In Nordrhein-Westfalen haben die vier Meldestellen für verschiedene Formen von Rassismus und Queerfeindlichkeit im Jahr 2025 insgesamt 571 Vorfälle dokumentiert. Dies geht aus dem ersten gemeinsamen Jahresbericht hervor, den die Meldestellen am Montag in Düsseldorf vorlegten. Die gemeldeten Diskriminierungserfahrungen ereigneten sich im öffentlichen und digitalen Raum, am Arbeitsplatz, in Schulen oder bei Ämtern und Behörden.
Vier Meldestellen für unterschiedliche Diskriminierungsformen
Die Meldestellen erfassen antimuslimische Vorfälle, Antiziganismus, weitere Formen von Rassismus sowie Vorfälle im Zusammenhang mit sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität – jeweils unterhalb der Strafbarkeitsgrenze. Ziel ist es, eine niedrigschwellige Meldeplattform zu bieten und Diskriminierung sichtbarer zu machen. Das Gleichstellungsministerium teilte mit, dass Frauen bei allen vier Stellen die größte Gruppe der Betroffenen stellten. Der häufigste zusätzliche Diskriminierungsbereich sei Sexismus und Frauenfeindlichkeit.
Belästigungen und Rechtsverweigerung dominieren
Die meisten gemeldeten Vorfälle wurden als Belästigungen kategorisiert, darunter Beleidigungen, Erniedrigungen und Anfeindungen. In einem erheblichen Teil der Fälle wurde den Betroffenen der Zugang zu gleichen Rechten verwehrt, etwa bei Wohnraum, Arbeit oder Gesundheitsleistungen. Ein Großteil der Meldenden berichtete über psychische Folgen wie Angst, Hilflosigkeit und den Rückzug aus dem öffentlichen Leben.
870 Meldungen eingegangen, knapp 700 als Vorfälle klassifiziert
Insgesamt gingen bei den Stellen 870 Meldungen ein, von denen knapp 700 als Vorfälle eingestuft wurden. Ein Teil dieser Vorfälle betraf jedoch die Vorjahre und wurde daher im Jahresbericht nicht berücksichtigt. Seit März 2025 können sich Betroffene und Beobachter anonym an die Meldestellen wenden. Vorbild ist die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus NRW (RIAS NRW), die seit 2022 antisemitische Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze dokumentiert.



