Bürgerdialog „Kiezliebe“ in Steglitz: Abriss, Müll und Denkmalschutz als Hauptthemen
Kiezliebe in Steglitz: Abriss, Müll und Denkmalschutz

Vermüllte Ecken, Verwahrlosung, Leerstand in der Schloßstraße, Milieu- und Denkmalschutz sowie der Fahrradweg auf der B1 am Botanischen Garten – das waren nur einige Themen, die die Besucher kürzlich zum Bürgerdialog „Kiezliebe“ in die Schwartzsche Villa in Steglitz mitbrachten. Veranstalter dieses Formats, das auch in anderen Bezirken stattfindet, ist die Konrad-Adenauer-Stiftung. Ziel ist ein direkter Austausch zwischen Anwohnern und Politikern.

Direkter Austausch mit der Politik

Zwei lange Tische waren im Gartenlokal des Kulturhauses besetzt. Alle Gäste hatten ein konkretes Anliegen mitgebracht. Sorgen, aber auch Anregungen und sogar Lob für die Verwaltung. Gesprächspartner aus der Politik war der stellvertretende Bürgermeister Tim Richter (CDU), der so manchen Wunsch mit ins Rathaus nehmen wollte. Die Probleme von Steglitz-Zehlendorf erschienen wie unter einem Brennglas. Deutlich wurde: Auch im gutbürgerlichen Südwesten hat sich das Leben nicht unbedingt verbessert.

Einst startete die Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Dorfliebe“ in Brandenburg, Thüringen und Sachsen. „Doch dann haben wir uns gefragt, ob das Format auch in der Stadt funktioniert“, berichtet Claudia Lange, Referentin Politisches Bildungsforum Berlin bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Tatsächlich ist Berlin bislang die einzige Stadt, in der diese Gesprächsrunden laufen. Die Idee sei, so Claudia Lange, in überschaubaren Runden gemeinsam ins Gespräch zu kommen.

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Abriss der historischen Villa in Wannsee

Zur Sprache kamen vor allem aktuelle Fälle wie der geplante Abriss der 150 Jahre alten Villa in der Kolonie Alsen in Wannsee. Khalil Dindarian, Mitglied im Verein für Kultur und Geschichte in Wannsee, regte eine neue Bewertung von Erhaltungsgebieten und Denkmalschutz an. „Warum erhält man dieses Haus nicht und nutzt es als Museum?“, schlägt Dindarian vor. Die im Stil eines Schweizerhauses errichtete Sommervilla an der Straße zum Löwen 1 und die Kolonie Alsen hätten eine reiche Geschichte, die dort erzählt werden könnte. Die Villa steht nicht unter Denkmalschutz, weil sie einige Male umgebaut wurde. Sie soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Hohe Hürden für Eigentümer

Auf der anderen Seite würden Eigentümer an den hohen Hürden von Vorschriften in Erhaltungsgebieten pleitegehen, sagt Dindarian. So müssten in der Moltkestraße in Lichterfelde alte Häuser erhalten bleiben, um den Stil des Viertels nicht zu verändern. „Dort darf nicht neu gebaut werden“, ärgert sich der Besucher. Er regte an, die Vorgaben und Regeln neu zu bewerten und zu verhandeln und das starre Korsett des Denkmalschutzes zu lockern.

Das sieht auch Tim Richter so. Im Moment gebe es nur eine Bestandsverwaltung, so der Stadtrat. Er schlug ebenfalls vor, den Denkmalschutz „weicher zu spülen“, und nennt als Beispiel dafür den Bierpinsel, der seit vielen Jahren leer steht. Man könne sich viele Nutzungen in dem ehemaligen Gastronomieturm an der Steglitzer Schloßstraße vorstellen, so der Sozialstadtrat. „Aber der Turm steht unter Denkmalschutz und das Baurecht gibt es nicht her.“ Um generell schneller und mehr bauen zu können, müsste man einen Ausgleich finden zwischen Gewerbe, Wohnen, Natur-, Milieu- und Denkmalschutz. „Aber da stehen wir erst am Anfang der Debatte“, sagt Richter.

Radweg auf der B1 sorgt für Diskussionen

Großes Thema war auch der Radweg auf der B1, der auf der Straße Unter den Eichen in Höhe Botanischer Garten wieder zugunsten von zwei Fahrspuren für Autos abgeschafft werden soll. Ohnehin muss die Straße saniert werden, sodass im Moment noch nicht klar ist, ob das zusammen mit den Bauarbeiten passieren soll. Einen Zeitplan für den Rückbau der Radspur gibt es noch nicht.

Ein junger Mann befand es für gut, dass der „Radweg endlich wegkommt“. Doch Sorge machte ihm trotzdem, wie es für die Fahrradfahrer an der Stelle weitergeht. Tatsächlich gehe es vor allem um die Wiederherstellung des Verkehrsflusses auf der Bundesstraße, erklärte Tim Richter. Es sei eine Tangentialverbindung, die ein schnelles Durchkommen gewährleisten müsse. Die Radspur hat durch den Wegfall einer Fahrspur für Autos zu einem enormen Rückstau geführt, vor allem in den Stoßzeiten.

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Wenige Fußgänger und Radfahrer auf dem Abschnitt

Dabei ist auf dem 600 Meter langen Abschnitt eher „eine überschaubare Menge an Radfahrern und Fußgängern unterwegs“, sagt der Stadtrat. Daher sein Vorschlag: Straße und Gehweg sanieren. Und im Anschluss sollten Radfahrer und Fußgänger den Bürgersteig gemeinsam nutzen. Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung sollte dabei zur Anwendung kommen: Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme.

Müll und Verwahrlosung als Dauerproblem

Müll und Verwahrlosung in Steglitz-Zehlendorf kamen gleich mehrfach zur Sprache. Es wurden Fotos gezeigt von alten Kühlschränken am Schlachtensee, Matratzen in Wannsee. Ein Problemkiez ist die Düppelstraße, wo nicht nur Bauschutt abgeladen wird, sondern auch Obdachlose unter der Autobahnbrücke campieren. Auch Höhe Kreisel ist ein dauerhaftes Obdachlosenlager entstanden. Mehr Kontrollen vom Ordnungsamt, mehr Einsätze der BSR, mehr Hilfsangebote für wohnungslose Menschen – so könnten die Lösungen aussehen.

Zukunft der Schloßstraße und des Kreisels

Und wie steht es um die Schloßstraße? „Ja, auch hier gibt es Leerstand in den Einkaufscentern“, berichtet Richter. Aber alle Centermanager seien auf der Suche nach neuen Angeboten, wie Entertainment, Kultur oder Veranstaltungen für die Nachbarschaft. „Wir müssen die Gewerbetreibenden unterstützen und es ihnen nicht noch schwerer machen“, sagt Richter. Als Beispiel nannte er „Curry Wolf“ unter der Tiburtiusbrücke, der aufgab, weil er an zu vielen Vorschriften scheiterte. Seine Idee: Mit dem mobilen Bürgeramt testweise in die Einkaufscenter kommen. In der Debatte fehlte eigentlich nur der Steglitzer Kreisel. Für das leere Hochhaus hat sich niemand interessiert.