Ungeachtet der anhaltenden Spannungen aufgrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine haben zwei russische Kosmonauten gemeinsam mit einem US-Astronauten die Internationale Raumstation ISS erreicht. Die Sojus-Kapsel MS-29 koppelte am heutigen Dienstag um 19.52 Uhr MESZ planmäßig am Modul „Pritschal“ der ISS an, wie die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos auf Telegram mitteilte. Der Start vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan lag nur rund drei Stunden zurück.
Besatzung der 75. Mission
Zur Besatzung der 75. Mission gehören die russischen Kosmonauten Pjotr Dubrow und Anna Kikina sowie der US-Amerikaner Anil Menon. Menons Mutter hat ukrainische Wurzeln – ein Detail, das angesichts des Krieges symbolische Bedeutung erhält. Mit der Ankunft des Trios steigt die Zahl der Raumfahrer auf der ISS auf zehn. Bereits an Bord waren die US-Astronauten Jessica Meir, Jack Hathaway und Chris Williams, die Französin Sophie Adenot sowie die drei Russen Sergej Kud-Swertschkow, Sergej Mikajew und Andrej Fedjajew von der vorhergehenden 74. Mission aus dem Februar.
Nasa-Chef reist erstmals seit acht Jahren nach Baikonur
Zum Missionsstart reiste der Leiter der US-Raumfahrtbehörde Nasa, Jared Isaacman, persönlich nach Baikonur. Gemeinsam mit dem Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow verfolgte er den Raketenstart. Damit wohnte zum ersten Mal seit acht Jahren ein Nasa-Chef dem Start einer gemeinsamen Weltraummission mit Russland in Baikonur bei. Hintergrund ist die angespannte politische Lage: Seit der russischen Annexion der Krim 2014 und dem Einmarsch in die Ukraine 2022 ist die Zusammenarbeit zwischen Russland und den anderen ISS-Partnerstaaten erschwert.
Zusammenarbeit bis 2030 verlängert
Bei Gesprächen zwischen Bakanow und Isaacman wurde nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass eine Verlängerung der ISS-Kooperation bis 2030 vereinbart. Bakanow kündigte zudem eine Fortsetzung der wechselseitigen Flüge bis zum Betriebsende der Station an. Auf der Nasa-Webseite sind bereits Pläne für Missionen bis ins Jahr 2032 aufgeführt. Russland plant jedoch eigenen Angaben zufolge ab 2028 den Baubeginn einer neuen nationalen Raumstation, die Mitte der 2030er Jahre ihren Betrieb aufnehmen könnte.
Die ISS als Symbol der Zusammenarbeit
Die ISS ist ein gemeinsames Projekt der Raumfahrtbehörden aus den USA (Nasa), Russland (Roskosmos), Europa (ESA), Kanada (CSA) und Japan (JAXA). Sie wird seit 1998 betrieben und ist damit die langlebigste Raumstation der Geschichte. Seit dem Jahr 2000 finden regelmäßig Langzeitmissionen statt. Trotz der politischen Differenzen bleibt die ISS ein Symbol für internationale Kooperation im Weltraum.



