Die ehemalige DDR-Kaufhalle am Rosenfelder Ring 13 in Berlin-Friedrichsfelde, die jahrelang als Lost Place vor sich hinrottete, ist Geschichte. Auf dem 2.700 Quadratmeter großen Grundstück entstand ab 2016 ein 33 Meter hohes Wohngebäude mit 113 Wohnungen, von denen ein Drittel öffentlich gefördert ist. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge übernahm den Neubau schlüsselfertig. Heute erinnert vor Ort nichts mehr an die einstige Kaufhalle, die den Kiez jahrzehntelang prägte.
Geschichte der Kaufhalle: Von der sozialistischen Vorzeigefiliale zum Schandfleck
Die HO-Kaufhalle am Rosenfelder Ring wurde am 17. Februar 1966 eröffnet und galt als eine der modernsten ihrer Art in der DDR. Sie war Teil des komplexen Wohnungsbaus der 1960er-Jahre, bei dem rund um den neu angelegten Stadtplatz am westlichen Rosenfelder Ring bis 1966 rund 3.000 Wohneinheiten, Schulen, Kindergärten, eine Poliklinik und kommunale Gebäude entstanden. Die Kaufhalle versorgte die Bewohner mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs – von Backwaren über Fleisch bis zu Glühlampen.
Nach der Wiedervereinigung fiel die HO-Filiale in den Zuständigkeitsbereich der Treuhandanstalt und wurde von einer westdeutschen Lebensmittelkette nachgenutzt. Doch Anfang der 2000er-Jahre zog sich der Betreiber zurück, und die Halle stand leer. In den folgenden Jahren verfiel sie zusehends: Graffiti, Rost und Vandalismus hinterließen ihre Spuren. Anwohner empfanden die verwaiste Immobilie als Schandfleck.
Vom Lost Place zum Neubauprojekt
In den 2010er-Jahren fand sich ein Investor. Das Grundstück wurde an einen privaten Entwickler verkauft, der es im März 2015 an die Berliner Treucon-Gruppe weiterveräußerte. Gemeinsam mit dem Bauunternehmen Kondor Wessels Bouw und einer Projektentwicklungsgesellschaft entstanden Pläne für einen elfgeschossigen Wohnbau nach Entwürfen des Architekturbüros Faskel. Die Howoge sicherte sich den Neubau bereits vor Baubeginn.
Im Herbst 2016 rückten schwere Maschinen an, um die verlassene DDR-Kaufhalle abzureißen. Auch die kunstvollen Keramikfliesen an der Südfassade, die eine stilisierte Sonne zeigten, wurden zertrümmert. Nach 18 Monaten Bauzeit war das Gebäude im September 2017 fertig – zwei Monate früher als geplant. Entstanden sind 113 Wohnungen mit einer Gesamtmietfläche von rund 6.400 Quadratmetern.
Ein Stück Berliner Alltagsgeschichte verschwunden
Die Kaufhalle am Rosenfelder Ring war mehr als nur ein Einkaufsort. Sie war ein sozialer Treffpunkt und Symbol für die Versorgung in der DDR. Anwohner Hannelore und Winfried Boremski erinnerten sich 2016 in der Mitgliederzeitung der Wohnungsbaugenossenschaft Vorwärts an die Anfangszeit: „Endlich gab es ein Bad, eine Heizung, einen Fahrstuhl, helle Räume. Auch der Balkon fehlte nicht.“ Zwar sei anfangs alles voller Sand und Matsch gewesen – sie nannten es „Schlammhausen“ –, doch nach und nach seien Wege, Straßen, Bäume und eben die Kaufhalle Nord hinzugekommen.
Die DDR-Zeitung „Neue Zeit“ lobte am 3. März 1966 die Ausstattung der Filiale: eine Mikrofonanlage, um auf neue Ware hinzuweisen, Eierdurchleuchtgeräte, verschließbare Kühltruhen und einen separaten Raum für die Flaschenrückgabe. Verkaufsstellenleiter Werner und sein Team von 22 Verkaufskräften sorgten demnach stets für ein volles Obst- und Gemüsesortiment, indem sie eigenständig Netze packten.
Fazit: Vom Lost Place zum modernen Wohnquartier
Der Abriss der DDR-Kaufhalle am Rosenfelder Ring markiert das Ende einer Ära. An ihre Stelle trat ein zeitgemäßes Wohnprojekt, das bezahlbaren Wohnraum schafft. Während die alte Halle als Lost Place jahrelang dem Verfall preisgegeben war, ist das Gelände heute vollständig neu genutzt. Wer die Spuren der Vergangenheit sucht, findet vor Ort nichts mehr – die Geschichte lebt nur noch in Erinnerungen und Archiven weiter.



