Ein früherer GSG9-Beamter hat den Polizeieinsatz nach der Tomaten-Attacke auf Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (59, CSU) scharf kritisiert. Der Sicherheitsexperte Dieter Fox (79), bekannt als „Held von Mogadischu“, warf den eingesetzten Schutzpolizisten schwere Versäumnisse vor. Der Angreifer, ein 31-jähriger Mann aus der links-alternativen Szene, hatte Söder am vergangenen Wochenende auf einem Volksfest am Chiemsee mit Tomaten beworfen. Söder blieb unverletzt, doch Fox zufolge hätte die Situation lebensbedrohlich enden können.
„Erst herbeigeschrien“ – Kritik am Einsatzablauf
Fox sagte der Bild: „Der Angreifer wurde zwar schnell zu Boden gebracht. Anschließend hätte Markus Söder aber sofort in ein Fahrzeug oder zumindest in einen Hauseingang gebracht werden müssen. Das war auf dem Gelände offenbar nicht möglich.“ Der Experte kritisierte zudem das Verhalten der Polizei: „Die Schutzpolizei kam aus meiner Sicht zu spät – und erst, nachdem sie herbeigeschrien wurde. So etwas muss kontrolliert über Funk ablaufen.“ Dazu benutze man „Codeworte oder Tarnziffern“.
Ein Video der Attacke zeigt, wie drei Schutzpolizisten den Angreifer zu Boden bringen, während Söder in unmittelbarer Nähe steht. Fox bemängelte: „Alle Schutzpolizisten konzentrieren sich auf den Tomatenwerfer. Niemand sichert die Umgebung.“ Er warnte eindringlich: „Hätte es sich um Angreifer mit Schusswaffen und Tötungsabsicht gehandelt, hätte die Schutzperson in diesem Moment getötet werden können.“ Auch die Gefahr eines zweiten Angreifers sei nicht bedacht worden. „Terroristen setzen häufig eine zweite Person als sogenannten Abdecker ein“, erläuterte Fox.
Bodyguard und KSK-Soldat äußern sich
Rainer Schanz (65), ehemaliger Personenschützer von Bundeskanzlern wie Gerhard Schröder und Angela Merkel, bestätigte die Sicherheitslücke: „Man kann den Bildern entnehmen, dass der Angreifer kurzfristig zwischen Söder und seinen Personenschützern stand.“ Das sei „kritikwürdig“. Allerdings räumte er ein: „Aber 100 Prozent Sicherheit kann es nie geben, jeder Auftritt in der Öffentlichkeit ist ein Risiko.“
Christopher Wagner, früherer Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK), betonte: Grundsätzlich müsse im Personenschutz jeder Angriff zunächst als „potenziell lebensbedrohlich“ eingestuft werden. Gerade beim Schutz von Spitzenpolitikern gehe es aber immer um einen „Kompromiss zwischen Sicherheit und Bürgernähe“. Der Abstand zwischen Söder und dem Täter sei in diesem Fall zu gering gewesen.
So wäre der Einsatz richtig abgelaufen
Fox beschrieb, wie erfahrene Personenschützer gehandelt hätten: „Sie hätten die Schutzperson in einer solchen Lage auf den Boden gebracht und mit ihren eigenen Körpern abgeschirmt, bis ein Fahrzeug bereitsteht und der Weg dorthin gesichert ist.“ Es sei immer höchst bedrohlich, „wenn Täter so nah an eine Schutzperson herankommen! Es geht nicht um Tomaten, Torte, Glas Bier oder ähnliches – vorrangig geht es darum, dass hier die Distanz vom Täter überschritten wurde!“ Jeder Angriff sei potenziell lebensgefährlich, unabhängig vom Gegenstand.
Der Vorfall ereignete sich am 19. Juli 2026 auf einem Volksfest am Chiemsee. Die Polizei ermittelt gegen den 31-jährigen Tatverdächtigen. Ob Konsequenzen für die eingesetzten Beamten gezogen werden, ist bislang nicht bekannt.



