Venedig (Italien) – Der Tod von Komponist Richard Wagner am 13. Februar 1883 im Alter von 69 Jahren im Palazzo Vendramin-Calergi in Venedig erschütterte die Musikwelt. Doch die Stunden nach seinem Tod geben bis heute Rätsel auf. Historiker berichten nun von einer makabren Totenwache, die seine Witwe Cosima Wagner abgehalten haben soll.
Ungewöhnliche Szenen nach Wagners Tod
Laut Totenschein starb Wagner an einem Herzanfall infolge psychischer Aufregung. Doch schon unmittelbar nach seinem Tod soll es zu ungewöhnlichen Szenen gekommen sein. Der Musikwissenschaftler Prof. Laurence Dreyfus (73) sagt in der 3sat-Dokumentation „Wagnerwahn“: „Der Arzt, der gerufen wurde, erwähnt ausdrücklich, dass der Tote einen Hausmantel aus pinkfarbener Seide trug, als die Familienangehörigen um den Leichnam versammelt waren.“ Dass Wagner eine Vorliebe für kostbare Stoffe und auffällige Farben hatte, ist durch zahlreiche Quellen belegt. Ob die Kleidung auf seinem Totenbett bewusst gewählt wurde oder seinem üblichen häuslichen Erscheinungsbild entsprach, ist nicht bekannt.
Cosima Wagners verstörende Totenwache
Noch größere Aufmerksamkeit erregen Berichte über das Verhalten seiner Ehefrau Cosima Wagner (†92). Historiker und Wagner-Biograf Oliver Hilmes (55, „Herrin des Hügels“) schildert in der Dokumentation den überlieferten Ablauf: „Man legt den toten Wagner also ins Bett und Cosima verlangt von ihren anwesenden Töchtern, sie mögen sie ausziehen.“ Hilmes beschreibt anschließend, Cosima habe sich bis auf ihre Unterkleidung entkleidet und sich zu ihrem verstorbenen Mann ins Bett gelegt. Wörtlich sagt er: „Sie legt sich auf den toten Wagner. So verbringt sie 24 Stunden neben ihrem toten Mann liegend, ihn fest und klammernd, mit ihm schlafend, mit ihm die Nacht verbringend.“
Historische Überlieferung und Zweifel
Ob sich die Ereignisse tatsächlich genau so abgespielt haben, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei überprüfen. Die Schilderungen stützen sich auf historische Überlieferungen und spätere Auswertungen von Zeitzeugenberichten. Überliefert ist außerdem, dass Cosima Wagner sich aus Trauer ihre langen Haare abgeschnitten haben soll. Auch soll sie sich während der Einbalsamierung des Leichnams geweigert haben, die Seite ihres verstorbenen Mannes zu verlassen.
Einbalsamierung und Überführung nach Bayreuth
Wagners Leiche wurde später nach Bayreuth überführt und dort im Garten von Haus Wahnfried beigesetzt. Die Stunden nach seinem Tod gehören zu den außergewöhnlichsten Episoden seiner Biografie. Welche Details sich tatsächlich genau so ereigneten und welche im Laufe der Jahrzehnte ausgeschmückt wurden, ist bis heute Gegenstand historischer Forschung.



