Die ehemalige DDR-Klubgaststätte „Zur Promenade“ in Berlin-Marzahn, einst ein beliebter Treffpunkt mit Tanzveranstaltungen und Schulspeisung, verfiel nach der Wiedervereinigung zur Ruine. Erst 2004 wurde der Lost Place abgerissen, um Platz für ein Ärztehaus zu schaffen. Die Geschichte des Gebäudes spiegelt den Wandel Ostberlins wider.
Lage und Erreichbarkeit der Klubgaststätte
Die Klubgaststätte „Zur Promenade“ befand sich an der Marzahner Promenade 30 im Ortsteil Marzahn des Bezirks Marzahn-Hellersdorf. Die genauen Koordinaten (Open-Location-Code) lauten GGVX+HH Berlin. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Standort über die Buslinien 191, 192 und 195 (Haltestelle Marzahner Promenade) erreichbar. Von der Bushaltestelle aus war das Gelände der ehemaligen Gaststätte direkt einsehbar. Heute sind keine Spuren des Gebäudes mehr vorhanden.
Bau und Eröffnung der HO-Klubgaststätte
Im Zuge des DDR-Wohnungsbauprogramms der 1970er- und 1980er-Jahre entstanden in Ostberlin zahlreiche Plattenbausiedlungen. Die Großwohnsiedlung Marzahn wurde ab 1977 auf ehemaligen Rieselfeldern errichtet. Die Klubgaststätte „Zur Promenade“ war die neunte ihrer Art in Ostberlin und sollte die gastronomische Versorgung der neuen Bewohner sicherstellen. Sie wurde von der Handelsorganisation (HO) betrieben und täglich rund 2.000 Mahlzeiten für die Kinder umliegender Schulen bereitgestellt.
Der Bau dauerte nur wenige Monate und wurde von Arbeitern des VEB „BMK Ingenieurhochbau Berlin“ ausgeführt. Am 1. Februar 1985 erfolgte die feierliche Eröffnung im Beisein des damaligen Stadtrats Günter Herbert und des Marzahner Bürgermeisters Gerd Cyske. Die Berliner Zeitung berichtete am Folgetag unter der Überschrift „In der ‚Promenade‘ wird nun jeden Abend getanzt“.
Architektur und Innenausstattung
Der eingeschossige Hallenflachbau im Stil der DDR-Moderne basierte auf einem Entwurf des Architekten Wolf-Rüdiger Eisentraut. Er bestand aus einer Leichtmetallkonstruktion mit Fertigteilstützen, -riegeln und -deckenplatten. Das Gebäude nahm eine Fläche von knapp 2.400 Quadratmetern ein. Charakteristisch waren die rasterartige Metallfassade mit großen Fensterfronten und das zickzackförmige Spannbetondach (VT-Falte).
Das Bauwerk war auf einer Betonbasis errichtet, die eine umlaufende Terrasse mit Caféplätzen, Schirmen und Laternenbeleuchtung bildete. Der Haupteingang war über einen Vorplatz erreichbar. Im Inneren bot die Gaststätte Platz für mehr als 400 Besucher: ein Speise- und Tanzrestaurant (ca. 130 Plätze), ein Café (ca. 70 Plätze), eine Bierstube und einen Mehrzwecksaal (ca. 200 Plätze). Zudem gab es eine Kegelbahn mit 24,60 Metern Länge. Über eine überdachte Passage war das Gebäude mit der angrenzenden HO-Kaufhalle verbunden.
Betrieb und kulturelle Bedeutung zu DDR-Zeiten
Die „Promenade“ war ein Ort der Begegnung: Hier wurde gegessen, getrunken, getanzt und gefeiert. Bekannte Künstler traten auf, Brigaden feierten Planerfüllung, und Hochzeiten, Jubiläen sowie Jugendweihen fanden statt. Besonders beliebt waren die Faschingsbälle und die Jugenddisko. Tagsüber diente der Mehrzwecksaal der Schulspeisung, abends verwandelte er sich in eine Diskothek. Der Duft von Cabinet-Zigaretten, Würzfleisch und Action-Deodorant prägte die Atmosphäre.
Die Eintrittspreise waren niedrig. Bis 22 Uhr durften auch Jugendliche an den Tanzveranstaltungen teilnehmen. Nach 22 Uhr wurde die Musik leiser gedreht und Ausweise kontrolliert; Minderjährige mussten den Saal verlassen. Dann begann die „Nachtboutique“, bei der bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde.
Verfall nach der Wiedervereinigung
Mit der friedlichen Revolution 1989 und der Wiedervereinigung änderte sich die Situation grundlegend. Die HO-Filialen fielen in den Zuständigkeitsbereich der Treuhandanstalt, die versuchte, die Betriebe zu privatisieren. Viele Klubgaststätten überlebten ohne Subventionen nicht. Die „Zur Promenade“ wurde nach kurzer Zwischennutzung in den 1990er-Jahren geschlossen und stand jahrelang leer.
Die breiten Fensterfronten wurden mit Graffitis beschmiert, im Inneren sammelten sich Staub und Dreck. Die benachbarte Kaufhalle wurde als Kaisers-Supermarkt weitergenutzt, aber die verwaiste Gaststätte entwickelte sich zu einer Problemimmobilie, die von Anwohnern als „Schandfleck“ bezeichnet wurde. In den 2000er-Jahren kündigte die TLG Immobilien GmbH, eine Tochter der Treuhand, den Bau eines Dienstleistungs- und Handelszentrums auf dem Grundstück an.
Abriss und Neubau des Ärztehauses
Im Januar 2004 begannen die Abrissarbeiten. Innerhalb weniger Wochen wurde der gesamte Gebäudekomplex abgerissen. Die Trümmer und der Bauschutt wurden abtransportiert. Im April 2004 erfolgte die Grundsteinlegung für das „com@care-Ärztehaus“ (Baukosten: 7,6 Millionen Euro), das bis Mai 2005 fertiggestellt wurde. In den dreigeschossigen Flachdachkomplex zogen zwei Supermärkte im Erdgeschoss sowie mehrere Arztpraxen und Labore ein. Auch die benachbarte Kaufhalle wurde Ende 2004 abgerissen und durch eine Parkfläche mit 120 Stellplätzen ersetzt.
Heute erinnert nichts mehr an die einstige Klubgaststätte. Lediglich die Erinnerungen an ausgelassene Tanzabende in Marzahn bleiben bestehen.



