch fügte er hinzu, so werde Putin „sicherlich seine Zustimmung in der Bevölkerung“ steigern – eine Anspielung auf die sinkende Popularität des Kremlchefs.
Für Putin waren die Kriegsblogger stets ein Ärgernis, aber auch nützlich: Sie verbreiteten Propaganda und fingen Kritik an der Militärführung auf. Doch ihre zunehmende Frustration über den Kriegsverlauf kann für den Kreml zum Problem werden – spätestens dann, wenn sie Putin offen die Gefolgschaft kündigen. Die Mehrheit wagt das bislang jedoch nicht.



