Elisabeth Sobotka (60) ist seit 2024 die erste Intendantin in der fast 300-jährigen Geschichte der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Anlässlich der Live-Übertragung von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ am 8. Juli ab 19 Uhr auf BILD spricht sie über ihren Führungsstil, die Herausforderungen für Frauen in Führungspositionen und ihre Ziele für das Haus.
Warum dauerte es so lange bis zur ersten Chefin?
Auf die Frage, warum es fast drei Jahrhunderte gedauert habe, bis eine Frau die Leitung übernommen hat, antwortet Sobotka: „Sicher nicht, weil ich die erste kompetente Frau bin! In der Kunstwelt darf man nicht vergessen, dass der Geniegedanke sehr stark verankert war – und leider auch noch ist. Und ‚Genie‘, per se ein schwieriger Begriff, war sehr lange Zeit vorzugsweise Männern vorbehalten.“
Der Frauenanteil bei Theater- und Opernintendanzen in Deutschland liegt bei etwa 22 bis 24 Prozent, während die Belegschaft der Häuser zu bis zu 70 Prozent aus Frauen besteht. Sobotka sieht die Ursache in der Doppelbelastung von Beruf und Familie: „Wahrscheinlich ist es hier, wie in vielen anderen Leitungspositionen, die Doppelbelastung Beruf und Familie. Die wirkt sich in einem Theater oder Opernhaus durch die wechselnden und sehr schwer zu planenden und zu koordinierenden Arbeitszeiten verstärkt aus. In der Oper arbeiten wir fast jeden Abend, an Wochenenden und an Feiertagen. Und die Betreuung der Kinder liegt immer noch hauptsächlich in den Händen der Frauen.“
Unterstützung durch die Familie
Ihren eigenen Aufstieg verdankt Sobotka maßgeblich ihrer Mutter: „Die Doppelbelastung Beruf und Familie nur durch meine Mutter. Sie hat als einzige erkannt, dass ich meinen Beruf aufgeben müsste. Da sie aber auch erkannt hat, wie gerne ich meinen Beruf – mit sehr hohem Einsatz – mache und wie wichtig er für mich ist, hat sie ihr Leben in Wien aufgegeben und ist mit meinem Sohn und mir nach Berlin, Graz und Bregenz gezogen.“
Führungsstil: Teamorientiert und nicht autoritär
Im Vergleich zu ihren männlichen Vorgängern betont Sobotka einen teamorientierten Ansatz: „In Berlin habe ich nur mit dem damaligen Intendanten Peter Mussbach zusammengearbeitet. Sein Führungsstil war auch teamorientiert. Da er von der Regie kam und weiter Regie geführt hat, hatte er andere Prioritäten. Insgesamt hat sich der Anspruch an gute Führung in den letzten zwanzig Jahren sehr stark verändert. Autoritäre Führung ist bei Männern und bei Frauen nicht mehr state of the art. Meine Art zu führen war es nie.“
Vision: Tradition lebendig in die Zukunft tragen
Ihre Ziele für die Staatsoper formuliert Sobotka klar: „Ich möchte die Tradition lebendig in die Zukunft tragen. Sowohl die unserer einmaligen Organisation, des ältesten Orchesters und Opernhauses der Stadt, als auch der Kunstform Oper insgesamt. Deutschland hat einen einmaligen Schatz an großartig funktionierenden Theatern und Opernhäusern. Dafür hat die UNESCO sogar den Status des Immateriellen Kulturerbes an Deutschland vergeben. Wir stehen mit unserem exzellenten Haus an der Spitze, kämpfen aber gemeinsam für den Erhalt dieser einmaligen Kulturlandschaft.“
Ein Wunsch für die Bühne
Auf die Frage, welchen Künstler sie gern auf der Bühne sehen würde, wenn Kosten keine Rolle spielten, antwortet Sobotka: „David Bowie. Und das geht leider wirklich nur mehr in meiner Fantasie.“
Die Live-Übertragung von „Die Entführung aus dem Serail“ am 8. Juli ab 19 Uhr auf BILD wird von Comedy-Star Bülent Ceylan (50) in der Sprechrolle des Bassa Selim begleitet.



